Twitter macht blind

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Na, siehst noch was, du alter Säufer?

Es wurde ja auch mal Zeit. Endlich haben sich, wie der Nachrichtendienst pressetext.de vermeldet, Mediziner mit dem Phänomen SMS befasst, vor allem unter Jugendlichen. Und wir können deshalb auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse behaupten, dass SMSen schlecht ist für die Gesundheit. Die Kids kriegen Hals- und Schulterschmerzen, was Rachel Gold, Leiterin des Labors für Ergonomie und Arbeitsphysiologie an der Temple University in Philadelphia auf die schlechte Körperhaltung beim Verfassen von Texten am Handy zurückführt.

Zwar beschränkt sich die Studie ausdrücklich auf das Phänomen des “texting”, wie die elektronischen Kurznachrichten auf Englisch heißen, aber es ist davon auszugehen, dass die Forschungsergebnisse sinngemäß auch für Twitter-Nachrichten gelten, womit der Beweis erbracht ist: Twittern macht krank!

Ich musste beim Lesen dieser Nachricht unwillkürlich an meine Mutter denken, Gott hab sie selig, die mir im Pickelalter die  ersten zaghaften Experimente mit der Autoerotik mit der ernsthaften Warnung auszutreiben versuchte, Onanieren mache blind. Ich habe das auch geglaubt, was mich zwar nicht davon abhielt, es stundenlang unter der Bettdecke zu treiben, aber wenigstens hatte ich dabei ein schlechtes Gewissen. Ich nehme an, das war es, was Frau Mama wollte, aber da ich werde wohl meinen Therapeuten nochmal fragen müssen.

Was ich eigentlich sagen will: Krankheitsbilder wie Portnoys Beschwerde, Maus-Arm oder eben jetzt auch Twitter-Daumen sind nichts, von dem wir uns den Spaß verderben lassen sollten. Und dass alles Gift ist, hat ja schon der alte Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, gewußt. “Es kommt nur auf die Dosis an!”, sagte der alte Schwerenöter (seine Werke diktierte er stets im Zustand fortgeschrittenen Alkoholeinflusses; Czyslansky hätte mit ihm seine helle Freude gehabt!).

Schwerer hätte sich der Alte vermutlich mit der Einordnung des Twitterns unter den Entiae getan. Ist es ein Ens Veneni (ein durch den Körper aufgenommenes Gift) oder ein Ens Spirituale (Einfluss der Geister)? Spielt bei bestimmten Menschen womöglich die von ihm beschriebene verstärkende Wirkung durch eine schwache Konstitution (Ens Naturale) eine Rolle? Eine Einwirkung der Gestirne (”Ens Astrale“) scheidet wohl aus. Aber was ist mit dem unmittelbaren Einfluss Gottes (“Ens Dei“)?

Wir leben in ernsten Zeiten, und das sind ernste Fragen. Vielleicht findet die Czyslansky-Gemeinde ja darauf eine Antwort.

PS: Alternativ empfiehlt sich ein Gang über den Sebastiansfriedhof in Salzburg (hallo SvB!), wo der große Alte aus dem Schwabenland seine letzte Ruhe fand. Er hatte sich selbst mit Blei vergiftet und sich dabei in der Dosis vertan…

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