kleindatenhaltung – hätte czyslansky doch nur rechtzeitig das patent angemeldet …

in deutschen blogs machen derzeit zahlreiche unsinnige und obskure blogger namens „kleindatenhaltung“ auf sich aufmerksam. gleichzeitig erscheinen aufschlussreiche geschichten rund um die offenbar allgemein angesagte kleindatenhaltung. wer wissen will, was man unter einer „kleindatenhaltung“ eigentlich  versteht, der findet bei goggle aktuell 2.960 fundstellen. seltsam nur, dass bis vor zehn tagen der begriff „kleindatenhaltung“ noch gar nicht zu googeln war …

des rätsels lösung: ein wettbewerb zur suchmaschinenoptimierung von webmasterpark.net. gesucht wird im rahmen dieses virtuellen rennens die website, die es schafft, am stichtag (17.11.2008) bei der suche nach dem begriff „kleindatenhaltung“ durch suchmaschinenoptimierung in google ganz oben zu stehen.

auf http://kleindatenhaltung.mit-oder-ohne.de/ werden inzwischen tools zur kleindatenhaltung vorgestellt und die österreicher (!) haben sogar eine kleindatenhaltungsfarm aus dem steirischen boden gestampft.

ein irrsinn mit methode. die ganze sache erinnert heftig an die alte c’t-aktion um die „hommingberger gepardenforelle„. im jahr 2005 hat das magazin c’t eigentlich genau das gleiche gemacht, nur dass der damalige suchbegriff eben die besagt hommingberger gepardenforelle war.

eigentlich könnte mir die ganze kleindatenhalterei am a… vorbei gehen, wenn da nicht unser guter alter czyslansky wäre:

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ein brief von marcello: auf den spuren der ella czyslansky

ella

ella czyslansky, ca. 1878

kaum aus sardischen gefilden zurückgekehrt, erreichte mich gestern ein brief meines neuen freundes marcello umbria – siehe „czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine“ – mit einem weiteren sensationellen fund. il capitano ludovico czyslansky, von dem an anderer stelle hier schon berichtet wurde, hinterlies offenbar in triest eine tochter: ella czyslansky. diese ella eröffnete im jahr 1875 in der via della pescheria ein etablissement, welches seine erotischen dienstleistungen nur notdürftig hinter der bürgerlichen fassade eines fischlokals verbarg. sie führte das haus nach informationen meines freundes marcello bis zu ihrem tod im jahr 1932.

im sommer 1905 freundete sie sich mit einem ihrer gäste an. dabei handelte es sich um keinen geringeren, als den irischen schriftsteller james joyce, der in jenem sommer erstmals nach triest umgesiedelt war und dem kleinen unternehmen unserer ella zeit seines lebens die treue hielt, wie auch sie ihm in guten wie in schlechten zeiten die stange hielt. sie fütterte joyce in seinen eher kargen triestiner tagen durch, verstand sie sich doch aufs beste in guter alter österreichischer tradition vor allem auf kräftig-schwere süsspeisen. geradezu berühmt war sie für ihre schokoladengerichte.

trotz ihrer zahlreichen literarischen bekanntschaften galt ella auf grund ihres zweifelhaften berufslebens unter den czyslanskys stets als schwarzes schaf. unser czyslansky erfuhr als kind nur hinter vorgehaltener hand von der existenz einer italienischen „nutten-ella“, wie sie despektierlich von seinem vater genannt wurde – ein spitzname, den sie wohl schon von der triestiner „besseren gesellschaft“ verliehen bekommen hatte.

es blieb von ihr nicht viel übrig nach ihrem tod – vom rezept eines nuss-nougat-brotaufstrichs abgesehen, der – freilich in arger verballhornung – ihren spitznamen noch heute in aller welt bekannt hält.

die czyslansky-variante

schach

remis in 42 zügen (czyslansky reagiert mit schwarz)

es ist der einschlägigen fachwelt ja schon lange bekannt, dass czyslansky bereits in jungen jahren als überaus begabter schachspieler galt. in einer alten ausgabe der rumänischen schachzeitung „Revista Româna de Sah“ entdeckte ich jüngst einen hinweis auf die berühmte „czyslansky-variante“, mit der er angeblich am 23. märz 1946 den russischen schachgross- und weltmeister alexander alexandrowitsch aljechin in dessen letzter partie bezwang.

nach nur 32 minuten führte aljechins genialer zug bauer d2:d3 zu einer für den jungen czyslansky, der schwarz spielte, scheinbar ausweglosen situation (siehe oben). in den nächsten 42 zügen aber gelang es czyslansky dem russischen altmeister ein remis abzutrotzen (siehe anatoli karpow: die zwölf schönsten stellungen der schachgeschichte in 24 2d-grafiken. falk praxiswissen band 12). leider ging das wissen um die details der czyslansky-variante später verloren. sie gilt deshalb noch heute als schlichterdings unspielbar. von tigran petrosjan wurde nur der 27. zug überliefert, in dem czyslansky aljechins zug mit dem turm h3:f3 mit dem rösselsprung f4:d5 pariert (tigran petrosjan: wenn der bauer mit der dame. aus dem ukrainischen. unveröffentlichtes manuskript. o.o., o.j., zitiert nach „Revista Româna de Sah“ vom 27. februar 1963). nicht schlecht!

da sich unter den regelmäßigen lesern unseres czyslansky-blogs sicherlich zahlreiche passionierte schachspieler befinden, bitte ich hiermit um vorschläge für die 42 züge, die sich der oben dargestellten ein wenig unübersichtlichen ausgangssituation anschliessen könnten und letztlich zum erwähnten remis führten. vielleicht gelingt uns ja in dieser kleinen und feinen community eine rekonstruktion der sagenhaften czyslansky-variante. dann wäre eine weitere lücke in der rekonstruktion des lebenswerkes unseres verehrten czyslansky geschlossen.

czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine

Lloydarsenal

es war ein ebenso großer, wie glücklicher zufall, dass ich während meines diesjährigen urlaubs an einem sonnigen mittwochnachmittag im wunderschönen antico caffè am piazza constituzione der sardischen hauptstadt cagliari saß, traf ich doch dort auf die überaus eindrucksvolle gestalt eines mannes in den gehobenen 70igern, die „la nuova sardegna“ unter einem, die „europeo“ unter dem anderen arm. ich kam mit ihm schnell über die qualität des dargebotenen marrocchino ins gespräch und es stellte sich alsbald heraus, dass es sich bei meinem gegenüber um keinen geringeren, als den unter den archivaren der welt hoch gelobten marcello umbria handelte, den ehemaligen leiter des museo del mare trieste, des ebenso wunderbaren, wie leider noch allzu unbekannten triestiner marinemuseums. vor jahren schon war ich bei einem besuch dieses ehrenwerten hauses auf die lange tradition der österreichischen seeschifffahrt aufmerksam geworden, auf maritime helden wie josef ludwig franz ressel, einem österreicher, dem die erfindung der schiffsschraube zu verdanken ist, und dem im erwähnten museum zu recht ein ganzer raum im obergeschoss des hauptgebäudes gewidmet ist. im laufe einiger gläschen vorzüglichen vernaccia di oristano kam mein freund, wie ich ihn heute nennen darf, marcello auf ein thema zu sprechen, bei dem ich im gedenken an unser schönes czyslansky-projekt spontan die ohren spitzte: die geschichte des österreichischen sklavenhandels.

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Cyzslansky inside

Anlässlich des aktuellen 40sten Firmenjubiläums von Intel ist es wert daran zu erinnern, welche Rolle Czyslansky als Geburtshelfer des größten Halbleiterherstellers der Welt gespielt hat. Bekanntlich verbrachte Czyslansky formative Jahre im Silicon Valley Kaliforniens, wo er einen weitläufigen Bekannten- und Freundeskreis aufbaute. In Czyslanskys Berghütte, im Wald oberhalb von Redwood City gelegen, trafen sich viele Studenten sowie aufstrebende Jungingenieure aus den nahegelegenen Entwicklungszentren. Unter ihnen waren ein gewisser Gordon Earle Moore, der 1950 seinen Chemiedoktor am Caltech gemacht hatte, sowie der Physiker Robert Noyce, der am MIT in Boston mit einigen Pionieren der noch in den Kinderschuhen steckenden Halbleiterforschung gearbeitet hatte.
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Czyslansky und die Erfindung von PKI

Dass sich Czyslansky unendliche Verdienste auch im Bereich der IT Security erworben hat, ist natürlich unbestritten. Begriffe wie „Firewall“, „Pentration“ oder „back door“ lassen sich mühelos bis zu ihrer erstmaligen Verwendung in einigen seiner Schlüsselwerke zurückverfolgen, obwohl böswillige Kritiker immer wieder versucht haben, ihm die wohlverdienten Lorbeeren zu nehmen, indem sie die geistige Urheberschaft anderen Autoren zuschrieben wie etwa Willis H. Ware von der Rand Corporation, ein guter Freund Czyslanskys, mit dem ihn in den 70ern ein langjähriger Briefwechsel verband, oder Fred Cohen von der Hebrew University in Jerusalem, den legendären Entdecker des ersten Computervirus, den „Friday 13th virus“. Dass Czyslansky gemäß seinen Tagebuchaufzeichnungen den Abend des 12ten Mai 1988 mit Cohen in Mike’s Place, einer verufenen Spelunke am Zion Square, verbracht hat, lässt den Schluß zu, dass auch hier der große Vordenker seine Hand im Spiel hatte.
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czyslansky beim meidericher sv

wer kennt sie nicht, die beliebten paganini fussballsammelbilder? die vorläufer der paganinis gab es aber schon in den 50iger und 60iger jahren. damals natürich noch in erheblich kleineren auflagen, herausgegeben u.a. vom otto-sicker-verlag und heute für viel geld bei ebay gehandelt. und eben dort bin ich vergangene woche auf einen sensationellen fund gestossen: sammelbilder der spieler der ersten mannschaft des meidericher sv aus dem jahr 1964. die meidericher spielten damals in der bundesliga und belegten nach dem letzten spieltag hinter dem club den siebten platz.

czyslansky beim meidericher sv Kopie

direkt über dem unvergessenen weltmeister helmut rahn und auf einem blatt mit dem späterem club-trainer und wahlfranken heinz höher findet sich ein spieler, dessen name mir bislang nicht geläufig war: hans czyslansky! dabei kann es sich eigentlich nur um den neffen unseres czyslansky handeln, unehelicher sohn der berta skapcek. berta skapcek war ja in den 30iger jahren mit moshe czyslansky befreundet, trennte sich aber 1938 von ihm. sollte ihr sohn später den namen seines mutmasslichen leiblichen vaters angenommen haben? davon ist der forschung bislang nichts bekannt. ich habe den msv duisburg, rechtsnachfolger des meidericher sportvereins, inzwischen um unterlagen zu hans czyslansky gebeten. sollte der kleine hans noch leben wäre das eine sensation für die czyslansky-forschung. es gäbe vermutlich sogar einen erben für die alte remington, die wir im gedenken an czyslansky noch immer sorgsam aufbewahren. ich bleibe am ball!

Czyslansky und der Ort der Stille

In seinem leider auf tragische Weise verschollenen Standardwerk „Digitalis vincit omnia“ gelang Czylansky, wie wir aus einem Briefwechsel mit seinem Freund Alois Beckstein wissen, eine grundsätzliche philosophische Standortbestimmmung der Digitalität im Kontext der freien Willensausübung. Wie Beckstein (angeblich ein entfernter Vorfahre des heutigen bayerischen Minsterpräsidenten) verriet, ging den Ereignissen um Niederschrift und Verlust von „Digitalis“ ein heftiges, mehrere Nächte dauerndes Streitgespräch der beiden im Restaurant Cooperativo („Coopi“) in Zürich voraus.

Hier kam es vermutlich auch zur denkwürdigen Begegnung mit James Joyce, in deren turbulentem Verlauf Joyce (wie fast jeden Abend) volltrunken ins Lokal kam und schrie, er habe „eine viel bessere Odysee als Homer“ geschrieben, worauf er drei Flaschen „Chateau Limatkai“ verwettete. Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass Joyce seinen Wettgewinn einlösen konnte, denn er starb bekanntlich wenige Stunden später an den Folgen eines Magendurchbruchs.
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Cyzslanskys Tante

Cyzslanskys Tante

Die Cyzlansky-Forschung steckt bekanntlich noch in den Kinderschuhen. Wir wissen noch viel zu wenig über diesen genialen Kosmopoliten und Vordenker des digitalen Zeitgeistes. Doch schon erste, zaghafte Spatenstiche in der Krume der den Czyslansky-Mythos überdeckenden Bodenschichten fördern geradezu erstaunliche Erkenntnisse zutage.

So sind im Nachlass von Arthur B. Rostenheimer, einem Nachbarn der Familie von Hermann und Pauline Einstein, den Eltern von Albert Einstein, kürzlich Briefe an dessen Oheim in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington aufgetaucht die belegen, dass eine gewisse Hindel Cislanski oder Czyslansky ungefähr um 1886 als Hausangestellte und später als Haushälterin im Anwesen der Familie im Hinterhof der Adlzreiterstraße 14 (heute: Lindwurmstraße 127) in München-Sendling beschäftigt gewesen ist.

Rostenheimer erinnert sich in einem Brief an „Tante Hindels legendären Satz, den sie, wie Ihr, lieber Oheim, sicher noch wißt, am Tage stets zu wiederholen pflegte, wenn der junge Einstein wieder einmal von seinem Vater beim Kirschenklauen oder einem der anderen Streiche erwischt wurde, zu denen ihn sein unbändiger jugendliche Übermuth hinriß: ‚Ach, gnädiger Herr, der kleine Farstinkener hat doch nichts Schlimmes getan. Ist doch alles relativ!’“
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war czyslansky ein verfechter der kleinschreibung? nein!

tim cole hat mich vor wenigen tagen darauf angesprochen, ob czyslansky wirklich ein verfechter der konsequenten kleinschreibung gewesen sei. frühe kontakte zu den gestaltern des bauhauses, aber vor allem ein heute verschollenes traktat czyslanskys über die brüder grimm und ihr wörterbuch würden auf eine solche radikale position czyslanskys hinweisen. (an dieser stelle sei auf jacob grimms berühmte verteidigung der minuskel verwiesen: „den gleichverwerflichen misbrauch groszer buchstaben für das substantivum, der unserer pedantischen unart gipfel heißsen kann, habe ich … abgeschüttelt.“)

ich glaube das nicht. vielmehr arbeitete czyslansky, soweit ich weiss, immer schon auf einer alten remington noiseless no.6. das gute stück stammte aus der ersten fertigung von 1929 und die umschalttaste hakte von beginn an ein wenig. czyslansky hat sich damit arrangiert, in dem er sie – so gut es eben ging – ignorierte. „die anderen tasten schnurren noch immer wie ein jaguar“, so czyslansky am 6. mai 1959 in einem brief an seine damalige geliebte eireen brokenshire. das erklärt doch einiges …