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Zur Zukunft von Facebook, LinkedIn, Xing, Second Life, StudiVZ und all den anderen – mein Beitrag für die WELT KOMPAKT vom 1. Juli 2010 im Rohmansukript

weltkompakt scroll edition

Am 1. Juli 2010 erschien die WELT KOMPAKT, die „kleine Schwester“ der großen deutschen Tageszeitung Die Welt, als „Scroll Edition“, gemacht nicht von den Redakteuren der Zeitung, sondern von etwa 20 deutschen Blogger/inn/n, unter ihnen gleich fünf Czyslanskys. Zur Rezeptionsgeschichte der Scroll Edition siehe den Beitrag hier auf Czyslansky und in der w&v. Im Folgenden dokumentiere ich meinen Beitrag zur Zukunft der sozialen Netze in Form des Rohmanuskripts:

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Die Welt Kompakt ist erleichtert, wir auch?

Nachdem ich vermutlich einer der wenigen (Probe)Abonnenten der #Weltkompakt bin, die vorgestern an der #Scrolledition mitgearbeitet haben, konnte ich heute den resümierenden Beitrag von Frank Schmiechen über eben dieses Experiment lesen.
Er erklärt darin seinen Lesern, was WIR ALLE gelernt haben. (hier nur ein paar Schnipsel)

Gelernt haben wir, dass eine Zeitung eben mehr ist als eine Versammlung guter Texte

Eine Zeitung braucht einen eigenen Rhythmus. Das Wechselspiel aus harten Nachrichten, weichen Reportagen und sorgfältig ausgewählten Nachrichtenfotos

und noch vieles mehr, was sicher sehr gut für eine Einführungsrede vor neuen Rekruten der Springerakademie geeignet wäre.
Wissen das ER als Stellv. Chefredakteur ganz sicher auch schon VOR dem Experiment hatte.

Was ich mich jetzt frage: wenn er das alles wusste, warum hat er dann uns die Texte vorproduzieren lassen und hat sie einfach hintereinander geklatscht?
Als wir in Berlin ankamen, war die Ausgabe fast fertig. Die Fotos waren auch schon drin. Es gab keine Diskussion über den „Rhythmus“, Dramaturgie, über das Wechselspiel. Für harte Nachrichten war kein Platz (ausser wir hätten unsere vorproduzierten Beiträge rausgeworfen, und wer will das schon) und es war auch keine Zeit, unser Redaktionstag begann erst Mittags. Wieso macht er das, gegen besseres Wissen?

Ich wollte den kritischen Kommentaren in den Blogs keinen Glauben schenken, die behaupten, dass wir von Springer nur vorgeführt wurden, damit Schmiechen beweisen kann, dass nur richtige Journalisten eine Zeitung machen können, aber sein Schlusssatz gefällt mir nicht.

Heute erscheint die WELT KOMPAKT wieder in bewährter Form. Die meisten von Ihnen werden erleichtert sein. Wir sind es auch.

Dabei vergisst er, dass wir doch eigentlich gar nicht vor hatten tote Bäume zu bedrucken. ER hat UNS gebeten mitzumachen. Aber vielleicht bin ich auch bloß eine Blogger-Mimose oder eine WEB2.0-Zicke und überempfindlich …

Ich spiele Weltkompakt

Ein wenig fühle ich mich wie das Kamerakind bei der Kindersendung „Eins, zwei oder drei …“ (war das mit  Michael Schanze?) Gekennzeichnet durch einem rosa Rahmen im Bild darf ich die große Kamera durchs Studio schwenken.

In diesem Fall ist es keine Kamera, sondern die Weltkompakt an der ich mich versuchen darf. Mein Beitrag über Literatur im Netz, der morgen übrigens nahezu ungekürzt erscheinen wird, war mehr oder weniger ein Heimspiel, aber was ich mir dann aufgehalst habe, war etwas völlig Neues für mich.

„Kamerakind“ Alexander ist nämlich jetzt einen Tag der „Sportchef“ der rechten Spalte mit den Meldungen, die keinen so richtig interessieren, die man aber der Vollständigkeit halber unbedingt erwähnen muss. Und jetzt beginnt das, was für Journalisten ganz normal ist und für mich richtig anstrengend. Agenturmeldungen lesen, sortieren, Themen vorschlagen, Texte verfassen, Texte kürzen, Nachrichten rausschmeissen, andere Prioritäten setzen … Wenn wichtigere Nachrichten hereinkommen, müssen Unwichtige weichen, wenn Neue kommen, müssen Alte weg …

Ein komisches Medium dieses Print … Anstatt das alles einfach auf der Timeline nach unten zu verschieben …

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Czyslanskys Fab Four im Flughafen Munich (Michael Kausch ist unser Pete Best)
Heute ist ein großer Tag. Ja, gut, Deutschland wählt sich einen neuen Bundespräsidenten, aber darum geht es gar nicht. Heute ist der Tag, an dem die Welt den Bloggern gehört. Das ist wörtlich gemeint: „Die Welt“, oder jedenfalls die Kompaktausgabe der Tageszeitung, wird heute von Bloggern produziert. Und vier Mitglieder der Gesellschaft der Freunde Czyslanskys sind mittendrin.

Von schäumender Vorfreude aus dieses bislang einzigartige crossmediale Experiment war aber in der Abflughalle des Münchner Flughafens noch nichts zu spüren, als sich Christoph Witte, Sebastian von Bomhard, Alexander Broy und der Schreiber dieser Zeilen bei lauwarmer Morgen-Latte und belegte Brötchen von schwammartiger Konsistenz versammelten. Jedenfalls hielt sich die gemeinsame Mitteilsamkeit, offline wie online, in Grenzen. „Wir würden ja Live-Bloggen, wenn wir schon wach wären“, fasste SvB die Stimmung in einem für die Uhrzeit erstaunlichen Ausdruck von Feinformulierung feststellte.

Im Taxi zum Springerhaus dagegen schienen sich die schlaffen Lebensgeister wieder aufzurichten. Zitate von Ringelnatz, Anekdoten über die Witwe von Michael Jackson sowie eine ausführliche lexigrafische Erörterung des Begriffs „Hagiografie“ verkürzten die Fahrt. Nun warten wir auf den Startschuss: Um 11:15 treffen sich rund 20 Blogger, darunter Robert Basic (@robertbasic), Jim Jarvis und Tina Pickhardt (@PikiHH), zur Redaktionskoferenz.

We’ll keep you posted, und zwar auf #weltkompakt

Darf man für Springer bloggen? – eine Replik auf die aktuelle Diskussion um die Blogger-Ausgabe der WELTkompakt

“’Wir bloggen nicht für Springer’ = Jugendsprache für ‘Enteignet Springer’” lese ich eben in meiner Twitterrolle. Und Deef Pirmasens echauffiert sich in seiner “gefühlskonserve” darüber, dass die WELTkompakt für ihre Ausgabe zum 1. Juli Blogger eingeladen hat KOSTENLOS eine Ausgabe der Zeitung redaktionell zu übernehmen. @bov zwitschert vom “embedded journalism”. Man hat den Eindruck, ganz Bloggingen empört sich. Bald werden wir Czyslanskys als letzte Vollstrecker Josef Bachmanns vorgeführt. Ja, habt Ihr sie noch alle?

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