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Jeder Tag ist ein Tag von irgendeinem Scheiss! – Anmerkungen zum Weltmänndertag (2)

Czyslansky-MannJeder Tag ist ein Tag von irgendeinem Scheiss! Der heutige Scheiss ist der Mann. Welttage des ***** wurden von PR-Agenturen erfunden. Sie geben ihnen die Möglichkeit immer mal wieder ein paar Kunden ins Gespräch zu bringen, für die sich sonst keine Sau interessiert. Die Journalisten haben dann ihren aktuellen Aufhänger und wieder kann irgendein Scheiss über irgendeinen Scheiss geschrieben oder gesendet werden. „Zum Welttag des Hundes pflanzt die Schreinerei Möbelheimer einen Baum“ oder „Zum Welttag des Baumes gibt es vom VerlagXYZ ein Buch auf holzfreiem Papier an jeden Hundebesitzer“  Diese Beispiele waren jetzt vermutlich Mist, aber Sie wissen schon was ich meine, so ein mittelkreativer Aktionskäse eben.

Beim heutigen Tag des Mannes ist das allerdings ganz anders. Der ist wirklich wichtig, während nämlich weder Baum, Hund, Kaffee, Frauen oder Kinder wirklich bedroht sind, gehören Männer tatsächlich auf die rote Liste bedrohter Arten. Dass es so ist, kann man schon daran erkennen, dass immer mehr „Männer-Lookalikes“ durch die Metropolen laufen. Diese tragen lange Vollbärte, derbe Arbeitsstiefel und raue Denimklamotten. Ihr Erscheinungsbild soll den oberflächlichen Betrachter glauben lassen, dass es tatsächlich noch ein paar echte Kerle gäbe. Enttäuschend ist nur, dass diese vermeintlichen Holzfäller doch nur metrosexuelle Webdesigner sind. Zottelige Vollbärte und grossflächige Tätowierungen bei Typen, die im Kreissaal weinen, Elternzeit nehmen und ihre Notebooks nach Gewicht auswählen. Weiterlesen

Handgemachte digitale Musik

Bevor ich die Kategorie HiFi – die es hier im Blog im übrigen gar nicht gibt – kampflos Michael Kausch überlasse, mische ich mich mal mit einem Tipp ein.
Anders als die mundgeblasenen Reussenzehn-Röhren von Herrn Kausch werden die Meinen zu 90% digital gespeist. Zwar kann ich die Faszination Vinyl durchaus verstehen, allerdings ist es für mich weitaus bequemer vom iPhone – natürlich verlustfreie – Digitale Daten durch’s Netz in die HiFi Anlage zu schicken. Klingt genauso warm und hochauflösend, allerdings ganz ohne Knistern oder Waschen.

Die Bezugsquellen von unkomprimierten Daten hier in Deutschland sind allerdings sehr begrenzt. Viele Downloadportale bei denen man FLAC (Free Lossless Audio Codec ) oder ALAC (Apple Lossless Audio Codec) Dateien gegen Bezahlung herunterladen kann, sind für deutsche User meist gesperrt. Wir kennen das ja: „Diese Inhalte sind in deinem Land nicht verfügbar“

Eine Alternative ist die SACD (Super Audio CD). Die wehrt sich allerdings beharrlich gegen das Übertragen auf Festplatten (außer man nennt eine gehackte Playstation sein Eigen). Leider ist das Angebot dieser wirklich grossartig klingenden Scheiben zudem nicht so gross.

Da freut man sich, auf seiner Suche nach unverfälschter, handgemachter, digitaler Musik; über Musiker, die ohne Musikindustrie, GEMA und sonstige Verbrecher Blödbacken Partner auskommen und ihre Musik selbst vertreiben.


Über Youtube bin ich auf die beiden großartigen Musiker der Formation Pomplamoose gestoßen, habe sie angemailt, einen Downloadlink bekommen, über PayPal bezahlt und freue mich über tolle Musik, die ohne Umschweife bei mir gelandet ist.

Interessant ist das Grundkonzept, welches den Musikvideos der Beiden zugrunde liegt. Alles, was man hört, sieht man auch. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es keine versteckten Effekte gibt. Singt Natalie ihren Chorus drei mal ein, sieht man sie auch dreimal im Bild.

 

 

Zeitreisende auf Zelluloid

Es geistert seit längerem ein Video durchs Netz auf dem eine ältere Dame mit einem Mobiltelefon am Ohr durch das Footagematerial eines Charly Chaplin Filmes von 1928 läuft.


Die Erklärung von Filmemacher George Clarke , dem Entdecker dieses Phänomens, ist, dass dort eine Zeitreisende auf Zelluloid festgehalten worden sei. Diese Erklärung ist natürlich komplett absurd, denn ein Zeitreisender hätte ja zusätzlich zu seinem Handy auch noch einen Sendemast und einen Wandler ins analoge Festnetz mitnehmen müssen, um im Hollywood der 1920er Jahre telefonieren zu können. Ausserdem gibt es kein „vodafone Zeitreiseversprechen“. Die Roaminggebühren hätten bei weitem die Kosten der Entwicklung einer Zeitmaschine übertroffen und hätten unweigerlich zur Insolvenz des Zeitreisenden geführt.

Vielmehr wurde endlich der Beweis erbracht, dass Czyslansky das Mobiltelefon erfunden hat. Auf dem Film sehen wir die Mutter des gleichermassen genialen, wie auch verkannten Erfinders, die mit ihrem Sohn mit einem der ersten Prototypen telefoniert. Es gibt ein Gesprächsprotokoll zu diesem ersten mobilen Telefonat. Der als äusserst gewissenhaft bekannte Czyslansky hat die ersten Telefonate mitgeschrieben, um die korrekte Sprachwiedergabe seiner Geräte zu kontrollieren.

Für den 26. März 1928 hat er folgendes notiert:

Mama: „Gut dass ich dich erreiche, Häschen.“
Ich: „Was gibt’s Mutti“
Mama:“Du weisst doch, dass ich heute bei der Premiere von Onkel Charlies Film „Der Zirkus“ bin.
Ich: „Ja, Mama“
Mama:“Bitte sei doch so gut und geh mal eben in die Waschküche und sieh nach, ob ich die heissen Kohlen aus dem Bügeleisen rausgenommen habe.“
Ich: „Ach, Mama. Du wirst immer vergesslicher. Aber ich werde nachsehen“
Mama:“Vielen Dank, mein Hase“
Ich: „Kein Problem, viel Spass im Kino und grüß‘ Onkel Charlie“
Mama: „Danke, mach ich. So ich muss jetzt Schluss machen, es geht gleich los“

Dieses Protokoll enthüllt nicht nur die Urheberschaft Czyslanskys an dem Mobiltelefon, sondern auch, dass er ein Neffe oder Grossneffe von Charlie Chaplin war, sowie die Tatsache, dass ihn seine Mutter „Hase“ genannt hat.

Der „Akademischen Titel zurückgebe Flashmob“

Auf das Phänomen des „Akademischen Titel zurückgebe Flashmobs“ bin ich durch einen Facebookeintrag eines Freundes aufmerksam geworden.

Peter Bockelbrink: Im Zuge der öffentlichen Guttenberg Diskussion habe ich mich entschlossen, meinen akademischen Grad des Dipl. Betriebswirt (FH) an die FH München zurück zu geben. Nicht dass ich etwa hier ein proaktives Schuldeingeständnis begehe, sondern ganz einfach nur, um nicht die komplette Arbeit redigieren zu müssen

Was bringt einen braven deutschen Akademiker dazu in einem selbstlosen Akt der Solidarität mit dem gescholtenen Verteidigungsminister, seine Titel freiwillig zurückzugeben? In einem eilig einberufenen Telefoninterview erklärte er mir seine Abscheu vor dieser Hexenjagd gegen Guttenberg und seinem Wunsch ein Zeichen zu setzen.

Ich wollte mich natürlich auch sofort anschliessen, habe aber blöderweise gar keine akademischen Titel …

Also was tun? Ich könnte zum Beispiel ungefähr 95% meiner Mathematik- und Latein-Vierer zurückgeben, die ich nur dadurch bekommen habe, weil ich meinen Banknachbarn nicht angemessen zitiert hatte. Genau genommen habe ich während meiner gesamte Schulzeit ausser in Sport und Kunst immer nur Plagiate fabriziert, ohne die Quelle ausreichend angegeben zu haben … Sollte ich mein Abitur zurück geben? Aber das will vermutlich gar keiner haben, so schlecht wie es war.

Ach ja und mein Seepferdchen, da hatte ich auch „vergessen“ den Beckenrand bei Meter 5 als Hilfsquelle anzugeben, das werde ich ab sofort auch nicht mehr im Namen führen.

Also liebe Akademiker, Abiturienten, Freischwimmer, Führerschein-Inhaber – Wer auch zu den Abschreibern und Schummlern zählt: Weg mit den Titeln und Scheinen, denn nur wer ohne Schuld ist, kann Steine werfen …