Über Verleihnix, Horst und das Micro-Kreditwesen

„Nie wieder verleihe ich Geld“, wie oft habe ich mir das schon vorgenommen, spätestens seit dem mir mein damaliger Freund Horst einen ordentlichen vierstelligen Betrag nie mehr zurückgezahlt hat. Geld schadet der Freundschaft, nicht zurückgezahltes Geld noch mehr. Es war ein riesiger Fehler, fast schon ein Trauma, was Horst mir da beschert hat und was mich zu einem knickrigen Geizhalz werden lies. „Solange Horst mir mein Geld nicht wiedergegeben hat, verleihe ich nichts mehr“, waren immer wieder meine ablehnenden Worte, wenn es um die Anfrage eines Privatkredits ging. Böse Menschen behaupteten, dass mein Fehler nur darin bestanden hatte, einem „Horst“ was geliehen zu haben. Man sage nicht umsonst „Du Horst“ zu einem der nichts geregelt kriegt.

Wie auch immer, ich würde diese Zeilen nicht schreiben, wäre ich mir selbst nicht untreu geworden. Ob es die Zeit war, die meine Wunden heilen lies, ich weiss es nicht, jeden Falls verleihe ich wieder Geld und zwar an viele Menschen.

Der Unterschied ist nur, dass es weniger Geld ist, dass ich meine Schuldner gar nicht kenne und das sie definitiv nicht Horst heissen. Sie heissen vielmehr Rosa Maribel, John, Easther … und sind lauter Leute, die ganz weit weg wohnen. Es sind NegerAfrikaner, Indios, Uzbeken und Philipinos und sie brauchen alle einen Kredit, weil sie sich selbständig machen wollen oder ihr Geschäft vergrößern möchten. Sie investieren und fahren nicht wie Horst für mein Geld mit der Familie in Urlaub.

Und noch eines ist anders: „Sie zahlen ihren Kredit zurück“ und das sogar ziemlich pünktlich.

John, zum Beispiel, hat sich eine Haarschneidemaschine für seinen Barbershop (Irgendeine Strohhütte mitten in einer afrikanischen Steppe) zulegen wollen und ich habe ihm 25$  geliehen und nach ein paar Tagen hatte er ein paar Hundert Dollar beisammen und rasiert jetzt den halben Busch … oder so, jedenfalls habe ich meine 25$ zurück und gebe sie jetzt Rosa, die sich eine Schubkarre für ihren Fischversand im philippinischen Urwald (oder so) kauft.

Das Portal, was meine Microkredite vergibt heisst: KIVA http://www.kiva.org und es sei euch wärmstens empfohlen. Es macht Spass dabei zu sein, wenn Leute ihren Arsch hochbekommen auch oder gerade weil sie am Ende der Welt wohnen. Man kann ihre Profile lesen, Fotos schauen und sich freuen, dass man ihnen helfen kann ihr Leben zu gestalten und ihre Familien zu ernähren. Und das Beste ist, es gibt auch eine iPhone App, mit der man auch von Unterwegs schauen kann, ob sie alle brav zurück zahlen und dann geht es wieder los …

Ich hör jetzt auf zu schreiben und verteil mal wieder ein paar Dollars in der Welt, aber gleich welch tolle Geschäftsidee ein noch so kreditwürdiger Mensch aus Takatukaland oder Hinterostbatschakistan hat, wenn er Horst heisst, kriegt er von mir nix.

5 Gedanken zu „Über Verleihnix, Horst und das Micro-Kreditwesen“

  1. Hochinterssanter Beitrag! Idee und Inhalt haben mich infiziert. Ich mach` da mal mit. Hoffe , dass es seriöser abläuft als bei PLAN, wo mein männliches Patenkind Talent Sitole aus Simbabwe nach ca. acht Jahren Sponsoring im obligatorischen Jahresbericht plötzlich zur 17-jährigen Mutter geworden ist. Als ich nachhakte , haben die Veranstalter nolens volens eingräumt, dass sie es mit den Fakten und dem Wahrheitshalt ihres Story-Telling nicht so genau nehmen….

  2. Mikrokredite sind was tolles. Ich habe schon eine Mikrokreditstiftung in Ruanda ans Laufen gekriegt (finanziert Näherinnen ihre Nähmaschinen zum Selbstständig machen). Jetzt läuft eine IT-Ausbildungsstiftung: Junge afrikanische Mädchen kriegen ihre Ausbildung zur IT-Sektretärin per Mikrokredit finanziert. Wer mitmachen will: Das initiale Stiftungskapital beträgt 150 Euro pro Schulplatz.

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