Wider das kostenfreie Web

Unter dem Titel „Das wollt ihr nicht wirklich“ hat Marek Lieberberg einen bemerkenswerten Beitrag veröffentlicht. Am Beispiel der Musikindustrie verdeutlicht der gelernte Konzertveranstalter, welche Folgen der ungehinderte und kostenfreie Zugang auf Inhalte haben kann. Die Rechnung, die er aufmacht ist ganz einfach: Wenn niemand mehr kreative Leistungen bezahlt, werden keine mehr erbracht, oder nur noch im Nebenberuf. Dass das nicht unbedingt hohe Qualität erzeugt, ist jetzt schon allerorten zu bemerken.

…Der willkürliche, ungehinderte und kostenlose Zugriff auf alle geistigen Inhalte sowie der sogenannte freie, benutzergenerierte content führen über file sharing und digitale Piraterie zu einer Erodierung kreativer Rechte. Jetzt schon spürbare Konsequenzen sind das Versiegen intellektueller Quellen und die Verarmung der kulturellen Landschaft, die sich in der Schließung von Zeitungen, der Ausdünnung von Reporternetzen und der Aufgabe von bibliographischen Verlagen manifestiert. Alles nur wegen der Krise? Von wegen! Orientierungslosigkeit und laissez faire sind Wegbereiter dieser Entwicklung.

8 Gedanken zu „Wider das kostenfreie Web“

  1. Es läuft alles auf einen uralten Übersetzungsfehler hinaus. „Information wants to be free“ heißt nicht, dass sie umsonst sein will; sie will frei sein!

  2. Wie sagt doch Herr Lieberberg so richtig: „Jetzt schon spürbare Konsequenzen sind das Versiegen intellektueller Quellen…“, wie man am Beispiel seines Artikels unschwer erkennen kann.
    Und @Tim Cole: You know that the old Hacker-community slogan bears both meanings, don’t you?

  3. Ich hab’s mal nachgeschlagen: Was Stewart Brand 1984 gesagt hat war: „Information Wants To Be Free. Information also wants to be expensive. … That tension will not go away.“ Du hast also recht, das Wortspiel ist absichtlich. Nur im Deutschen funktioniert es leider nicht so ganz 😉

  4. @ossi urchs – Oh ja, bei Marek Lieberberg und der SZ am Wochenende sind die intellektuellen Quellen längst versiegt. Die drucken doch tatsächlich als Beispiel, wie Urheberrecht im Internet missbraucht wird, Lieberbergs Behauptung ab, perlentaucher würde die deutschen Feuilletons unbezahlt ins Web stellen. Sind die bei der SZ wirklich so ahnungslos und unbedarft – nachdem die einschlägigen Prozesse gegen perlentaucher durch alle Zeitungen gingen – oder schlicht bösartig?

  5. Der Artikel von Lieberberg hört sich etwas altväterlich an. Die Theorie ist so alt wie unbewiesen: Wer sagt denn, dass Kreativität nur entsteht, wenn sie anständig bezahlt wird? Selbst bei Qualität bin ich nicht sicher.

    Ich führe zwei Beispiele an: Software mag nicht zu den klassischen Künsten gehören, aber Freie Software hat sich durchgesetzt, kommerzielle Software verliert seit Jahren an Boden. Wo sie sich hält, handelt es sich meist um Fragen der Haftung oder der Gewohnheit, sehen wir mal von individuell erstellter Software ab. Jedenfalls geht es so gut wie nie um Qualität, die ist im allgemeinen einfach besser bei Freier Software.

    Oder nehmen wir die Informationen im Internet. Vielleicht sind hier Anzahl der Quellen und negative Ausreisser zunächst erschreckend, aber Wikipedia möge ein Beispiel sein, wie es gehen kann. Oder dict.leo.org… Und es muss einen Grund haben, wieso ich nicht nur die etablierten Zeitungen durchstöbere, sondern auch die Blogs.

    Kreativität? Seit man sich nicht in teuere Abenteuer mit Verlagen stürzen muß, hat jeder eine Chance auf Veröffentlichung. Und ja, das will ich wirklich 🙂

    Letztlich ist das Argument, die Musiker würden um ihr Geld geprellt, auch nicht so haltbar, wie es sich oft anhört. Hauptsächlich ist es die Musikindustrie, die Einbußen erleidet, nicht so sehr die Musiker.

    Ich möchte nicht polemisch sein. Natürlich gibt es Argumente für eine anständige Bezahlung für Kreativität. Hauptsächlich das des Anstands, sagt das Wort ja selbst. Aber so, wie es Lieberberg formuliert, verhält es sich ganz und gar nicht. Nichts ist so konstant wie der Wandel. Modelle, wie Künstler von ihrer Kunst leben können, kommen und gehen analog zum technischen Wandel.

  6. Die Musiker sind das Opfer der Musikindustrie. Je schneller das Internet das Geschäftsmodell der Musik-Multis zerstört, desto besser wird es den Künstler gehen. Jedenfalls den normalen. Und den paar Kunstfiguren („Super-Stars“) weine ich kein Träne nach.

  7. In der Verwertungskette Kunst ist es überall so, dass der Künstler, ob er nun als Autor, Musiker oder sonst etwas schafft, der mit dem geringsten Anteil am Kuchen ist.
    Ein Beispiel aus meinem Leben als Autor:
    Mein Roman „Die Urlauber“ kostet im Buchhandel 19,90 EUR, netto sind das 18,50 EUR, als Autor der sehr gut verhandelt hat, bekomme ich 10% sind also 1,85 EUR.
    Großhandel und Buchhandel sind mit ca. 50% Am Verkauf beteiligt. (9,25 EUR)
    Für Verlag, Druckerei und Buchbinderei bleiben 7,40 EUR Sie hatten allerdings „echte Kosten“ (Hardcover, Prägung, Lesebändchen,Chromschrift …).

    Wenn ich meinen Roman als E-Book, Podcast, PDF verkaufen würde, könnte ich ihn inkl. MWSt. für 2 EUR anbieten und würde das gleiche verdienen. Knapp 18 EUR gehen für Produktion und Handel drauf, aber ich wage zu behaupten, dass es immer noch schwieriger ist, 2 EUR für einen Download zu verlangen als 20 EUR für ein gedrucktes Buch.

    Die Menschen sind noch nicht soweit zu erkennen, dass Inhalte zwar vergütet werden müssen, dass es aber nicht undedingt notwendig ist, den Handel reich zu machen.

  8. @SvB Übrigens die meisten Opensource-Entwickler arbeiten in Firmen, von denen sie sowieso bezahlt werden. Da können Sie es sich dann leisten, Software zu entwickeln, die andere nutzen und weiterentwickeln können. Schon klar, sie werden nicht direkt für die Entwicklung der Software bezahlt, aber die Zeit, die sie dafür aufbringen wird gesponsert. Nicht umsonst arbeiten die meisten Opensource-Entwickler heute bei IBM, Sun und Co. Von irgendetwas müssen die ja auch leben.
    Ich halte auch viel von Wikipedia und ich blogge leidenschaftlich gern. Aber festzuhalten bleibt, dass ich ob der vielen „Informationen“, die ich im Web finde, fast so viel Zeit brauche, um die gefundenen Informationen auf ihre Richtigkeit zu prüfen, wie früher sie zu finden.

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