51 Netz-Schimanskis verurteilen ohne zu ermitteln: der offene Brief der Tatort-Autoren gegen „die Netzgemeinde“

In einem offenen Brief an die „liebe Netzgemeinde“, die Grünen, die Piraten und die Linke beklagten gestern 51 Tatort-Autoren in einem Rundumschlag jedwede Angriffe auf das Urheberrecht. Sie wehren sich insbesondere gegen die von einigen geplante Verkürzung der Schutzfrist von bislang 70 Jahren ab Tod des Autors, aber auch ganz allgemein gegen Vorwürfe an die GEMA und die Musikindustrie. Sie beklagen, dass die Kritiker der derzeit gültigen Urheberrechtssituation sich nicht mit Autoren und Künstlern zusammensetzten und eine „demagogische Gleichsetzung von frei und kostenfrei“ betreiben würden.

Der Brief vermengt die Diskussion um eine Reform des Urheberrechts mit der Diskussion um Vorratsdatenspeicherung und überhaupt viele Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Er pauschaliert und wirft alle Kritiker des heute gültigen Urheberrechts, „die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien„, in einen großen Topf.

Die Krimi-Autoren haben mit diesem Brief viel Staub aufgewirbelt und mit Polemik und Pauschalierungen eine vernünftige Debatte um eine Modernisierung des Urheberrechts eher erschwert.

Ihre zum Ende des Briefes erklärte Diskussionsbereitschaft negieren sie wenige Zeilen vorher mit der Bemerkung „Fakt ist, dass die Urheberrechte in der Bundesrepublik nicht nur durch die Verfassung, sondern auch durch zahllose, völkerrechtlich verbindliche Verträge auch innerhalb der EU ultimativ verbrieft sind. Dass dieses Grundrecht aktuell zur politischen Disposition stünde, gehört zu den liebevoll gehegten Lebenslügen der Netzgemeinde.“

Über die Ausgestaltung von Grundrechten zu reden ist niemals eine Lebenslüge. Was die Briefverfasser fordern, ist ein Denk- und Diskussionsverbot. Und wer zynisch und ironisch formuliert „Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit“, dem kann man eine offene Geprächskultur und Diskursbereitschaft auch nicht wirklich unterstellen.

Dabei tut diese Debatte not. Der Schutz der Urheber- und Verwertungsrechte muss dringend synchronisiert werden mit den neuen Möglichkeiten der künstlerischen Bearbeitung von geschützten Werken, der Publikation von Datenbanken und Datenbeständen, den neuen Formen von Informationsgenerierung, der Redefinition der öffentlich-rechtlichen Sender. Ich plädiere zum Beispiel entschieden dafür öffentlich-rechtlich produzierte Informationen (also keine Tatort-Filme) unter Public License zu stellen, Datenbanken und Sammelwerke aus dem Kanon geschützter Werke auszugliedern, Schutzfristen zu verkürzen, klare Rechte zur nicht-kommerziellen Bearbeitung geschützter Werke zu definieren, die Rechte der Autoren gegenüber Sendern und Verlagen auf dem Gebiet der Wiederverwendung zu stärken und die Rechte der Autoren auf Rücknahme der Vergabe von Nutzungsrechten auszubauen. Insbesondere die letzten beiden Forderungen würden nebenbei auch die ökonomische Situation von Tatort-Autoren stärken. Solche Themen werden heute in der „Netzgemeinde“ diskutiert, von den Verfassern und Unterzeichnern des offenen Briefes aber gar nicht zur Kenntnis genommen.

Und ich kann auch nicht einsehen, dass das nicht-kommerzielle Fotografieren und Online-Stellen von architektonisch spannenden Bauwerken ohne Rücksprache mit dem Architekten heute faktisch juristisch verboten ist. 99,999 Prozent aller heute im Internet publizierten Amateuraufnahmen der Pyramide des Pariser Louvre sind vermutlich illegal und die Fotografen könnten jederzeit verklagt werden. Das kann doch nicht gesellschaftlich gewünscht sein. Angesichts der aktuellen Debatte um ACTA muss auch der Schutz der Zitationsrechte neu formuliert werden und es sind der ausufernden  Privatisierung der Rechtsdurchsetzung durch Hoster und Registrare endlich Schranken zu setzen.

Es wäre besser gewesen, die Tatort-Autoren hätten erstmal ermittelt und nicht gleich verurteilt und zugeschlagen.

Soviel Polemik muss dokumentiert werden. Hier also der komplette Text der Netz-Schimanskis:

 

Offener Brief von 51 Tatort-Autoren

29. März 2012 – 14:11

Liebe Grüne, liebe Pi­ra­ten, liebe Linke, liebe Netz­ge­mein­de!

Wir Un­ter­zeich­ner er­ken­nen an, dass Sie alle sich eines ve­ri­ta­blen Pro­blems an­neh­men wol­len, das die zwei gro­ßen, am In­ter­net hän­gen­den „Par­tei­en“ be­trifft: Die schlech­te Lage der Ur­he­ber, ihre un­an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung und die mil­lio­nen­fa­che il­le­ga­le Nut­zung von ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ten In­hal­ten auf der einen Seite, 600.000 Ab­mah­nun­gen von Usern und die Mög­lich­keit von Netz­sper­ren und (an­lass­lo­ser) Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, die Sie gerne Zen­sur nen­nen, auf der an­de­ren Seite.

Wenn Sie die­ses tat­säch­li­che Di­lem­ma aber ernst­haft lösen (hel­fen) wol­len, ist es an der Zeit, sich von ein paar Le­bens­lü­gen zu ver­ab­schie­den.

Grüne Po­li­ti­ker un­ter­mau­ern das ak­tu­el­le Pro­blem üb­li­cher­wei­se durch die Ge­gen­über­s­tel-lung zwei­er Grund- und Men­schen­rech­te: Der Ar­ti­kel 27 der Men­schen­rech­te pos­tu­lie­re ei­ner­seits den Schutz des Ur­he­bers als Ei­gen­tü­mer sei­ner Schöp­fung, sei­ner Werke, an­de­rer­seits würde der freie Zu­gang zu Kunst und Kul­tur ga­ran­tiert. Diese dra­ma­ti­sche Ge­gen­über­stel­lung ent­hält aber gleich zwei Le­bens­lü­gen:

1. Die dem­ago­gi­sche Sug­ges­ti­on, es gäbe kei­nen frei­en Zu­gang zu Kunst und Kul­tur mehr – eine Be­haup­tung, die durch nichts be­wie­sen wird. Was auch schwer fal­len dürf­te: die Bun­des­re­pu­blik, die west­li­che Welt hat in über 100 Jah­ren ein de­fi­nier­tes, kla­res Sys­tem ver­schie­de­ner Nut­zungs­ar­ten und Zu­gän­ge her­aus­ge­bil­det.

2. Die dem­ago­gi­sche Gleich­set­zung von frei und kos­ten­frei. Die Men­schen­rech­te ga­ran­tie­ren in der Tat einen frei­en, aber doch kei­nen kos­ten­frei­en Zu­gang zu Kunst und Kul­tur. Diese po­li­ti­sche Ver­kür­zung von Grü­nen, Pi­ra­ten, Lin­ken und Netz­ge­mein­de dient le­dig­lich der Auf­wer­tung der User-In­ter­es­sen, deren Um­sonst­kul­tur so in den Rang eines Grund­rech­tes ge­hievt wer­den soll.

Wie über­haupt der ganze Dis­kurs über das Netz und seine User einen hohen Ton an­schlägt und damit die Ba­na­li­tät von Rechts­ver­stö­ßen ka­schiert oder gar zum Frei­heits­akt hoch­jazzt. Die Grund­rech­te der Ur­he­ber bzw. der von ihnen be­auf­trag­ten Rech­te­inha­ber aber wer­den da­ge­gen mar­gi­na­li­siert: Zum Bei­spiel das Grund­recht auf geis­ti­ges Ei­gen­tum. Die­ses Recht wird nicht nur fron­tal an­ge­grif­fen und in­fra­ge ge­stellt, neu­er­dings schi­cken ge­ra­de die Grü-nen gerne von Goog­le ali­men­tier­te In­itia­ti­ven wie col­la­bo­ra­to­ry, Alex­an­der-von-Hum­boldt-In­sti­tut oder auch das (vor­ma­li­ge) Max-Plank-In­sti­tut für geis­ti­ges Ei­gen­tum vor, die an­geb­lich völ­lig au­to­nom und un­ab­hän­gig eine neue Rechts­grund­la­ge su­chen wür­den – im so­ge­nann­ten Im­ma­te­ri­al­gü­ter-Recht.

Fakt ist, dass die Ur­he­ber­rech­te in der Bun­des­re­pu­blik nicht nur durch die Ver­fas­sung, son­dern auch durch zahl­lo­se, völ­ker­recht­lich ver­bind­li­che Ver­trä­ge auch in­ner­halb der EU ul­ti­ma­tiv ver­brieft sind. Dass die­ses Grund­recht ak­tu­ell zur po­li­ti­schen Dis­po­si­ti­on stün­de, ge­hört zu den lie­be­voll ge­heg­ten Le­bens­lü­gen der Netz­ge­mein­de.

Und noch eine Le­bens­lü­ge, die al­ler­dings ty­pisch ge­wor­den ist für die Ber­li­ner Re­pu­blik: der Aus­weg in die Sym­bol­po­li­tik. Das Bei­spiel hier­für sind hier die Schutz­fris­ten, mit denen die Ur­he­ber bzw. ihre Nach­fah­ren von dem ei­ge­nen Werk pro­fi­tie­ren kön­nen. Zur Zeit sind das 70 Jahre post mor­tem, die Netz­ge­mein­de for­dert ra­di­ka­le Ver­kür­zun­gen, gern auch mal „Mo­der­ni­sie­rung“ ge­nannt. Dabei rei­chen die For­de­run­gen von „gar keine Schutz­frist“, einer 5-Jah­res­frist nach Ver­öf­fent­li­chung des Wer­kes, die letz­te For­de­rung der Grü­nen lau­tet: „So­lan­ge der Ur­he­ber lebt“, an­de­re Netzin­itia­ti­ven nen­nen 20 Jahre post mor­tem.

Mal ganz ab­ge­se­hen von der Tat­sa­che, dass nir­gend­wo eine Ar­gu­men­ta­ti­on ver­sucht wird, warum ge­ra­de diese Ei­gen­tums­form über­haupt eine Ein­schrän­kung er­fah­ren darf, ist die­ser Vor­schlag zur Lö­sung des o.g. Di­lem­mas völ­lig un­ge­eig­net. Nicht nur, dass die Ur­he­ber durch diese Schutz­fris­ten-Ver­kür­zung ent­eig­net und damit dra­ma­tisch schlech­ter ge­stellt wür­den, nein, die­ser Vor­schlag än­dert auch kein biss­chen an den In­ter­es­sen der ver­meint­lich un­schul­di­gen User: Ihre il­le­ga­len Down­loads oder Strea­m­ings be­tref­fen in der Masse nur die al­ler­al­ler­neu­es­ten Filme, Mu­si­ken, Bü­cher, Fotos und De­signs – und nicht etwa Werke, die 20, 40 oder 60 Jahre alt sind. Eine Ver­kür­zung der Schutz­fris­ten würde an die­sem Pro­blem also nichts än­dern, wäre reine Sym­bol­po­li­tik: Schaut her, wir haben den Ur­he­bern auch was weg­ge­nom­men…

Die ver­mut­lich gra­vie­rends­te Le­bens­lü­ge der selbst­er­nann­ten Pro­blem­lö­ser zum Schluss: Wenn man Ur­he­ber und User bes­ser stel­len will, braucht es ja einen, der die­sen Al­le-ha­ben-al­le-wie­der-lieb-Kom­pro­miss, der den Kram be­zahlt – denn wie in allem, was her­ge­stellt wird, steckt auch im „Con­tent“ ver­dammt viel Ar­beit von Ur­he­bern und kos­tet des­halb auch Geld, das ir­gend je­mand be­zah­len muss. Die­sen om­ni­po­ten­ten Zah­ler kennt die Netz­ge-mein­de auch schon ganz genau: Nein, nicht Goog­le, youtube und die an­de­ren In­ter­net­ser­vice­pro­vi­der, die sich dumm und däm­lich daran ver­die­nen, il­le­ga­le Kon­tak­te zu ver­mit­teln, den kri­mi­nel­len Mo­del­len wie kino.​to, me­gau­pload, the Pi­ra­te Bay etc. über­haupt zum Er­folg zu ver­hel­fen. Nein, für die Grü­nen, Pi­ra­ten und Netz­po­li­ti­ker aller Par­tei­en ist der große Übel­tä­ter die Ver­wer­tungs­in­dus­trie: Sony, Uni­ver­sal, Ber­tels­mann und, ganz wich­tig, na­tür­lich die GEMA und die an­de­ren Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten. Das sind in ihren Augen die Blut­sau­ger, die sol­len die Zeche zah­len.

Mal davon ab­ge­se­hen, dass die selbst­er­nann­ten Di­gi­tal Na­ti­ves (auch) über die­sen Punkt nie di­rekt mit den be­trof­fe­nen Ur­he­bern ge­spro­chen haben, sie haben über­haupt nicht ver­ste­hen oder be­grei­fen wol­len, dass bis auf Maler und Bil­den­de Künst­ler diese Tren­nung in Ur-he­ber und „böse“ Ver­wer­ter über­haupt kei­nen Sinn macht, ja un­mög­lich ist: Filme, Mu­sik­pro­duk­tio­nen, web- und Wer­be­kam­pa­gnen, Ar­chi­tek­tur- und De­sign­pro­duk­te wer­den über­haupt erst rea­li­siert, wenn die künst­le­ri­schen Ideen der Ur­he­ber mit Ka­pi­tal und Ver­mark­tungs­know­how zu­sam­men­kom­men.

Wenn die Grü­nen, Pi­ra­ten, die Netz­po­li­ti­ker aller Par­tei­en es mit den Ur­he­bern also wirk­lich ernst mei­nen, dann soll­ten sie zu­nächst mal mit ihren ei­ge­nen Kul­tur­po­li­ti­kern spre­chen: Die kön­nen ihnen den Zu­sam­men­hang von Kunst/Kul­tur und ma­te­ri­el­ler Ab­si­che­rung si­cher er­läu­tern, ihnen klar ma­chen, dass die nach­hal­ti­ge Pro­duk­ti­on qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Kunst und Kul­tur nicht ama­teur­haft, also wie Wi­ki­pe­dia or­ga­ni­siert wer­den kann. Im­mer­hin leben hun­dert­tau­sen­de Men­schen von krea­ti­ver Ar­beit und hel­fen mit ihren (kon­kur­renz­fä­hi­gen) Wer­ken, die ide­el­le und ma­te­ri­el­le Zu­kunft einer post­in­dus­tri­el­len Bun­des­re­pu­blik auch in­ter­na­tio­nal zu si­chern.

Wenn man die Lage der Ur­he­ber nach­hal­tig ver­bes­sern will, dann müss­ten also alle po­li­ti-schen Kräf­te den Ur­he­bern bzw. ihren Ver­bän­den hel­fen, das Ur­he­ber­ver­trags­recht zu ver­bes­sern, die Ver­hand­lungs­po­si­tio­nen der Ur­he­ber ge­gen­über den Ver­wer­tern zu stär­ken: Mit Hilfe ver­bind­li­cher Re­ge­lun­gen zu den Ge­mein­sa­men Ver­gü­tungs­re­geln (GVR) oder mit einem Ver­bands­kla­ge­recht, oder, oder…

Vor allen Din­gen soll­ten die Netz­po­li­ti­ker aller Par­tei­en die Fin­ger von den Schutz­fris­ten las­sen, und bitte nicht jede Miss­brauchs­kon­trol­le bei Pro­vi­dern und Usern gleich als den de­fi­ni­ti­ven Un­ter­gang des Abend­lan­des an­pran­gern: Bei der Suche nach Schwarz­fah­rern und Steu­er­hin­ter­zie­hern zum Bei­spiel, müs­sen sich die Bür­ger auch ei­ni­ge Ein­schrän­kun­gen ihrer Rech­te ge­fal­len las­sen.

Für kon­struk­ti­ve Ge­sprä­che über den an­ste­hen­den his­to­ri­schen Kom­pro­miss zwi­schen Ur­he­bern und Usern ste­hen wir je­der­zeit be­reit.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Urs Aeber­sold
Feo Ala­dag
Mi­guel Alex­and­re
Fried­rich Ani
Knut Boe­ser
Kat­rin Büh­lig
Fred Brei­ners­dor­fer
Leo­nie-Clai­re Brei­ners­dor­fer
Ste­fan Cantz + Jan Hin­ter
Orkun Er­te­ner
Chris­toph Fromm
Klaus Gie­tin­ger
Axel Götz
Dinah Marte Golch
Jo­chen Greve
Harry Gö­cke­ritz
Mi­cha­el Gut­mann
Peter Hem­mer
Peter Hen­ning
Felix Huby
Ste­fa­nie Krem­ser
Wolf­gang Lim­mer
Petra Lü­schow
Da­nie­la Mohr
Mar­ti­na Mouchot
Cle­mens Mu­rath
Ca­ro­lin Otto
Hen­ri­et­te Piper
Clau­dia Priet­zel
Peter Probst
Ger­hard J. Rekel
Pim G. Rich­ter
Jo­han­nes Rot­ter
Heike Rüb­bert
Peter Schei­bler
Hart­mann Schmi­ge
Hol­ger Kars­ten Schmidt
Si­mo­ne Schnei­der
Su­san­ne Schnei­der
Do­ro­thee Schön
Tho­mas Schwank
Xaõ Seff­che­que
Mar­kus Stromie­del
Uwe Wil­helm
Mi­cha­el Wogh
Da­ni­el Wolf
Ger­lin­de Wolf
Eva Zahn
Vol­ker A. Zahn
Peter Zing­ler

29. März 2012

Kon­takt über:
www.​drehbuchautoren.​de

33 Gedanken zu „51 Netz-Schimanskis verurteilen ohne zu ermitteln: der offene Brief der Tatort-Autoren gegen „die Netzgemeinde““

  1. Schön, daß Du so ruhig bleibst. Ich finde diese Polemik einfach nur lächerlich und schwach. Es ist auch nicht wirklich klar, was die Leute wollen – für ihre Tatortkrimis wurden sie doch bezahlt, indirekt mit unserem Geld, und zwar unabhängig davon, ob ich das überhaupt sehen will. Aber was mill man von Leuten erwarten, die schreiben
    Mal davon ab­ge­se­hen, dass die selbst­er­nann­ten Di­gi­tal Na­ti­ves (auch) über die­sen Punkt nie di­rekt mit den be­trof­fe­nen Ur­he­bern ge­spro­chen haben, sie haben über­haupt nicht ver­ste­hen oder be­grei­fen wol­len […],
    Also, in vielen mir bekannten Fällen mit Diskussionsbedarf wollten „Urheber“ nicht sprechen. Im Gegensatz zu ihren allgegenwärtigen Anwälten. Daraus zu schließen, daß kein Diskurs stattfinde, gerade mit den Kreativen, ist doch wieder nur eine blasierte Unterstellung von diesen Leuten, die diesen Brief unterschrieben haben.

    Und last but not least: Was verbirgt sich wohl für ein Kunstverständnis hinter dieser Aussage:
    […] dass bis auf Maler und Bil­den­de Künst­ler diese Tren­nung in Urhe­ber und „böse“ Ver­wer­ter über­haupt kei­nen Sinn macht, ja un­mög­lich ist: Filme, Mu­sik­pro­duk­tio­nen, web- und Wer­be­kam­pa­gnen, Ar­chi­tek­tur- und De­sign­pro­duk­te wer­den über­haupt erst rea­li­siert, wenn die künst­le­ri­schen Ideen der Ur­he­ber mit Ka­pi­tal und Ver­mark­tungs­know­how zu­sam­men­kom­men.
    Absicht, daß sie die Autoren ignorieren? Und wenn Kunst erst realisiert wird, wenn sie vermarktet werden kann, dann ist das eine Beleidigung gegenüber allen unabhängigen und nicht kommerziellen Künstlern.

  2. das gerede von den hehren „nicht kommerziellen“ menschen, die in der kunst nichts anderes sehen als die kunst der selberverwirklichung + selbstdarstellung, und die sich in der aktuellen debatte gerne und lauthals von denen absetzen und distanzieren, die mit ihrem künstlerischen schaffen geld verdienen und familien ernähren, geht mir ziemlich auf den senkel… was soll das? ist das eine neue neiddebatte unter digitalen vorzeichen? oder melden sich da einfach nur jene leute zu wort, die mit ihrer kunst kein geld verdienen KÖNNEN, weil partout niemand dafür zahlen will? im übrigen: künstlern vorzuwerfen, vom öffentlich-rechtichen rundfunk bezahlt zu werden und ihnen deshalb das recht auf kritik an urheberrechtserosionen abzusprechen, ist nicht nur ein unsolidarisches und erneut vom neidgeruch verpestetes argument – es müffelt auch nach verantwortungslosem neoliberalismus. wer so argumentiert, kann auch behaupten: ich habe keine kinder – warum soll ich steuern bezahlen, die auch in den ausbau von kindertagesstätten fließen?! also, leute, bevor der laden ganz dicht gemacht wird – schnell noch den fdp-aufnahmeantrag abschicken…

  3. @jörn: Na, Nerv getroffen? Es gibt also zwei Künstler, die, die es der Kunst wegen sind, und die Profis, die sich vermarkten? Tolles Kunstbild. Tolles Künstlerbild.
    Und sehr amüsant, daß man gleich neoliberal ist, nur weil man das Wort „Markt“ in „Vermarkten“ sieht. Sie haben meines Erachtens die Wahl: Stellen Sie sich dem Markt, mit allen Konsequenzen, oder lassen Sie sich alimentieren. Das mögen Sie nicht einsehen, denn wenn wir schon bei Vorurteilen sind: Ich misstraue Menschen, die alles klein schreiben. Das sind oft Egoisten, denen die Lesbarkeit ihrer textlichen Absonderungen nicht wirklich am Herzen liegt.

  4. so, so, eine psychosektion anhand des schreibverhaltens… ich bin sehr beeindruckt! wenn man ihr misstrauen so leicht erregen kann, muss ihre welt von großer helligkeit und freude durchzogen sein. im übrigen haben sie‘s nicht ganz kapiert, oder wollen sie es nicht kapieren: künstler, die fürs fernsehen schreiben, werden nicht alimentiert, sondern für ihre arbeit bezahlt, und abgesehen davon: künstler gibt es in vielerlei varianten, und im gegensatz zu ihnen werde ich einen teufel tun und menschen , die sich künstler nennen, gegenseinander ausspielen oder dem einen mehr rechte zubiligen als dem anderen. vielleicht ist es ihnen ja nicht bewusst, aber die arrgoanz und das überhebliche sich-absetzen von kollegInnen, die das urheberrecht gegen seinen ausverkauf verteidigen, ist zutiefst unsolidarisch, unnötig und – obwohl Ihnen die Lesbarkeit Ihrer Texte so sehr am Herzen liegt – egoistisch…

  5. Ich wußte gar nicht, dass die „Tatort“-Drehbücher alle von Beamten geschrieben werden. So lernt man dazu.

    Wäre interessant zu sehen, wie diese digitalen Dinos sich in einer echten Marktwirtschaft schlagen würden – eine, in der es keine Zwangsabgaben zugunsten halbstaatlicher Medienanstalten gibt und diese Standesbrüder sich ihr Brot im Wettbewerb verdienen müssten.

    Aber das ist Deutschland: geschützte Berufe, gebundene Buchpreise, Kirchensteuern und politische Vormundschaft (ich glaube, sie nennen es „Parteiendemokratie“). Merkt Ihr denn nicht, dass Ihr noch voll im Mittelalter steckt?

  6. Die Pyramide des Louvre ist ein schlechtes Beispiel, denn, stünde sie in Deutschland, wäre das kein Problem. Aber jedes neue Museum und jede neue Kirche sind im Innenraum ein Problem. Dabei verdient kein Architekt auch nur für die Portokasse irgendetwas mit solchen Abbildungen, sie werden einfach nur effektiv verhindert.

  7. @ AndreasP
    Das gilt nur für die „Panorama-Freiheit“. In dem Moment, wo ich ein geschütztes Bauwerk vom Nachbargrundstück aus fotografiere, benötige ich auch in Deutschland eine Zustimmung des Architekten. Eigentlich …

  8. Tatortautoren reden über „qualitativ hochwertige Kunst und Kultur“? Ist das nicht ein wenig so, als würden Metzger über Herztransplantationen fachsimpeln?

    Und beinhaltet der Begriff „geistiges Eigentum“ nicht auch ein automatisches Verfallsdatum, welches durch das Erlöschen des schaffenden Geistes festgelegt wird? Ist dann die Behauptung, dieses geistige Eigentum müsse legitim auch auf Erben (also Geister, die mit der Erschaffung dieses geistigen Eigentums nicht das Geringste zu tun hatten) übergehen, nicht auch eine Art „Lebenslüge“?

  9. @svb: Meine Rede – Tatort-Autoren sind keine Künstler, sondern biedere Handwerker. Ich zahle doch einen Tischler nicht 70 Jahre lang jedesmal Geld, wenn ich mich an einen Tisch setze, den er zusammengezimmert hat. Die sind mit dem Einmal-Honorar (das aus unserer Zwangsabgabe finanziert wird) bereits mehr als fürstlich entlohnt.

  10. @alle, die Schutzrechte verkürzen wollen: Wenn ihr ein Haus baut und bezahlt, wäret ihr auch nicht einverstanden, wenn euren Kindern dieses Eigentum genommen würde bzw. eure Kinder oder Kindeskinder keine Rechte mehr daran haben, weil das Eigentumsrecht erloschen ist.
    @Tim: Du bist Autor und Sprecher. Sind deine Werke alle unter creative commons lizenziert also von jedem unentgeltlich nutzbar, solange er deinen Namen als Autor/Quelle nennt?
    @Michael: Diese Forderungen finde ich wirklich unterstützenswert. Sie würden mir als Journalist und Autor das Leben erheblich erleichtern:
    „…klare Rechte zur nicht-kommerziellen Bearbeitung geschützter Werke zu definieren, die Rechte der Autoren gegenüber Sendern und Verlagen auf dem Gebiet der Wiederverwendung zu stärken und die Rechte der Autoren auf Rücknahme der Vergabe von Nutzungsrechten auszubauen.“

  11. @christoph Du zwingst mich zu etwas, was längst übertfällig war, nämlich dazu, meinen Standpunkt zum Thema Urheberrecht mal klar und umfassend niederzuschreiben.

    Also fangen wir mal an: Ich selbst bekomme für meine Bücher ein lächerlich neidriges Honorar – wenn ich davon leben müsste, wäre ich längst verhungert. Ich verdiene den Rest meines Geldes damit, Vorträge zu den Themen meiner Bücher zu halten, und ich kriege für einen einzigen Vortrag oft ein Vielfaches dessen, was mein Verlag mir für das Buch bezahlt. Ich nenne das Geschäftsmodell: „Schreibe ein Buch und rede darüber.“

    Alle meine Vorträge, respektive die dazugehörigen PowerPoint-Slides, stelle ich kostenlos und ohne Auflagen (wie zum Beispiel eine Creative Commons Lizenz) online. Ich schreibe folgendes dazu: „Ich trete häufig als Referent oder Moderator bei Seminaren, Kongresse oder Firmenveranstaltungen auf. Dort werde ich oft nach Folien gefragt, als Gedächtnisstütze oder als Grundlage für eigene Vorträge, Konzepte oder Entscheidungsvorlagen. Ich habe nichts dagegen, solange keiner meine Inhalte weiter veräussert oder als die seinen ausgibt. Das halte ich aber nicht für eine Frage des Urheberrechts, sondern der Netiquette.“

    Musiker hingegen, wenn sie nicht gerade Madonna oder Paul McCartny heissen, verdienen ihr Geld, indem sie Musikstücke aufnehmen und damit Werbung machen für ihre Live-Auftritte. C’est la même chose!

    Tatort-Autoren werden wie Lohnarbeiter bezahlt. Das langt auch – für das, was die an unsterblicher Kunst abliefern…

    Im Grunde finde ich, dass jede Form von künstlerische Arbeit nach dem Straßenmusikanten-Prinzip bezahlt werden sollte: Wenn es dir gefallen hat, dann schmeiße Geld in meinen Hut. Wenn nicht, gehe weiter. Das Internet bietet mehr Möglichkeiten als je zuvor, dieses Geschäftsmodell zu realisieren. Wenn natürlich die Künstler und Verlage durch ihre Gratis- und Verschenkkultur die Kunden dazu erzogen haben zu denken, dass alles umsonst ist, dann sind sie selber schuld!

    Was mich zu meinem Lieblings-Aufregerthema “Kopierschutz” bringt: Wenn ich ein Musikstück, ein Buch oder ein Video, dass ich legal erworben habe, für den Eigengebrauch (Autoradio, Ferienwohnung, etc.) kopieren möchte, ist das ganz alleine meine Sache. Wer mich daran hindert, ist beraubt mich! Und ich will meine Musikstücke und Videos auch an Freunde ausleihen dürfen. Ja, auch an meine Facebook-Freunde. Der Begriff “Freund” hat im Digitalzeitalter eine Metamorphose erlebt, nur will das die Medienindustrie nicht wahrhaben! Kein Gesetzgeber (und erst Recht kein Unternehmen) darf mir vorschreiben, mit dem ich wie befreundet sein darf.

    Gar keinen oder nur einen zeitlich sehr begrenzten Schutz darf es geben für Dinge wie Medikamente, bei denen Copyright gleichbedeutend ist mit einem Todesurteil für Menschen insbesondere in den ärmeren Ländern. Die Pharma-Multis sollen so viel verdienen dürfen, das es sich für sie lohnt, die nötige Forschunsgsarbeit zu finanzieren. Noch besser wäre es, wenn der Staat solche Forschnung alimentieren würde, denn es handelt sich hier um eine Aufgabe, die für mich unter das Solidaritätsprinzip fällt. Ein Urheberrecht an Dingen wie menschliche Gene ist ein Verbrechen an der Menschheit und muss schleunigst beendet werden.

    Nachrichtenschreiber haben überhaupt kein Anrecht auf Urheberschutz. Wenn Google die (freiwillig von den Verlagen ins Netz gestellten) Inhalte abgreift und zu einem neuen Geschäftsmodell veredelt – sollen sie!

    Was bleibt jetzt noch übrig? Gar nichts: Urheberrecht ist ein Anachronismus! Er ist nicht mehr zeitgemäß. Er verhindert Innovation und wirft uns zurück, satt uns weiter zu bringen.

    Wenn ich jetzt klinge wie ein Pirat, dann ist das zwar völlig unbeabsichtigt, aber vielleicht unvermeidlich. Die Piraten scheinen mir die einzigen zu sein, die sich zu diesem Thema irgendwie vernünftige Gedanken machen.

    Vor allem aber: Ich halte die ganze Diskussion für kindisch und überflüssig: Im Digitalzeitalter hat der Urheberschutz ungefähr so viele Chancen wie ein Schneeball in der Hölle. Es sei denn, wir sind bereit, weite Teile der Bevölkerung unter Generalverdacht zu setzen und sie einem Überwachungsterror auszusetzen, der mit einer freiheitlichen-demokratsichen Ordnung unvereinbar ist.

    Lass uns also doch über was anderes reden; etwas, das Sinn macht. Alle anderen denken entweder zu kurz, oder sie stehen im Sold derjenigen, die das Urheberrecht zu einer Goldmine ausgebaut haben, an der ein paar Konzerne profitieren – der kleine Künstler oder Autor aber ganz bestimmt nicht!

  12. @Tim Cole: Vorschlag zur Güte: Leute wie Sie, für deren Bücher die Menschen offensichtlich nicht so viel Geld ausgeben wollen, als dass Sie davon leben könnten, beackern eifrig die neuen Vermarktungsfelder, und jene Kollegen, die ihre Kunst auf Vertriebswegen an den Mann und die Frau bringen, die Ihnen nicht zugänglich sind, weil Sie, aus welchem Grund auch immer, auf diesem Markt Ihre Waren nicht losschlagen können, lassen Sie einfach ihre Arbeit machen, ohnen ihnen permanent zu unterstellen, dass sie alt und bequem sind oder unnötig gepudert werden. Erstens wissen Sie offenbar nicht viel über deren Arbeitsbedingungen, und zweitens könnte der unangenehme Eindruck entstehen, dass Sie anderen Leuten nicht die Butter auf dem Brot gönnen. Das wäre irgendwie kleingeistig und armselig, und das können Sie ja nicht wollen, oder?! Wie sagt der Kölner: Man muss auch gönne könne! In diesem Sinne, schönen Sonntag!

  13. @jörn: Die „Vertriebswege“, von denen Du sprichst – es gibt auch Leute die diese „Pfründe“ nennen – sind im Grunde ihres Wesens mehr als überholt. Das klingt aus der Feder eines Buchproduzenten und Verlegers jetzt mal so richtig komisch, ist aber so.

    Gemäß Statistiken des Börsenvereins liegt die Chance eines Neuling-Autors „klassisch“ verlegt zu werden bei etwa einem Promille. Das bedeutet EIN Autor findet für sein Manuskript einen Verlag und 999 schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Wiederum statistisch beatrachtet muss man an dieser Stelle die Frage stellen, ob es nicht zielführender und allemal gerechter wäre, das zukünftige Urheberrrecht an den Interessen der 999 zu messen.

    Eine absolute Unverschämtheit ist es, vor diesem Hintergrund Tim zu unterstellen, er hätte einen anderen Weg gewählt, „weil Menschen offensichtlich nicht so viel Geld ausgeben wollen, als dass Sie davon leben könnten“. Schon lange zählt bei uns hinsichtlich der Vermarktungschancen nicht mehr die Qualität eines Skripts, sondern vielmehr die Prominenz des Autors, die skandalträchtigkeit der Story u.ä. Wir leben in einer Zeit und in einem Land, wo die „Autobiographie“ eines ghostwriter-bewährten 23-jährigen Fußballers auf ein fruchtbareres Feuchtgebiet fällt als ein lehrreiches und zugleich unterhaltsames Sachbuch.

    Das ist traurig, aber nicht zu ändern. Schon gar nicht von Leuten wie Dir. Ich bin dann mal weg. (Um mich mit einer literaturrelevanten Plattitüde zu verabschieden.)

  14. Mit Verlaub, Verschwörungstheorien über die vom Skandal- und Sensationsmief befeuerten Erfolgsautoren, die den armen übrig gebliebenen 999 Qualitätsschreibern den Weg in die Charts versperren, bringen uns auch nicht wirkich weiter. Wer auf dem einen Weg nach oben nicht vorankommt, soll sich eben einen anderen suchen. Aber denjenigen, die Erfolg haben, in die Beine zu grätschen und zu unterstellen, sie seien nicht dort, weil sie gut sind, sondern weil ihnen die Gesetze oder finstere politische Kräfte auf die Sonnenseite verholfen haben , ist, wie gesagt, irgendwie zu kleinkariert für diese wichtige Debatte, das müffelt, sorry, nach Neid und Missgunst.

  15. @joern: Kann es sein, das man mit der Zeit gehen muss – weil man sonst mit der Zeit gehen muss? Ich würde gerne vom Erlös meiner Bücher leben (die sich gar nicht *SO* schlecht verkaufen). Ich würde auch gerne meine Tage als Tageszeitungs-Journalist verbringen. Leider erscheint laut Prof. Hohlfeld von der Uni Passau die letzte Tageszeitung in Deutschland ungefähr 2034. Danach ist Schluß, weil keiner mehr Nachrichten auf toten Bäumen lesen will.

    Buchautoren werden sich auch umschauen müssen nach neuen Geschäftsmodellen. Das heißt nicht, das keiner mehr Bücher schreibt. Sie werden ihr Geld nur woanders verdienen müssen. TS (Tough Shit)!

  16. @jörn, jetzt wird’s schwierig. Begriffen hast Du wohl nur die Zahlen, nicht den Zusammenhang. Denn Kleinkariertheit, Neid und Mißgunst Leuten zu unterstellen, die sowohl von Erfolg, wie auch von Zukunftsorientierung gesegnet sind, ist nicht nur unangebracht, sondern zeugt von reaktionärer Gesinnung. Ich will Dich ja nicht gleich als Cerebralasketen hinstellen, aber ein bisschen mehr versuchen zu verstehen, was andere so posten, stünde Dir besser.

    Also: Niemand behauptet, dass das eine Promille AUSSCHLIESSLICH ohne Qualität dort ist, wo es ist. Zudem stehen die auch niemandem im Weg. Es sei ALLEN vergönnt! Und unter den anderen 999 sind (geschätzte) 666 mit Fug und Recht erfolglos, weil sie gar nicht schreiben können oder nur Dünnschiss absondern.

    Trotzdem bleibt das Gesetz der Masse erhalten: Ein Urheberrecht, das nur einem Promille der Literaturschaffenden dient, geht an jeglichen Demokratieverständnis vorbei und ist überholt.

  17. @tough Tim: Das war‘s, was ich meinte: Suchen Sie sich Ihren Weg und hören Sie auf zu jammern, weil es anderen auf anderen Wegen besser geht als Ihnen. Und wenn Sie jetzt schon wissen, was Sie in 2034 auf keinen Fall machen werden, ist das doch prima, gratuliere! Es gibt auch Leute, zum Beispiel Drehbuchautoren und andere Künstler (bzw. „Künstler“, wie Sie als offensichtlich sehr netter Menschen schreiben), wissen noch nicht mal, was im nächsten Jahr sein wird. Dann ist doch alles gut für Sie, oder anders ausgedrückt: Wo ist eigentlich Ihr Problem?!
    @ Peter: Die gleiche Frage geht an Sie (oder duzen wir uns hier?) – und wenn Sie wirklich so erfolgreich und zukunftsorientiert sind (wenn nicht gar, ich bin beeindruckt, „gesegnet“!), wie Sie behaupten, warum pöbeln Sie dann hier gegen Menschen, die sich (und Sie) fragen, warum eine durchaus notwendige Debatte über urheberrechtliche Fragen von Seiten der Kritiker – also von Leuten wie Ihnen – geführt wird, als gelte es einen blutigen Kreuzzug gegen jene Kollegen auszurufen, die die Sache etwas differenzierter oder anders sehen als Sie. Wischen Sie sich mal den Schaum vom Mund…
    @SvB: Lustiger Sketch!

  18. @jörn: Wollte Ihnen mit dem „Du“ keines wegs auf den Schlips treten, sondern hatte allenfalls aus der Vornamensnennung eben jenes abgeleitet. Auch Pöbeln überlasse ich und andere lieber Ihnen. Und Pöbeln gegen Künstler brächte ja schon mal überhaupt nichts, da sie es ja nicht waren, die die geltende Gesetzgebung verabschiedet haben.

    Noch einmal zur Verdeutlichung: Jegliche Argumentation in Sachen Urheberrecht ist NIE gegen eine bestimmte Personengruppe gerichtet! Sie sucht IMMER nur den Kompromiss, der der MEHRHEIT der betroffenen Personen am ehesten gerecht wird.

    Die Fähigkeit – wie Sie unterstellen- die Dinge „differenzierter“ zu sehen, spreche ich Ihnen rigide ab, da von Ihnen keinerlei sachdienliche, sondern ausschliesslich abwertende und gringschätzige Äußerungen gegenüber den hier Mitdiskutierenden kommen.

  19. @ Richter Peter: Das Urteil lautet also „Rigides Absprechen“ wg. Geringschätzung + Abwertung. Sie können beruhigt sein, ich werde nicht in Berufung gehen, bitte aber vor der Urteilsvollstreckung noch einmal kurz um das Wort: Lesen Sie sich beizeiten noch mal durch, was Ihre Mitdiskutanten über Drehbuchautoren geschrieben haben, dann wissen Sie, wie sich Geringschätzung und Abwertung anhört… In diesem Sinne: Sachdienlich weiter!

  20. @Jörn: Ich gehöre zu denen, die sich geringschätzend und abwertend geäussert haben, allerdings spezifisch zu TATORT Autoren, nicht zu Drehbuchautoren allgemein – ich bitte Sie, diesen wesentlichen Unterschied nicht zu unterschlagen. Zwar lässt sich über Geschmack durchaus streiten, aber die Kategorisierung „hochwertige Kunst und Kultur“ erfordert IMO ein gewisses Maß an Niveau, von dem ein Tatort weit entfernt ist. Da stimme ich mit Tim Cole überein – das ist Handwerk und mehr nicht. Diese „animierten Groschenromane“ höher einzuordnen, ist mehr als anmassend und von den Autoren selbst ein Eigenlob, das zum Himmel stinkt.

  21. Lieber Herr Köhler, generelle Urteile sind meistens problematisch, und bei der Bewertung von TV-Filmen geht es mitunter recht geschmäcklerisch zu, das ist okay, wird aber der Sache oft nicht gerecht. Die TATORTE als „animierte Groschenromane“ über einen Kamm zu scheren, zeugt leider weder von Kenntnis der Werke noch von Medien-Kompetenz, und, sorry, dass ich wieder davon anfange, ich komme nicht umhin, zu glauben, dass die Entwertung der Arbeit von TATORT-Autoren, zu denen übrigens die besten Schreiber dieses Landes gehören, sich nicht aus einer unvoreingenommenen Rezeption dieser Werke speist, sondern von ganz anderen Motiven befeuert wird. Oder anders ausgedrückt: Eigentlich sind Ihren Mitdiskutanten die Autoren und deren Werke – ganz gleich, ob man sie für Kunstwerke oder Handwerksarbeiten hält (Drehbücher sind im Übrigen beides) piepegal – wenn es der Stimmungsmache dient, macht man halt mit ein paar wohlfeilen Sätzen aus der Arroganzabteilung die Arbeit dieser Leute nieder.

  22. @jörn Jetzt fallen Sie doch nicht rhetorisch auf alles herein, das man Ihnen präsentiert! Was haben Sie eigentlich gegen sogenannte Groschenromane? Daß sie so preisgünstig sind, daß sie auch von der hart arbeitenden Bevölkerung gelesen werden können? Oder daß es sich um ein Vermarktungskonzept handelt, das nicht jedem Künstler offensteht? Ich glaube, erheblich mehr Leute kennen „Jerry Cotton“ oder „Perry Rhodan“ als auch nur irgendeinen Tatort-Kommissar, auch wenn letztere durchaus ihre Anhänger haben dürften.

    Beiden Produkten gemeinsam ist die Regelmäßigkeit der Fortsetzungen und die teilweise arg vorhersagbare Handlung, wenn man mal ein paar Exemplare gelesen oder gesehen hat. Das gilt zumindest sicher für den Tatort. Aus Sicht vieler Menschen ist der Satz „Der Tatort ist ein animierter Groschenroman“ höchstwahrscheinlich beleidigend, aber für den Autor von „Groschenromanen“.

    Und vor diesem Hintergrund finde ich den Brief der Tatort-Autoren nach wie vor anmaßend. Ich habe aber den Verdacht, daß einige der Unterschreiber überhaupt nicht hinter dem Brief stehen, sie haben sich da vor einen Karren spannen lassen und es zunächst nicht gemerkt.

  23. PS.: Lustige Metapher, ich hab’s auch erst jetzt gesehen: Wie kann man sich vor einen Karren spannen lassen und gleichzeitig dahinter stehen … 🙂

  24. Ach, einer muss hier ja den Verteidiger geben, wenn Sie sich alle so einig sind (und über die Qualität der Blogs, die hier repräsentiert sind, gäbe es ja übrigens – so rein unter Qualitätsgesichtspunkten – auch einiges zu sagen, also in punkto Vorhersehbarkeit der Aussagen, wenn man mal ein paar Textexemplare gelesen hat, oder bezüglich der Regelmäßigkeit, mit der hier die als Querdenkerei aufgehübschte, etwas plumpe politisch unkorrekte Ereiferungsenergie freigesetzt wird. Aber lassen wir das, bzw. nur noch eine letzte Anmerkung: Den Verdacht zu äußern, dass die Tatort-Autoren nicht hinter dem Brief ständen, den sie unterschrieben haben, ist eine recht kühne Behauptung. Kann es sein, dass ich deshalb die Blogkultur in großen Teilen so nervig finden: Weil ein Autor da einfach Sachen in die Welt setzen kann, über deren Wahrheitsgehalt er keine Rechenschaft ablegen muss? Ist doch nur ein Blog, zahlt doch keiner für, alles für umme… nichts für ungut!

  25. Ach Jörn, das artet jetzt aber doch auch arg zum fruchtlosen Zwiegespräch aus. Was Ihre „letzte Anmerkung“ angeht: Sie machen genau das, was Sie mir völlig unberechtigt vorwerfen. Was macht Sie so sicher, daß meine Aussage nur eine „kühne Behauptung“ sei? Vermutlich arbeiten Sie halt so und können sich nicht vorstellen, andere arbeiteten anders.

    Ich stütze meine Aussage auf persönliches Wissen, das könnte uns hier nur weiterhelfen, wenn Sie mich kennen würden, aber es gibt auch Fundstücke wie dieses: http://netzpolitik.org/2012/offener-brief-von-51-tatort-autoren-an-die-netzgemeinde/#comment-455341

    Da kann man deutlich etwas lesen von einem, der zwar unterschrieben hat, aber nicht hinter dem Brief steht. Ich halte den Verfasser trotz seines anonymen Kommentars für authentisch. Sie nicht? Haben Sie noch nie einen „offenen Brief“ bekommen mit der Aufforderung, den zu unterschreiben? Und last but not least: Sie wissen, daß es weitaus mehr als 51 Tatort-Autoren gibt? Es teilen also längst nicht alle die Meinung, die in diesem Brief vertreten wird.

  26. na ja, aus der formulierung, dass einer der unterzeichner nicht ganz glücklich über die form des briefes ist, auf dessen nicht vorhandenen inhaltlichen rückhalt zu schließen… das ist ein bisschen wenig, oder?! und ihre andeutung zum persönlichen wissen, auf das sie ihre aussage stützen, ist auch nicht wirklich befriedigend… was meinen sie denn damit? butter bei die fische! und entschuldigen sie, das ich wieder in diese egomanische kleinschrift verfalle, es geht einfach schneller und hat nichts mit einer missachtung anderer meinungen zu tun… p.s. 1 ja, es gibt mehr tatort-autoren, aber die, die unterzeichnet haben, sind im verband deutscher drehbuchautoren organisiert – und der hat den brief ja schließlich initiiert. p. s. 2 ja, ich habe auch schon mal einen offenen brief unterschrieben, ich habe ihn vorher durchgelesen, und selbst wenn ich mit formfragen gehadert hätte, wäre mein name darunter erschienen. die form ist wichtig, aber der inhalt zählt.

  27. @jörn: In Bezug auf kühne Behauptungen sollten Sie sich vielleicht nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Immerhin wimmeln Ihre Kommentare von eben solchen:
    1. „…zeugt leider weder von Kenntnis der Werke noch von Medien-Kompetenz…“ Ganz schön anmassend! Als stünde ein Vergleich mit Groschenromanen (die ich lediglich in Bezug auf ihr künstlerisches Niveau niedriger eingestuft habe als „hochwertige Kunst und Kultur“ – weitere Negativattribute haben Sie hineininterpretiert) keinesfalls zur Debatte, wenn man Medienkompetenz besäße oder nur genug davon gesehen hätte. Das macht mich wirklich neugierig, wie Ihre Definition von „Medienkompetenz“ wohl lauten mag.

    2. „…zu denen übrigens die besten Schreiber dieses Landes gehören…“ Das hat mir einen exzessiven Lachanfall beschert und lässt mich wiederum an Ihrer Medienkompetenz zweifeln. Wie Marcel Reich-Ranicki das wohl aufnehmen würde?

    3. „…sondern von ganz anderen Motiven befeuert wird.“ Jetzt setzen Sie einfach eine Sache in die Welt, für die Sie keinerlei Belege anführen können. Oder ist das hier Ihr „Coming-Out“ als Telepath?

    Um den von Ihnen so strapazierten Wahrheitsgehalt, den Sie ja bei den hier mitdiskutierenden Bloggern so dreist in Abrede stellen, ist es also bei Ihnen selbst nicht allzugut bestellt.

    Wenn wir hier allerdings nur Vermutungen äußern:

    Ich vermute, daß Sie ein handwerkelnder Drehbuchautor fürs Fernsehen sind oder vielleicht mal einer werden woll(t)en. Darauf deutet auch Ihr Gebrauch des Begriffs „Kollegen“ hin. Es könnte außerdem der Grund sein, warum Sie nicht unter Ihrem vollen Namen posten wollen, wie es viele hier tun. Dafür nehmen Sie natürlich Ihr Recht auf Anonymität im Netz in Anspruch, während Sie andererseits ein glühender Verfechter der Vorratsdatenspeicherung sind, damit bloss jeder Halbwüchsige und jede Hausfrau mit aberwitzigen Geldforderungen abgemahnt werden können, die sich jemals einen Beitrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aus dem Netz runtergeladen haben (wozu sie durch ihre GEZ-Zwangsabgabe eigentlich ohnehin berechtigt sein sollten). Vielleicht sind Sie aber auch nur einer der zahl- und namenlosen Schergen der Contentmafia. Alles nur Vermutungen – aber das hier ist ja nur ein Blog, da ist das wohl so üblich, oder nicht?

    Unterm Strich bleibt nur der traurige Eindruck eines Terriers, der nicht aufhören kann, jedem Stöckchen hinterherzujagen, das hier geworfen wird. Ich für meinen Teil habe jetzt keine Lust mehr, Stöckchen zu werfen – schon gar nicht für den Hund anderer Leute.

  28. @wilhelm köhler: mannomann, da ist aber einer geladen… ich bin sehr beeindruckt, wie man sich über derlei fragen auf eine so zaubrische art echauffieren (und, im übrigen, decouvrieren) kann. da sie ja keine stöckchen mehr werfen wollen und in jedem, der ihnen die sachkenntnis abspricht, entweder ein mafiamitglied oder abgesandten des überwachungsstaates sehen (dieser argumentative schlenker, den sie da in ihre tobenden ausführungen reingewurschtelt haben, ist übrigens von einer geradezu hanebüchenen brillanz!), da sie sich zudem in ihrem wahngebäude aus verschwörungstheorien und überheblichkeitsgeschwurbel eingemauert haben, scheint es mir an der zeit, ihnen frohe ostern und ein fürderhin etwas entspannteres leben zu wünschen, denken sie mehr an ihren blutdruck und weniger and all die bösen schergen und staatlichen zwangsabgreifer, in diesem sinne: gut is!

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