Schlagwort-Archive: Qualitätsjournalismus

Mein einziger Zeuge

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Der „Kammergeist“
Foto: Olaf Ballnus

Ich war letzte Woche in Hamburg beim Landgericht. Eigentlich hätte ich mir die Reise sparen können, denn ich habe diese Runde 0:1 verloren. Es hat sich aber trotzdem gelohnt, denn ich habe dadurch Rolf Schälike kennengelernt. Na ja, eigentlich nicht kennengerlernt, aber wenigstens von Weitem gesehen.

Nochmal kurz zum kurzen Prozess („15 Minuten für die Wahrheitsfindung“): Es ging um eine Einstweiligen Verfügung, die Frank Schirrmacher gegen mich erwirkt hat wegen eines Zitates, das u.a. auf czyslansky.net erschien und in dem ich behauptet habe, seine in seinen Büchern und Artikeln verwendeten Methoden erinnerten mich an die großer Propagandamacher der deutschen Geschichte und insbesondere an die Instrumentalisierung der Juden während der Machtergreifung 1933. Schirrmacher fühlt sich dadurch von mir geschmäht, ich hätte ihn damit sittlich auf eine Stufe mit den Antisemiten gestellt, und die Richter der Pressekammer des Landgerichts sehen das auch so. Mein Anwalt. Prof. Gero Himmelsbach von der Kanzlei Romatka & Collegen in München will erst noch die Urteilsbegründung abwarten, und dann entscheiden wir, ob wir vors Oberlandesgericht ziehen.

Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Wichtig war der unscheinbare Mann mit den schütteren grauen Haaren und dem grauen Anzug, der als Zuhörer in der Ecke saß und fleißig mitschrieb.

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Neven DuMont auf der Suche nach der Zukunft des Qualitätsjournalismus

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Verleger Konstantin Neven DuMont

Konstantin Neven DuMont ist schon immer einer der innovativsten in der Riege der deutschen Zeitungsverleger. Er hat eine in seiner Branche eher selten anzutreffende Affinität zur Online-Kommunikation, ist Verleger mit Herz und Verstand und besitzt die notwendige Risiko- und Aktionsbereitschaft, um die Fußstapfen seines Vaters zu verlassen, die im Internet-Zeitalter keine Orientierung mehr geben können. Letzteres hat er durch die Übernahme der Frankfurter Rundschau vor einigen Jahren bewiesen.

Jetzt kündigt er in der Süddeutschen Zeitung nochmals Versuche zur Einführung bezahlter journalistischer Online-Dienste an.

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So sieht Qualitätsjournalismus aus!

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…und das machen sie richtig gut!

In unserer Reihe zum Thema Qualitäts-, bzw. Print-Journalismus wollen wir uns heute wieder unserer Haus- und Hof-Tageszeitung, der „Süddeutschen“, zuwenden, die zwar manchmal Dubletten produziert (siehe „Quadratur des Qualitätsjournalismus: Die SZ-GDAZ„), manchmal aber auch richtig gute Einblicke in die Aufs und Abs der Medienlandschaft. Christine Brinck hat sich heute Lorbeeren verdient mit ihrer Analyse („Homer Simpsons Wendepunkt“) des „Economist“, dem weltweit einzigen bedeutenden, wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazin, das sich erfolgreich gegen den allgemeinen Anzeigen- und Leserschwund der letzten Jahre behauptet hat. Klartext: Während beispielsweise die Auflage von „Focus“ von 800.000 auf gerade mal 656.000 geschrumpft ist und „Businessweek“ angesichts einer Halbierung der Leserzahl im Frühjahr den Rückzug aus dem Nachrichten-Business verkündet hat, steigt und steigt die Auflage des „Economist“, und auch die Anzeigeneinnahmen sind im vergangenen (Krisen-)Jahr um 25 Prozent gestiegen.

„Was macht der Economist richtig?“, fragt die Autorin, und liefert eine absolut korrekte Erklärung nach: Qualität! Während andere die Zahl der Korrespondentenbüros reduzieren und den Schwerpunkt in Richtung Häppchenjournalismus und seichtem „Tittitainment“ verlageren, bleiben die Macher der ältesten Wirtschafts-Wochenzeitung der Welt (erscheint seit 1843) stur bei ihren Leisten, nämlich einer Mischung aus bestechender Analytik, eine manchmal ans Esotherische grenzende Themenauswahl und einem Tiefgang, der durch verspielten Witz geschickt getarnt bleibt. Ach ja, und dann sind da diese wunderbaren seitenlangen Texte, die zum richtigen Lesegenuß einladen! Die wenigen mehr oder weniger willkürlich zwischengestreuten Bildchen sind mit Unterzeilen versehen, die mehr den Charakter von Suchrätseln haben (Beispiel aus der neuen Ausgabe, unter einem Foto von Erwin Schrödinger: „But what about the other eight lives?“), und fast jede Headline löst beim Betrachter ein befriedigendes inneres Lächeln aus, wie „The end is nigh (again)“ zu einem Artikel über die Zukunft der Aktienkurse.

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Quadratur des Qualitätsjournalismus: Die SZ-GDAZ

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Wie sich die Bilder gleichen: Zwei Grenzfälle auf einmal in der Donnerstags-SZ

Ein Dauerthema dieser Tage nicht nur auf Czyslansky ist die Frage, wie die armen, vom Aussterben bedrohten Tageszeitungen vor der digitalen Bedrohung des Internet gerettet werden können. Die SPD verstieg sich kürzlich, wie an dieser Stelle ausführlich diskutiert, zur gewagten Gleichung „Qualitätsjournalismus = Printjournalismus“ , was natürlich bei jedem Online-Journalisten eine offene Wunde weiter aufriß.

Seitdem schleichen wir Cyber-Schreiber mit hochgeklapptem Revers nachts durch dunkle Gassen und starren voller Neid auf die hellerleuchten Büros, zum Beispiel auf die der „Süddeutschen“ in ihrem neuen Hochhaus im Münchner Osten, wo die „richtigen“ Journalisten an hochqualitativen Texten arbeiten, mit denen sie emsig Tag für Tag ihre langen Papierbahnen füllen. Ja, das sollte uns allen eine neue Zeitungs-Steuer wert sein. Gut, diesmal hat es nicht geklappt, weil die SPD das Thema zu spät in die politsiche Debatte warf, um damit ihren chronischen Wählerschwund zu stoppen, der übrigens fatal an jenen Leserschwund erinnert, der die eigentliche Ursache für die ganze Diskussion um Qualitäts- und/oder Printjournalismus gewesen ist. Aber in vier Jahren sind ja wieder Wahlen, und vielleicht ist es bis dahin dann so weit. Falls es bis dahin noch Tageszeitungen gibt.

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Journalisten ersaufen in Arbeit. Und das Internet ist schuld!

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Der Grund für den an dieser Stelle häufig beklagten Niedergang des Qualitätsjournalismus ist jetzt gefunden worden, jedenfalls in Großbritannien, aber es gibt keinen Grund zu glauben, dass es hierzulande anders ist.

Schuld ist natürlich der Alkohol!

Das mag zunächst keinen überraschen, der je eine Redaktionsstube von innen gesehen hat. Die Whiskyflasche neben der (mechanischen) Schreibmaschine – Czyslanskys alte Remington lässt grüßen – gehört zu den klassischen Stereotypen der Filmgeschichte. Aber wie das so ist mit Vorurteilen: Manchmal stimmen sie. Weiterlesen

SZ Online: Heute steht drin, was gestern passierte…

Was für eine Wahl: Screenshot der SZ-Onlineausgabe vom 30.3.09

Was für eine Wahl: Screenshot der SZ-Onlineausgabe vom 30.3.09

Es ist auch unter den Anhängern Czyslanskys immer wieder ein Klagen und Lamentieren über den Niedergang des deutschen Qualitätsjournalismus und über die Fehlsichtigkeit deutscher Verleger und Redakteuren gleichermaßen in punkto Online-Chancenerkennung zu vernehmen. Und dass sich die gute, alte Tante SZ im Internet nicht gerade mit Ruhm bekleckert, war schon mal Thema an dieser Stelle (siehe „Die Süddeutsche hat das Internet verpennt“ vom 4.12.08). Falls es noch eines weiteren Anschauungsbeispiels bedarf, empfehle ich einen Blick auf die aktuelle Online-Ausgabe von Münchens Vorzeigeblatt.

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