Alle Beiträge von Tim Cole

Tim Cole bloggt auch auf www.cole.de

#wish@godund andere Katastrophen

Was geht

Ich glaub’s nicht: Das Buch mit den Beiträgen aus dem Kreativwettbewerb meines Freundes Sebastian von Bomhard von Spacenet ist schon da. Dabei ist die Preisverteilung erst Mitte April. Die besten 36 Kurzgeschichten und die besten 31 Bilder zum reichlich abstrusen Thema „Was geht, wenn nichts mehr geht?“

Sowas kann auch nur SvB einfallen; er hat so einen Humor.

Jedenfalls fanden die meisten der sage und schreibe 170 Möchtegern-Bestseller und Amateur-Wortschmiede das Thema offenbar so schwer, dass ihnen nichts weiter als seichte Endzeit-Szenarien und absolut unlesbares „End-of-life“-Gesulze eingefallen ist. Weiterlesen

Fallbeispiel: So funktioniert Social Media wirklich!

wordpressstats200316Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich eine Fallstudie über die letzten Tage auf Facebook und in den sonstigen sozialen Medien.

Es fing eigentlich ganz harmlos an mit einem Beitrag, den ich auf LinkedIn geschrieben habe und in dem es um den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang der einstigen „Leitmesse“ CeBIT ging. Die CeBIT 2016 war für mich eine riesige Enttäuschung, obwohl ich viele alte Freunde und Kollegen dort getroffen und tolle Gespräche geführt habe. Aber dazu hätte ich ja nicht unbedingt nach Hannover fahren und für 250 Euro die Nacht im Airport Maritim Hoetl übernachten müssen. Der Höhepunkt der Messe war für mich ohnehin schon am Vorabend, als ich mich mit Gunnar Sohn, Hannes Rügheimer, Christian Spanik und weiteren alten Mitstreitern im „Roma“ getroffen habe, um auf unseren viel zu früh verstorbenen Freund Ossi Urchs anzustoßen. Alles, was danach kam, war eher antiklimaktisch. Und den guten, alten Presse-Shuttle haben sie auch abgeschafft… Weiterlesen

Ist E-Mail tot?

emaildeadMein alter Kollege Mehmet Toprak sucht gerade Zitatgeber für eine Cebit-Story in der WirtschaftsWoche über Unified Communications, und mich hat er gefragt, ob E-Mail tot ist?

Meine Antwort: Leider nicht! Dabei ist E-Mail nachweislich einer der größten Effizienzvernichter im modernen Arbeitsleben. Führungskräfte verbringen bis zu 20 Stunden pro Woche allein mit dem Lesen und Schreiben von Mails. Mitarbeiter im mittleren Management verbringen in manchen Unternehmen mehr als ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit dem Abarbeiten von Mails. Dabei handelt es sich bei mehr als 50% aller neuen digitalen Inhalte um Aktualisierungen oder überarbeitete Versionen vorhandener Informationen, wie die Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung in einer Studie herausgefunden hat. Je früher wir Mail begraben und durch moderne UC-Techniken, durch Kollaborationstools wie Teamräume, durch Firmenwikis oder durch Unternehmensblogs, desto besser für die deutsche Wirtschaft.

Finanzkrise: Das Internet ist schuld – und die Lösung zugleich!

Wie konnte das passieren? Google hat es doch schon lange gewusst, was sich da in den Finanzmärkten der Welt zusammenbraut. Wer nach „mortgage crisis“ sucht, findet Artikel aus den Jahren 2003, in denen bereits vor dem Platzen der Immobilien-Blase in den USA gewarnt wurden. Es kann also keiner behaupten, er habe es nicht gewusst.

Das In­ternet war Schuld an dem globa­len Zu­sammenbruch der Fi­nanzmärkte. 2016 kann es Teil der Lösung sein.

Eigentlich müsste das Internet wie ein Frühwarnsystem funktionieren – tut es aber offensichtlich nicht. Das kann nicht daran liegen, dass Banker nicht surfen. Wohl aber, so scheint es, schauen sie sich die falschen Seiten an. Wer immer nur wie ein Kaninchen die Schlange auf die Aktienkurse bei Bloomberg starrt, dem geht über kurz oder lang die Übersicht übers große Ganze verloren. Weiterlesen

Ein Häschen im Schloss (eine wahre Facebook-Geschichte)

adare-manor-hotel-golfDiese Geschichte ist so schön, dass ich sie unbedingt weitererzählen muss. Außerdem ist sie ein perfektes Beispiel dafür, wie man als Unternehmen Social Media richtig einsetzen sollte. Niemand will auf Facebook irgendwelche abgestandenen Pressetexte lesen, und auch die x-te Version Ihres Mission Statement interessiert keine Sau.

Was sie wollen sind authentische Geschichten. So wie diese.

Das Adare Manor Hotel ist eines der nobelsten Herbergen Irlands. Es liegt in einem Dorf westlich von Limerick und wurde im frühen 19ten Jahrhundert als Herrschaftssitz des Earl of Dunraven errichtet. Es liegt inmitten eines 3,4 Quadratkilometer großen Parks und Königin Victoria gab sich 1897 hier die Ehre. Das im Tudorstil errichtete Granitgebäude strahlt eine Erhabenheit aus, die auf Normalsterbliche nicht nur ein bisschen einschüchternd wirkt.

Daran änderte sich auch nichts , als der verarmte letzte Earl von Dunraven das Ungetüm 1982 an eine Investorengruppe verkaufte, die daraus eine Nobelherberge machte, komplett mit einem der schönsten Golfplätze der an Golfplätzen weiß Gott nicht armen Insel, wo 2008 und 2009 der Irish Open ausgetragen wurde. Mehrfach als das beste Hotel von Irland ausgezeichnet und mit Zimmerpreisen ab 480 Euro die Nacht, ist das Adare Manor (das übrigens gerade wegen Renovierungsarbeiten bis 2017 zu ist) nichts für Otto-Normalurlauber. Weiterlesen

So nicht!

In unserer Reihe „Idioten, die Online-Werbung machen“ geht der Preis heute an die Swissad GmbH (Bahnhofstrasse 9, CH-9435 Heerbrugg) fur folgende Email:

„Hallo Tim, dein neues Smartphone wartet auf dich – trotz Schufaprüfung! Bestelle dir jetzt dein neues Smartphone inklusive Allnet- & Internetflatrate.“

Quaere: Haben die von mir vorher eine Bonittsauskunft eingeholt? Ist mein Kreditrating wirklich so schlecht? Vielleicht sollte ich mal bei der Schufa anrufen…

Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann: Fahre mit der Bahn von Salzburg nach München und schreibe eifrig auf dem Laptop einen Text. Auf einmal sind wir in München-Ost. Ich klaube schnell meine Siebensachen zusammen und steige in letzter Sekunde aus. Nach einer Stunde Anruf meiner Frau: „Gerade hat mich so’n Typ von deinem Handy aus angerufen. Er hat ihn im Zug gefunden.“ Ich rufe also mit meinem deutschen Zweithandy bei mir selbst an. Meldet sich der Zugschaffner. Er sei gerade in Karlsruhe, aber um Abend komme er wieder am Ostbahnhof an. Allerdings hält der Zug nur zwei Minuten. Ich stehe also zur verabredeten Zeit mit einer Flasche Wein am Bahnsteig 8, der Austausch klappt wie geschmiert. Will noch einer wissen, warum ich so gerne Bahn fahre?

Information will frei sein

…und möglichst auch umsonst!

Von Ossi Urchs und Tim Cole

 

„Information wants to be free“, so lautet die Mantra einer ganzen Generation von Internet-Nutzern, die im globalen Netz einen Garant für Meinungsfreiheit und Menschenrechte sehen. „Paid content“ gilt in solchen Kreisen als Schimpfwort: Künstler und Konzerne sollen ihre medialen Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen und sich anderweitig refinanzieren: Über den Verkauf von Services, zum Beispiel, die aus dem „Rohstoff“ Content durch Veredelung Mehrwert schaffen, oder durch Werbung, die um kostenlose Inhalte herum gruppiert werden. Extremisten fordern sogar ein „kommerzfreies“ Internet, getreu dem libertären Grundsatz eines „Menschenrechts auf Informationen“: Wer etwas geheim hält oder nur beschränkt zugänglich macht, begeht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Auch wenn die Schreiber dieser Zeilen den Gedanken an ein schrankenloses Internet reizvoll findet, so sind wir doch Realisten und wissen: Ohne Moos nix los! Im und mit dem Internet wird viel Geld verdient, und zu glauben, dass es anders sein kann, ist hoffnungslose Utopie. Weiterlesen

Das Ende einer Erfolgsstory, oder warum ich meinen Tee jetzt bei Amazon bestelle

Schön war's - aber nun ist's vorbei...

Schön war’s – aber nun ist’s vorbei…

Die Wiege des Onlinehandels in Deutschland stand in Oldenburg in Holstein. Studenten der Fachhochschule Flensburg waren auf der Suche nach einem typischen Einzelhändler, den sie als Fallstudie ins neugeschaffene World Wide Web stellen und damit beweisen konnten, dass dieses Webs-Dingsda auch als Verkaufsplattform taugt und nicht nur als akademische Spielwiese. Der alte Frank Franken, der in Oldenburg seit vielen Jahren ein Teegeschäft betrieb, schien ihnen ein geeignetes Opfer zu sein, und sie bauten mit seiner Zustimmmung einen noch recht primitiven Webshop, der aber funktionierte. Das Problem war nur: Der alte Herr Franken hatte keinen Computer. Macht nichts, sagten sich die Kids, und programmierten ihm eine Fax-Weiche, so dass die Online-Bestellungen bei ihm halt ganz altmodisch aus dem Faxgerät herausgerattert kamen.

Der Web-Laden war ein großer Erfolg, und auch ich habe dort von Anfang an meinen Tee gekauft, zumal Herr Franken einen wunderbaren, allerdings auch sehr teuren Oolong namens „Butterfly of Taiwan“ anbot, der mir bis heute sehr gut schmeckt. 20 Jahre lang habe ich dort brav meinen Tee bestellt, auch später, als Herr Franken längst tot war und seine Nachfolger das alte Ladengeschäft geschlossen hatten und den Tee nur noch per Internet vertrieben. Ich benützte das Beispiel auch in meinen Vorträgen als eine der typischen kleinen Erfolgsstories des E-Commerce in Deutschland. Weiterlesen

Die genussvolle Entdeckung des Unerwarteten

serendipityDas Zwischenjahr – die Zeit nach Weihnachten bis Dreikönig – ist fast unerträglich langweilig. Wenn man, wie ich, zu alt ist, um bis Mitternacht aufzubleiben um zuzuschauen, wie die Menschheit das Geld verballert, das dringend nötig wäre, um den Hunger in der Welt zu stillen oder wenigstens ein paar Flüchtlingen einen Platz in der Herberge zu bezahlen, dem bleibt eigentlich nur – das Internet!

So sitzt man vor dem Bildschirm, hat eigentlich nichts dringendes dort zu suchen – und findet viele Dinge, die er entweder vergessen hat, oder auf die er nie von alleine gekommen wäre. Man klickt sich durch von Link zu Link, schmunzelt oder zieht die Stirn in Falten, je nachdem, wohin die digitalen Götter die Schritte lenken. „Browsen“, hieß das in den Frühtagen, weshalb das Softwareprogramm, das wir alle täglich verwenden, „Browser“ heißt. „To browse“ bedeutet im Englischen „blättern“ oder „durchsuchen“. Da wir Native Speakers aber für fast jedes Wort in unserer so wortreichen Sprache mindestens eine, meist aber mehrere Alternativen besitzen, hätte der „Browser“ auch genauso gut ganz anders heißen können.

Zu den Synonymen für „to browse“ zählen zum Beispiel „to scan“, „to hunt“ oder „to rummage“, wie in „to rummage around in a suitcase“, also einen prallvollen Koffer zu durchwühlen. Aber „scanner“ und „hunter“ sind bereits anderweitig belegt, und wer will schon einen „Rummager“ verwenden. Klingt irgendwie nach „rumackern“.

Dabei hätte es ein viel schöneres Wortgebilde geben können, eines, das die geradezu philosophische Dimension des Browsens, also der Suche nach Erkenntnis, beschrieben hätte. Ich meine das wunderbare Wort „serendipity“. Weiterlesen