Alle Beiträge von Michael Kausch

Michael Kausch bloggt auch auf vibrio, Digisaurier, Travellers Insight, twittert unter www.twitter.com/michaelkausch, facebookelt hier und googelplusst hier.

czyslansky deckt auf: grüne mit eigenem kandidaten zum bundespräsidenten

(copyright orf)

nachdem die linke nun kommissar ehrlicher als kandidaten für das amt des bundespräsidenten benannt hat, scheinen auch die grünen über einen eigenen kandidaten mit hinreichend fernsehruhm und besonderen kompetenzen in der inneren sicherheit nachzudenken. nach informationen des czyslansky-teams planen einige grüne abgeordnete einen kandidaten ins rennen zu schicken. der name des kandidaten wird zwar noch als verschlusssache gehandelt, doch konnte czyslansky soviel schon in erfahrung bringen: er hat offensichtlich einen deutlichen bezug zum namen des berliner amtssitzes des bundespräsidenten. wir tippen auf kommissar rex!

reich-ranicki, der fernsehpreis, angler und der blaue bock

reich

das war fürwahr ein fest für die sinne: marcel reich-ranicki lehnt spontan vor dem grössten deutschen anglertreffen den deutschen fernsehpreis ab. der "literaturpapst" (sorry alexander: es kann nicht nur einen geben …) erklärt sichtlich erregt über den "blödsinn, den wir hier heute abend zu sehen bekommen haben": "ich gehöre nicht in diese reihe. ich finde es schlimm, dass ich das hier heute abend erleben musste." und das beste: das publikum – diese versammlung von  b-picture-humoristen und show-gören – sitzt mit weit geöffneten mündern und großen augen und zur hälfte mit ebenso geöffneten und grossen dekolletés da und klatscht beifall ohne ende. man sieht: da klatscht eine branche applaus, die ihre eigenen produkte nur mit grossem zynismus zu stande bringt. ganz im geiste des formaligen rtl-erfinders helmut thoma, der einst die programmqualität seines programms mit den ebenso unsterblichen wie unverschämten worten erklärte: "der fisch muss dem wurm schmecken, nicht dem angler".

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windows for smelling

 

im londoner restaurant inamo wird besuchern das essen auf interaktive in die tische eingelassene monitore projiziert. der gast kann sich sein schnitzel erst hochauflösend auf seinem virtuellen teller begucken, und danach durch draufdrücken bestellen. die live-version kommt anschließend nicht über ethernet, sondern wie gewohnt aus der küche. czyslansky recherchiert derzeit in redmond, wie weit die entwicklung von „windows for smelling“ inzwischen gediehen ist. noch gibts keine auskunft, aber wir bleiben natürlich dran.

beim ersten probeessen ist mir leider meine wurst abgestürzt, was aber umstandslos nach redmonds reportet wurde.

ach ja: die entwickler arbeiten angeblich bereits an einer mobilen version für currybuden, während der koch des inamo eine transluzente beilage für macintosh-user im bräter hat.

alles so schön bunt hier – mit nina im ufo ins fernsehen

UFOINSWISS.jpg

"ich bin übrigens halb mensch, halb engel" outet sich "weltstar" nina hagen in ihrer neuen tv-"doku"-serie über ufos und extraterrestrische, die am 15. november auf pro sieben startet. der gefallene engel trifft, ausstaffiert mit sonnenschirmchen und friedensfähnchen, unter anderem auf einen us-amerikaner, der von sich behauptet, er sei halb erdenbürger und halb außerirdischer. zum beweis schließt er sich an eine steckdose an, leuchtet aber nicht. im vergangenen herbst hatte nina bereits während einer diskussion um ufos und engel joachim bublath aus dem maischberger studio verjagt.

die welt wird wohl in zeiten abstürzender sparkassenfilialleiter und verstaatlichter banken zunehmend von astrologen, weltraumfahrern, hexen und engeln bevölkert. die kurse der spinner entwickeln sich traditionell umgekehrt proportional zu den aktienkursen. erst verschwinden die wertlos gewordenen zertifikate, dann hat man plötzlich nicht mehr alle (fliegenden) untertassen im schrank.

schon in den krisengeschüttleten 20iger jahren konnte vor allem amerika – etwas abgeschwächt aber auch das alte europa – einen boom des sprituellen verzeichnen. adorno hat später den zusammenhang zwischen aberglauben und der anfälligkeit für faschistisches gedankengut in den arbeiten zur autoritären persönlichkeit aufgezeigt.

vorerst sendet der engel erst abends um halbelf. sollte sich die krise verschlimmern und die sternenjägerin ins hauptabendprogramm rutschen bleibt uns ja noch die flucht zum mond. grundstücke gibts beim mondmakler jetzt wieder günstiger …

"einfach reden" und "einfach einsperren" – wie skype (nicht nur) kritische chinesen hinter gitter bringen kann

wie die „open net initiative“ herausgefunden hat, belauschen chinesische regierungsstellen seit monaten skype-nutzer. während die ebay-tochter skype selbst noch vor zwei jahren behauptet hat, dass weltweit alle inhalte von skype komplett verschlüsselt übertragen würden und die vertraulichkeit jederzeit gewährleistet sei, stellt sich nun heraus, dass der chinesische partner von skype „TOM“ skype-telefonate systematisch nach „verdächtigen“ begriffen wie „falungong“, „unabhängigkeit taiwans“ und neuerdings „milchpulver“ durchsucht und computernamen und ip-adressen an chinesische behörden weitergibt.

nart villeneuve, der autor der oni-studie , erklärte im newsdienst france24, wie er dieser zusammenarbeit von skype und chinesischen behörden auf die spur kam, und dass er befürchtet, dass skype auch von amerikanischen behörden missbraucht werde:

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blog auf system(s)?

nun hat die bloggerei wirklich das zentrum der gesellschaft erfasst. ich meine, wenn sich die messe SYSTEMS eine blogger lounge zulegt, blogger in ihr pressezentrum einlädt und sich sogar aktiv als sponsor am kommenden wochenende auf dem münchner barcamp engagiert, dann ist das ganze wirklich kein avantgard-medium für dreadlockige web-freaks (hallo ossi) und geschwätzige überallkommunikatoren (fühlt sich irgend jemand hier angesprochen?) mehr.

die SYSTEMS, das ist die messe, in der sich jeden herbst mittelständler in grauen anzügen auf schmucklosen messeständen zum arbeiten treffen. das ist die messe, die seit vierzig jahren schon ziemlich erfolgreich ist, eben weil sie nicht auf show-effekte zielt, sondern auf gediegene meetings, konferenzen und ausstellungen für krawattenträger. und da huschen künftig die blogger durch die gänge?

gut so! da wächst zusammen, was zusammen gehört.

spannend wird nur die diskussion werden, ob es die journalisten mögen, wenn ihnen blogger künftig die schnittchen im pressezentrum wegessen. wer hat von meinem tellerchen gegessen? wer hat da aus meinem gläschen getrunken? wer hat auf meinem plätzchen geparkt? die SYSTEMS als labor für den culture crash. dass ich das noch erleben darf …

Sind wir nicht alle ein wenig Afrika?

Die Photokina 2008 stand (und steht) ganz im Zeichen Afrikas. Denn unter diesem Codenamen hat Leica – für die meisten völlig überraschend – für die große Sensation dieser Messe gesorgt und eine Kamera angekündigt, die so revolutionär ist, dass sie das Zeug hat, Leica als rotgepunkteter Phönix aus der Krise zu ziehen.

leica_s2

Mit der S2 haben die Solmser eine Kamera mit den Innereien einer Mittelformatkamera im kompakten Gehäuse einer modernen Kleinbildkamera vorgestellt. Auf der Photokina kann man sie hinter Glas in einer Vitrine bewundern. Oder hinten im Gästecafé auch mal in die Hand nehmen. Dort wird sie von freundlichen Leica-Menschen ehrfürchtig und vorsichtig an den Tisch gebracht und liebevoll noch bei ihrem Kose- und Entwicklungsnamen genannt: AFRika (Auto-Fokus-Reflex-Integrierte-Kamera“.

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wenn die elefanten träumen

elefanten

das kommt ja nicht alle tage vor, dass sich ibm, microsoft, siemens und sun in einer presseveranstaltung gemeinsam ihre visionen für die it bis zum jahr 2020 erzählen; so geschehen gestern auf einer „elefantenrunde“ zu der die münchner SYSTEMS-macher eingeladen hatten. das erstaunlichste aber ist, dass gar nicht so einfach auszumachen ist, welcher elefant denn jetzt eigentlich aus welchem stall kommt. so ähnlich klingen ihre aussagen, dass man den elefanten auch gerne die kollegiale leitung eines harmonieseminars anvertrauen möchte.

fassen wir nur mal die jeweils ersten sätze ihrer statements zusammen:

a) frank sawatzke, director of marketing and strategy bei ibm: „die ibm vision für 2020 in sachen it sieht global integrierte unternehmen“.

b) ralph haupter, business- and marketing-officer bei microsoft: „im jahr 2020 haben sich neue formen der zusammenarbeit in vielen unternehmen etabliert.“

c) thomas wiemers, vice president strategic marketing bei siemens enterprise communications: „2020 werden informations-, kommunikations- und collaboration-technologien zu einer integrierten form von it verschmolzen sein“

e) donatus schmid, director marketing und sprecher der geschäftsleitung bei sun micrososystms: „the network is the computer“ wird jedes Jahr mehr wirklichkeit.“

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wenn zwei messeveranstalter pitchen hilft nur ein killepitsch

killepitsch

eine hightech-messe in deutschland mit zweistelligen zuwachsraten? mit vollen gängen und ständen? mit zum bersten übervollen vortragssälen? mit immer mehr ausländischen ausstellern und besuchern? mit einem funktionierenden match making-system? gibts nicht? gibts doch! noch!

die „online marketing düsseldorf“ – oder kurz omd – war in diesem jahr (genauer: von gestern bis heute) ein tolles ereignis. alle waren sie ins killepitschland gekommen: microsoft, yahoo, google, tommorow focus, springer und und und. die qualität der speaker und aussteller war hervorragend.

die organisation war nicht immer befriedigend (schlangen an der registrierung). aber selbst das verströmte eher den charme der frühen aufbruchjahre unserer branche, als dass es ernstlich verstörte.

für blogger gab es einen eigenen bereich und journalisten wurden weitgehend von langweiligen pressekonferenzen verschont.

aber wie das so ist: man soll aufhören wenn es am schönsten ist. und die diesjährige omd wird es so wohl nie wieder geben. so ist das halt, wenn sich macher und gemachte in die quere kommen.

vor einigen wochen schon hat der bvdw (der „gemachte“) der omd seine weitere unterstützung gekündigt. der verband will im kommenden jahr in köln eine eigene messe zum thema online-marketing veranstalten. gegen die omd. mit weitgehend identischem konzept. kölsch gegen alt. aber die branche braucht eine zweite online marketing messe ungefähr genauso wie der kölner ein alt und der düsseldorfer ein kölsch. und so wird im streit zwischen bvdw und den omd-machern um alexander felsenberg (der „macher“) wieder einmal eine tolle deutsche messe mit internationaler ausstrahlung den bach runtergehen. entweder wandern die grossen vermarkter zum kölsch und die agenturen und lösungsanbieter bleiben beim alt und zwei provinzmessen sterben einen langsamen tod, oder einer von beiden gibt vorher auf. nach meinem eindruck könnten dies die düsseldorfer sein. einen killepitsch drauf!