Schlagwort-Archive: welt kompakt

Gilt das Presserecht auch für Blogger?

Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist, ist eigentlich noch nicht abschließend beantwortet. Für Straf- und Zivilrecht lautet die Antwort: ja, aber nur, wenn beide Parteien ihren gewöhnlichen Aufenthalt im gleichen Rechtsraum haben, also beispielsweise beide in Deutschland oder zumindest in Europa sitzen. Im Prinzip gelten sie weltweit, aber zwischen Recht haben und Recht bekommen klafft bekanntlich ein tiefer Spalt. Wenn der Server auf den Camayan Islands steht, hat auch der Kaiser sein Recht verloren. Und die US-Regierung tut sich augenscheinlich schwer, den WikiLeaks-Gründer Julian Assange zur Rechenschaft zu ziehen, so lange der sich in Großbritannien oder Schweden befindet.

Gerade WikiLeaks zeigt aber, dass zumindest im medialen Bereich sehr wohl noch ein rechtsfreier Raum existiert, oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Es ist nämlich nicht ganz klar, ob WikiLeaks eigentlich eine journalistische Publikation ist, also eine Art Online-Magazin, oder sowas wie ein „digitaler Durchlauferhitzer“, der lediglich Informationen weiterleitet, die andere veröffentlicht haben (wollen). Für mich ist klar: Assange ist Journalist! Spätestens, seit sich die Mitarbeiter von WikiLeaks mit dem Redigieren des „Hubschraubervideos“, in dem die Tötung unschuldiger Zivilisten in Bagdad zu sehen ist, in die Inhalte eingemischt haben, kann WIkiLeaks nämlich nicht mehr behaupten, die Website leite nur Dinge ungefiltert weiter. Assange arbeitet auch mit Journalisten vom „Spiegel“, von der „New York Times“ und dem britischen „Guardian“ zusammen, ist also zumindest als journalistischer Mitarbeiter zu betrachten. Er selbst bezeichnet das, was er tut, als „wissenschaftlichen Journalismus.“
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5:1 für das Tablett

Na, welches Tablet hätten Sie gerne?

Wir Blogger hatten bekanntlich beim größten Medienexperiment aller Zeiten (GMAZ) in Berlin ziemlich viel Zeit, die jeder auf seine Weise totschlug. Nachdem man mehr oder weniger einstimmig (nämlich mit der Stimme von Projektchef Frank Schmiechen) beschlossen hatte, auf eine Aktualisierung zu verzichten und die „Scroll Edition“ der „Welt Kompakt“ weitgehend aus Stehsatz zu basteln, haben manche Blogger das getan, was sie ohnehin am besten können, nämlich über das Ereignis (oder über Gott weiß was sonst) gebloggt. Ich hingegen habe die Gelegenheit genutzt, einen längst überfälligen Vergleichstest zu starten, nämlich: „Tablett gegen Pad“.

Anlaß war der Mega-Hype, der seit Wochen um Apples „iFlounder“ herrscht, wie aufmerksame Czyslansky-Leser den „iPad“ umgetauft haben, und um den angeblich Menschen tagelang angestanden sind wie einst nach Tickets für ein Beatles-Konzert (ja, liebe Blogger-Jünglinge und -Maide, so weit kann ich mich noch zurück erinnern!). Und da in den Räumen der Springer-Akademie dankenswerterweise gleich zwei prominente Vertreter der Gattung „Tablett“ vorhanden waren, schritt ich sofort zur Tat, um die bislang offene Frage zu beantworten: Welches Tablett-Modell ist für mich das Richtige?

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Berlin – ein Tag Paralleluniversum

Es wurde hier ja bereits angekündigt: Heute war ich in Berlin, zusammen mit meinen Mit-Czyslankys Tim Cole, Christoph Witte und Alexander Broy. Wir sind hier auf Einladung der WELT kompakt. Ein Blatt aus dem Springer-Konzern – und wir sollten es einen Tag lang schreiben, zusammen mit anderen Bloggern aus der Szene. Meine Selbstbefragung ergab keine Berührungsängste. Ich würde auch einen Tag lang die BILD machen – solange ich keine Vorgaben bekommen würde, was genau ich zu schreiben hätte.

Für die Berührungsängste haben die „anderen“ gesorgt. Im Vorfeld hatte es einiges an Ärger gegegeben. Man darf nicht für Springer schreiben, weil man von denen kein Geld nimmt, weil sie kein Geld zahlen würden, weil wir ehrlichen Journalisten den Job wegnehmen, weil wir einen Tag lang deren Job machen würden. Nun ja, nicht sehr realistisch, viele von uns haben über Geld nicht einmal nachgedacht. Blogger leben entweder davon, dann ist so ein Tag eine gute Chance für neue Eindrücke. Ein Angebot. Kann man annehmen oder ablehnen. Weiterlesen

Gepflegte Langeweile in Berlin

Tag der Arbeit, die sich allerdings in Grenzen hielt
War das „einmalige Medienexperiment“ des Springer-Verlags, die heute die Ausgabe der Tageszeitung „Welt Kompakt“ in die Hände von Bloggern zu geben, eigentlich ein Erfolg? Die Beantwortung dieser Frage hängt von den Erwartungen ab, mit denen die Teilnehmer – rund 20 so genannte „Premium-Blogger“ aus allen Ecken Deutschlands – am Mittwoch nach Berlin gereist sind.

Der Veranstalter hatte die Latte hoch gehängt. „Wir als Zeitungsmacher wollen lernen. Von der besonderen Sicht der Internetautoren, von ihrem Selbstbewusstsein, ihrer subjektiven Art, an Geschichten heranzugehen“, hatte Projektchef Frank Schmiechen noch auf welt.de gepostet. Dass ihm der Spass in der Folge ein enig vergangen sei, weil er sich als Opfer eines „völlig überflüssigen Kulturkampfs“ sieht (siehe dazu auch die Diskussion zu Michael Kauschs Beitrag auf Czyslansky, „Darf man für Springer bloggen?“. Ihm sei das auf die Nerven gegangen, gab er in seiner Begrüßungsansprache zu, und zürnte: „Ich musste mich mit aller Kraft gegen den Shit Storm stemmen!“

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Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Czyslanskys Fab Four im Flughafen Munich (Michael Kausch ist unser Pete Best)
Heute ist ein großer Tag. Ja, gut, Deutschland wählt sich einen neuen Bundespräsidenten, aber darum geht es gar nicht. Heute ist der Tag, an dem die Welt den Bloggern gehört. Das ist wörtlich gemeint: „Die Welt“, oder jedenfalls die Kompaktausgabe der Tageszeitung, wird heute von Bloggern produziert. Und vier Mitglieder der Gesellschaft der Freunde Czyslanskys sind mittendrin.

Von schäumender Vorfreude aus dieses bislang einzigartige crossmediale Experiment war aber in der Abflughalle des Münchner Flughafens noch nichts zu spüren, als sich Christoph Witte, Sebastian von Bomhard, Alexander Broy und der Schreiber dieser Zeilen bei lauwarmer Morgen-Latte und belegte Brötchen von schwammartiger Konsistenz versammelten. Jedenfalls hielt sich die gemeinsame Mitteilsamkeit, offline wie online, in Grenzen. „Wir würden ja Live-Bloggen, wenn wir schon wach wären“, fasste SvB die Stimmung in einem für die Uhrzeit erstaunlichen Ausdruck von Feinformulierung feststellte.

Im Taxi zum Springerhaus dagegen schienen sich die schlaffen Lebensgeister wieder aufzurichten. Zitate von Ringelnatz, Anekdoten über die Witwe von Michael Jackson sowie eine ausführliche lexigrafische Erörterung des Begriffs „Hagiografie“ verkürzten die Fahrt. Nun warten wir auf den Startschuss: Um 11:15 treffen sich rund 20 Blogger, darunter Robert Basic (@robertbasic), Jim Jarvis und Tina Pickhardt (@PikiHH), zur Redaktionskoferenz.

We’ll keep you posted, und zwar auf #weltkompakt