Alle Beiträge von Michael Kausch

Michael Kausch bloggt auch auf vibrio, Digisaurier, Travellers Insight, twittert unter www.twitter.com/michaelkausch, facebookelt hier und googelplusst hier.

der wolf ist tot

wolf Bild: Jungfrau Zeitung

thomas knüwer meldet heute in der indiskretion die beerdigung von lycos (griechisch: der wolf). die bertelsmänner wollen verkaufen, 500 der 700 mitarbeiter werden entlassen.

und knüwer trauert kein bisschen: "faktisch war die firma seit jahren ein zombie, ein dead portal walking. lycos war nie großartiger technologieführer, nie besonders cool, nie besonders schnell. es war einfach da und hatte einen hübschen werbehund."

abgesehen davon, dass der hund ein wolf war, hat kollege knüfer aber auch sowas von recht. angeblich hat die site zur zeit noch rund 300 millionen zugreifer im jahr. vor fünf jahren waren das fast zehn mal so viele. wofür braucht die welt schon lycos, dieses überlebte sammelsurium von klingeltönen, "reality-erotik" (was ist das denn?), gastarifvergleich, ratgeber katzen, bankenkompass (das rotiert die nadel), festgeld-vergleich ("zeigst du mir deins, ich zeig dir meins" oder was?) und ratgeber nagetiere (gibt’s alles so im katalog …).

ein bisschen webkatalog, ein bisschen suche, ein bisschen community!
ein bisschen sex, ein bisschen haustier, ein bisschen fussball!

die zeit der generalisten im internet neigt sich dem ende zu. wer wird der nächste sein?

Barcamp statt Messe? Die Interaktivbranche sucht sich neu!

messe2 Innereien einer Messe in Hannover

Glaubt man den Ergebnissen einer aktuellen Studie zum Bedeutungswandel der Messen für die Interaktivbranche des HighText-Verlags, so stehen die traditionellen deutschen Messen vor einer neuen Herausforderung: nach RoadShows und Firmen-Events werden sich künftig auch von BarCmaps und regionalen Web-Stammtischen bedrängt.

Noch führt das aktuelle Ranking der wichtigsten Messen für die Branche die CeBIT an (33%), gefolgt von der OMD (28%) und der Internet World (28%), die ganz offensichtlich im vergangenen Jahr wieder Boden gut gemacht hat. Gespannt darf man sein, wie im nächsten Jahr die neue DMEX in Köln und der Nachfolge-Event der SYSTEMS in München abschneiden werden. Die Münchner werden am 2. Dezember den Vorhang öffnen und auf einer Pressekonferenz ihre Pläne erstmals detailliert der Öffentlichkeit vorlegen.

Für die Zukunft erwarten die Experten um Branchen-Guru Joachim Graf einen grundlegenden Bedeutungswandel der etablierten Messen: "Die Branchenmessen verlieren ihren Fokus als Branchentreff und werden zu Einkäufer- und Entscheidermessen". Ihre Rolle als Meetingpoint werden zunehmend Barcamps und regionale Stammtische übernehmen: "Der Wissenstransfer verlagert sich somit zunehmend von den überregionalen Leitmessen in die regional aufgestellten Web-2.0-Events."

Ich glaube, an diesem Trend ist viel Wahres dran. Die traditionellen Messeveranstalter zeigen ja auch hinreichend Bewegung: Die OMD spaltet sich in die Düsseldorfer Alt-Mannschaft und die Kölsch-Riege der DMEX, die CeBIT sucht unter dem Schlagwort webciety händeringend nach einer neuen Web 2.0-Strategie und was sich die Münchner ausgedacht haben erwartet die Branche mit Hochspannung. Aber soweit, dass der Nachfolger der SYSTEMS ein Stammtisch wird, werden sie wohl nicht gehen. Denk ich mal …

der google-hupf des augenblicks

augen

holger schmidt berichtet in der aktuellen ausgabe seines f.a.z.-blogs als netzökonom (immer lesenswert!) über eine aktuelle rezeptionsstudie von google. dabei hat google die augenbewegungen von google-usern analysiert. viel überraschendes ist nicht dabei herausgekommen: das hauptaugenmerk der user fällt auf die oberen drei fundstellen. die anzeigen fallen kaum auf, was aber regelmäßige GoogleAds-kunden auch schon wissen. bei meiner eigenen anzeige haben bislang über 8 millionen impressions zu gerade einmal 300 klicks geführt. und 2/3 dieser klicks kommen aus content-bezogener werbung, nicht aus google selbst.

googlead 

der augenblick hüpft erst nach durchschnittlich 10 sekunden auf die rechte anzeigenspalte und erst nach 15 sekunden auch auf die unteren fundstellen.

interessant vielleicht: wer "sich informieren möchte, schaut bevorzugt auf die oberen suchtreffer. wer eine transaktion ausführen möchte, lässt den Blick stärker auf die unteren suchtreffer und die rechte anzeigenspalte schweifen." wers genauer wissen möchte, der gucke hier.

mozart googlen

mozartkugel

gemeinsam komponieren im internet: das konzerthaus dortmund – im unterirdischen kennt man sich dort ja aus – bietet mit seinem web-angebot die nievollendete jetzt diese möglichkeit. der online-komponist wählt dabei zeitmaß, melodie und musikalische struktur aus fünf vorgaben aus und erhält im anschluss eine reihe von musikschnipseln, die er flexibel zusammenkleben darf.

ich habs natürlich gleich ausprobiert:

der nachwuchsmozart darf sich entscheiden zwischen allegro, andante, barock, grave und fuge. als arroganter tastenklopfer hab ich mich natürlich gleich in der königsdisziplin der fuge versucht. meine letzte fuge – eher ein fügchen – datiert übrigens auf das jahr 1973 und war ein werk für eine kofferorgel und zwei schnelle finger.  bei meinem aktuellen opus "czyslansky seine fuge" handelt es sich um ein gewagtes werk, das die grenzen des barock aber auch so was von auslotet. der geneigte leser mag zum hörer werden und durch einen klick sich dem monstrum aussetzen. viel spaß!

ps: man sollte sich von der langsamen website nicht irritieren lassen. bis man im odeon seinen platz findet dauerts ja auch ein weilchen. eine chance zur kontemplation, ehe sich die gestärkte seele den gezeiten des musikalischen genius ausliefert.

kleindatenhaltung – hätte czyslansky doch nur rechtzeitig das patent angemeldet …

in deutschen blogs machen derzeit zahlreiche unsinnige und obskure blogger namens „kleindatenhaltung“ auf sich aufmerksam. gleichzeitig erscheinen aufschlussreiche geschichten rund um die offenbar allgemein angesagte kleindatenhaltung. wer wissen will, was man unter einer „kleindatenhaltung“ eigentlich  versteht, der findet bei goggle aktuell 2.960 fundstellen. seltsam nur, dass bis vor zehn tagen der begriff „kleindatenhaltung“ noch gar nicht zu googeln war …

des rätsels lösung: ein wettbewerb zur suchmaschinenoptimierung von webmasterpark.net. gesucht wird im rahmen dieses virtuellen rennens die website, die es schafft, am stichtag (17.11.2008) bei der suche nach dem begriff „kleindatenhaltung“ durch suchmaschinenoptimierung in google ganz oben zu stehen.

auf http://kleindatenhaltung.mit-oder-ohne.de/ werden inzwischen tools zur kleindatenhaltung vorgestellt und die österreicher (!) haben sogar eine kleindatenhaltungsfarm aus dem steirischen boden gestampft.

ein irrsinn mit methode. die ganze sache erinnert heftig an die alte c’t-aktion um die „hommingberger gepardenforelle„. im jahr 2005 hat das magazin c’t eigentlich genau das gleiche gemacht, nur dass der damalige suchbegriff eben die besagt hommingberger gepardenforelle war.

eigentlich könnte mir die ganze kleindatenhalterei am a… vorbei gehen, wenn da nicht unser guter alter czyslansky wäre:

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komm, wir spielen social net

xbox2

spielekonsolen entwickeln sich immer mehr zum begleitmedium für das klassische fernsehen. so sehen es nach einem bericht des wall street journals zumindest die analysten von jupitermedia. damit eröffnen sich den vermarktern der konsolen natürlich völlig neue möglichkeiten als werbeplattform. warum soll sixt den neuen heesters spot nicht auf der xbox, statt im fernsehen schalten? jopi in der xbox – völlig neue perspektiven für kreative werbevermarkter in redmond.

laut jupitermedia nutzen immer mehr anwender der microsoft spielekonsole xbox den mit dieser konsole verbundenen live-service als social community plattform. sie eröffnen online spiel-sessions nur um miteinander zu chatten und ihre meinungen und empfehlungen zum aktuellen fernsehprogramm auszutauschen. eigentlich war social networking gar nicht als anwendung für spielekonsolen vorgesehen. microsoft will aber nun die nächste version von x-box live serienmässig mit einem chat-programm ausrüsten, das dann auch den einfachen austausch von bilddateien erlauben wird. avatare können in virtuellen umgebungen miteinander kommunizieren. auch sony plant für die playstation die einführung virtueller welten.

social networking wird zum spiel. und die konsolen zur abspielbasis für klassische fernsehwerbung.

mit 104 im cabrio durch die innenstadt

ich gebe zu: ich liebe die sixt-werbeanzeigen von jung von matt. laut horizont schicken sie uns jetzt den 104jährigen johannes heesters im schicken cabrio mit dem spruch "in einem sixt-cabrio fühl ich mich wieder wie 99". möge ihm der fahrtwind nicht den zylinder vom kopf reissen!

mir war ja lange schon klar, dass es mit der rente ab 65 endgültig vorbei ist. aber welche perspektiven tun sich für die senioren plötzlich auf: mccain im weissen haus, ron wood und mick jagger lassen die künstlichen hüftgelenke kreisen, reich-ranicki kandidiert als zdf-intendant, barbara rütting (spielte schon 1956 zwar nicht die gailtalerin, aber immerhin die nicht minder berühmte "geier-wally") eröffnet den neugewählten bayerischen landtag (das ist da, wo die csu künftig mit blockparteien regiert), genscher und schmidt könnten nochmal in berlin ran und hans meyer trainiert die borussen.

doch, lieber jopi, bitte bedenke, was ratiopharm empfiehlt: "kein älterer kraftfahrer ist verpflichtet, bedenken an seiner fahreignung einer behörde zu melden und seinen führerschein abzugeben … eine generelle beratung … ist fast nur bei spezifischen krankheiten wie einer demenz sinnvoll." also jopi: falls du wiederholt bei deinem navigationssystems den hinweis auf eine fähre übersiehst …

Automobile, travel

… oder beim rückwärtsparken in schwierigkeiten gerätst …

Automobile, travel

… dann gib dein cabrio einfach zurück und eröffne irgendeinen landtag.

eine letzte träne an die SYSTEMS – (k)ein nachruf

tschüss SYSTEMS. du warst meine erste it-messe als besucher (irgendwann anfang der 80iger jahre) und meine erste als aussteller (mit microsoft os/2 in halle 6 auf dem alten münchner messegelände im oktober 1987). ich weine eine kleine virtuelle träne um dich und freue mich sakrisch auf den nächsten herbst.
denn heute, am 22. oktober 2008 hat die messe münchen bekanntgegeben, dass es im nächsten jahr keine SYSTEMS mehr geben wird – sondern etwas völlig neues.
der security-teil der SYSTEMS wird erweitert und gemeinsam mit dem bisherigen partner – dem secumedia verlag – zu einer kompletten und eigenständigen security-messe mit termin im juni ausgebaut.
im herbst wird es an der stelle der SYSTEMS etwa völlig neues geben. es hat noch keinen namen, aber schon eine hübsche gestalt.
ich habe an anderer stelle – in der dampflog – ein wenig zur vermutlichen gestalt des neuen events geschrieben. das ist nicht viel mehr, als die messe selbst heute in einer kleinen presseveranstaltung bekannt gegeben hat. und es ist abgrundtief parteiisch. aber wer will, darf es natürlich trotzdem lesen.
mag jemand mit mir die SYSTEMS ein wenig still und diskret beweinen? für den fall sei hier noch ein wunderschöner link auf den letzten weg mitgegeben: http://bestatterweblog.de.

blogger – das sind vielleicht typen …

blogger gibt es viele, allein: was haben sie eigentlich miteinander gemein? im gegensatz zur den journalisten, die von „bild-zeitung“ bis zu „rute und raute“ zumindest noch das volontariat und der presseausweis verbindet, fassen wir unter blogger menschen zusammen, die nichts, aber auch wirklich gar nichts miteinander zu tun haben.

eine recht brauchbare gleichwohl nicht ganz vollständige kategorisierung des chaos schlägt michael haller in message online vor. in anlehnung und erweiterung an seinen unbedingt lesenwerten beitrag werfe ich folgende kategorien einmal in die debatte (wobei ich um nachsicht bitte, wenn ich heute mal bei mir selbst abschreibe):

a) narzistenblogger, also freizeit-selbstdarsteller mit starkem ego und ausgeprägtem eskapismus. das ist die mehrheit. thematisch interessieren sie sich vor allem für das was sie vermeintlich können: fürs bloggen.
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