Was uns die Sterne über eBay sagen

Ich habe von eBay einen Stern bekommen, und darauf bin ich mächtig stolz. Dafür sollte sich eBay schämen.

Im Kindergarten bekamen wir, wenn wir den ganzen Tag brav waren, einen goldene Stern auf die Stirn gepappt. Tja, ich selbst habe das nicht allzu oft erlebt, aber meine Nachbarin Frusi kam beinah jeden Tag beklebt nach Hause, und da gab es dann nochmal Lob von Mami und Papi. So ein liebes Kind…

Vielleicht war ich deshalb im ersten Moment so beglückt als ich jetzt von eBay eine Mail bekam, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich einen türkisfarbenen Stern bekommen habe dafür, dass ich mehr als 100 positive Bewertungspunkte von anderen eBay-Kunden erhalten habe, mit denen ich in den letzten zwölf Monaten zu tun hatte. Konkret waren es 22, die etwas von mir gekauft haben oder die mir etwas verkauft haben. Und das Beste ist: Alle 22 waren offenbar mit mir zufrieden, denn mein Bewertungsprofil weist die Note „100%“ aus.


Ganz so makellos ist mein Bewertungsprofil allerdings nicht. Wer darin blättert, findet folgende Warnung des eBay-Mitglieds „leergutankauf“: „VORSICHT !!! Verkauft leere Ware als NEU & VOLL ! Ebay informiert! NOTE 6- !!!“ Darunter steht aber: „Bewertung einvernehmlich zurückgenommen“. Ich hatte bei diesem Händler eine Tonerkartusche bestellt, und irgendjemand hat dort Mist gebaut, sprich mich mit einem tatsächlichen Stinkstiefel verwechselt und mir die schlechte Note rein gehauen. Sie wurde zwar sofort zurückgenommen, aber endgültig löschen lässt sich sowas bei eBay nicht.

Ich bin, wie Sie merken, mächtig stolz auf mein neues eBay-Sternchen, aber ein bisschen wundere ich mich auch, warum eBay nicht mehr daraus macht. Im Internet weiß man bekanntlich nie, wer am anderen Ende sitzt, und in allen Umfragen rangiert mangelndes Vertrauen und Angst vor Betrügern ganz oben in der Liste der Gründe, weshalb viele Leute nach wie vor nicht bereit sind, online einzukaufen.

Die eBay-Note ist eine der ganz wenigen digitalen Identitäts-Systeme die geeignet wären, im Internet Vertrauen aufzubauen. Sie ist einfach, verständlich, weit verbreitet und ziemlich fälschungssicher. Damit müsste sich doch was machen lassen!

Ich las neulich, dass der britischer Betreiber eines Direktkreditportals die eBay-Note mittlerweile als ein Kriterium in seine Bonitätsprüfung einfließen lässt. Davon hat eBay aber nichts. Wenn ich dort etwas zu sagen hätte. würde ich versuchen, ein nettes kleines Nebengeschäft als Vertrauens-Broker aufzubauen. Denn als Kunde wäre ich durchaus bereit, einen kleinen Obolus zu bezahlen für eine Dienstleistung, die mir die Angst vor dem Online-Shopping ein wenig lindert. Es wären ja vermutlich nur Centbeträge, und das wäre mir mein ruhiger Nachtschlaf wert.

Ich finde die Idee naheliegend – so naheleigend, dass sich die Verantwortlichen bei eBay eigentlich schämen müssten, dass sie selber noch nicht darauf gekommen sind. Aber die aktuelle Geschäftspolitik von eBay ist mir ohnehin ein Rästel: Man nimmt schleichenden Abschied vom ursprünglichen Auktions-Modell, verkommt damit immer mehr zu einem Marktplatz von vielen, steckt Milliarden in den Kauf von Skype und macht nichts draus und verschläft die Chance, mit PayPal den Banken mal so richtig das Fürchten zu lehren.

eBay kriegt von mir keinen Stern. Statt dessen sollten sie sich in die Ecke stellen und schämen!

5 Gedanken zu „Was uns die Sterne über eBay sagen“

  1. eines tages werden uns fürchte ich auch ebay-sternchen nicht mehr retten.

    seit einigen wochen grassieren ja die presseberichte über die denunzianten-site http://www.rottenneighbor.com. als ich zum ersten mal davon hörte, war dieses fürchterliche angebot noch fest in us-amerikanischer hand. mehr aus routine – wollte mal sehen, ob es schon die ersten hasseinträge zu dir gibt 😉 – war ich eben auf rottenneighbor.com und habe mal nachgesehen, ob es inzwischen auch in münchen einträge gibt. und das ist in der tat fürchterlich. u.a. findest du notizen zu einem münchner landtagskandidaten „… hier sitzt das übelste, was münchen zu bieten hat“.

    ein spitzenrating der anwender hat auch dieser eintrag erhalten: „Also, hier wohnen die größten Assis, die es gibt, die eine Tochter ist ne voll Nu***e, die andere eigentlich genauso. Dann die Mutter klaut im Schlecker Geld und täuscht einen Krebs vor. Der Vater ist Alkoholiker. Die ersten 3 Buchstadebn vom Nachname dieser netten Familie lauten: BAU“. das haus der familie BAU* ist übrigens exakt markiert.

    In der Falkenstraße wird ein „assozialer arbeitsloser Harz IV Türke der den ganzen Tag mit seinem blöden kläffenden Köter spazieren geht“ gemeldet. müssen wir diese form des web 2.0 wirklich akzeptieren?

  2. Web 2.0 ist eine Pandorra-Büchse, und sie ist auf. Wir kriegen die bösen Geister nicht mehr zurück in die Flasche. Wer an die totale Transparenz glaubt (wie ich), der muss auch die Schattenseiten akzeptieren. Dazu gehört das digitale Denunziantentum à la rottenneighbors.com. Leider…

    PS: Eine weitere Geißel der Menschheit im digitalen Zeitalter ist die penetrante Kleinschreibung. Noch schlimmer ist ein Kleinschreiber, der gelegentlich vergißt, dass er einer ist und mal groß, mal klein schreibt…

  3. weils noch immer aktuell und im sinne czyslanskys ist: “den gleichverwerflichen misbrauch groszer buchstaben für das substantivum, der unserer pedantischen unart gipfel heißsen kann, habe ich … abgeschüttelt.” (jacob grimm). gleichwohl sehe ich mich genötig den bösen fremden majuskeln in zitaten ihr recht einzuräumen. dies schmerzt arg, kann es doch in seltenen fällen dazu führen, dass das ein oder andere zeichen frech auch in meinem text herauszuheben sich anheischig macht. ich werde das vorlaute „I“ und das ebensolche „F“ in meinem nächsten beitrag durch ächtung strafen.

    aber danke fur den hnwes, leber tm.

    ach: was meinst du eigentlich mit „Pandorra“? eine art hegemonialstreben des kleinen pyrenäen-staates? müsste es dann nicht panandorra heissen? oder ist dir da ein überzähliges „r“ ausgebüchst. aus der büchse derselben …?

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