war czyslansky ein verfechter der kleinschreibung? nein!

tim cole hat mich vor wenigen tagen darauf angesprochen, ob czyslansky wirklich ein verfechter der konsequenten kleinschreibung gewesen sei. frühe kontakte zu den gestaltern des bauhauses, aber vor allem ein heute verschollenes traktat czyslanskys über die brüder grimm und ihr wörterbuch würden auf eine solche radikale position czyslanskys hinweisen. (an dieser stelle sei auf jacob grimms berühmte verteidigung der minuskel verwiesen: „den gleichverwerflichen misbrauch groszer buchstaben für das substantivum, der unserer pedantischen unart gipfel heißsen kann, habe ich … abgeschüttelt.“)

ich glaube das nicht. vielmehr arbeitete czyslansky, soweit ich weiss, immer schon auf einer alten remington noiseless no.6. das gute stück stammte aus der ersten fertigung von 1929 und die umschalttaste hakte von beginn an ein wenig. czyslansky hat sich damit arrangiert, in dem er sie – so gut es eben ging – ignorierte. „die anderen tasten schnurren noch immer wie ein jaguar“, so czyslansky am 6. mai 1959 in einem brief an seine damalige geliebte eireen brokenshire. das erklärt doch einiges …

6 Gedanken zu „war czyslansky ein verfechter der kleinschreibung? nein!“

  1. Diesen Post nahm ich zum Anlaß ein wenig das Thema „Schreibmaschinen“ zu recherchieren. Dabei bin ich auf diesen sehr schönen Schreibmaschinen-Online-Shop gestoßen, den ich gerne mit euch „sharen“ möchte, wie man heutzutage sagt:

    http://www.mytypewriter.com/

    Das Wort „Schreibmaschinen-Online-Shop“ ist ja an sich schon ein gewisses Paradoxon, um so schöner ist es dort zu stöbern.

    Die legendäre Remington noiseless war dort natürlich auch zu finden.

  2. Oh ja, die Seite trieft geradezu vor klappernder Nostalgie. Ich begegnete dort meiner Olympia wieder, auf der ich vor 40 Jahren als Jungvolontär in Buchen, der Hauptstadt von badisch Sibirien, meine ersten staksigen Gehversuche als Schreiber machte.

    Und ich fand vor allem meine Selectra, die kugelköpfige von IBM, in die ich 1980 fast meine gesamte Abfindung von der Motor Presse Stuttgart investierte und die mein Sprungbrett in die journalistische Selbständigkeit war. Sie hatte etwas, was keiner hatte: eine Korrekturtaste! Ich konnte auf einmal vollständig fehlerfreie (optisch, jedenfalls…) Manuskripte schreiben, was für einen Kryto-Pedanten wie mich das Größte überhaupt war.

    Und wenn wir hier schon einen Trip Down Memory Lane machen, dann sei auch noch mein allererster Chefredakeur und Verleger genannt, Dr. Hermann Knorr von der Rhein-Neckar-Zeitung in heidelberg, der uns ausgavewütigen Stifte anhielt, unsere Texte auf die Rückseite von Pressemitteilungen zu tippen, statt dafür ein teueres Blatt Schreibmaschinenpapier zu verschwenden. Später ergänze er noch seine Spar-Anweisung: Bei kürzeren Texten könne man das Blatt, auf dem der Pressetext stand, auch halbierern, dann bekäme man zwei zum Preis von einem.

    Ach ja, die Schreibmaschine. Was hat sie doch für Geschichten geschrieben…

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