Schlagwort-Archive: Tageszeitung

Mein Zeitungssterben

Zeitungssterben by Tim Möller-Kaya

Ich hatte ja gehofft, dass ich es noch bis zum Ablaufdatum schaffe, ohne auf elektronisches Papier umsteigen zu müssen. Aber dann kam es alles ganz anders. Es fing damit an, dass ich mir so einen schicken kleinen Kindle von Amazon zugelegt habe, um auf Reisen nicht mehr diese wuchtigen Schmöker mitschleppen zu müssen. Jetzt trage ich eine ganze Bücherei in der Westentasche mit mir herum und lese im wahrsten Sinne des Wortes wo ich geh‘ und steh‘: In der Straßenbahn, beim Zahnarzt (im Behandlungsstuhl!), auf dem Zugklo. Ich lese sogar heimlich im Flieger während Takeoff und Landung. Man muss nur aufpassen, dass es die Stewardess nicht mitkriegt, aber die streiken ja sowieso…

Meine Tageszeitung, jedoch, die sollte mir das Schicksal eigentlich schon aus der toten, klammen Hand reißen müssen. Schließlich habe ich ja Tgeszeitung „gelernt“, damals als man sie noch im Bleidruck herstellte wie weiland der alte Genschfleisch, genannt Gutenberg. Weiterlesen

Quadratur des Qualitätsjournalismus: Die SZ-GDAZ

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Wie sich die Bilder gleichen: Zwei Grenzfälle auf einmal in der Donnerstags-SZ

Ein Dauerthema dieser Tage nicht nur auf Czyslansky ist die Frage, wie die armen, vom Aussterben bedrohten Tageszeitungen vor der digitalen Bedrohung des Internet gerettet werden können. Die SPD verstieg sich kürzlich, wie an dieser Stelle ausführlich diskutiert, zur gewagten Gleichung „Qualitätsjournalismus = Printjournalismus“ , was natürlich bei jedem Online-Journalisten eine offene Wunde weiter aufriß.

Seitdem schleichen wir Cyber-Schreiber mit hochgeklapptem Revers nachts durch dunkle Gassen und starren voller Neid auf die hellerleuchten Büros, zum Beispiel auf die der „Süddeutschen“ in ihrem neuen Hochhaus im Münchner Osten, wo die „richtigen“ Journalisten an hochqualitativen Texten arbeiten, mit denen sie emsig Tag für Tag ihre langen Papierbahnen füllen. Ja, das sollte uns allen eine neue Zeitungs-Steuer wert sein. Gut, diesmal hat es nicht geklappt, weil die SPD das Thema zu spät in die politsiche Debatte warf, um damit ihren chronischen Wählerschwund zu stoppen, der übrigens fatal an jenen Leserschwund erinnert, der die eigentliche Ursache für die ganze Diskussion um Qualitäts- und/oder Printjournalismus gewesen ist. Aber in vier Jahren sind ja wieder Wahlen, und vielleicht ist es bis dahin dann so weit. Falls es bis dahin noch Tageszeitungen gibt.

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Wo bleibt die Zeitung?

Teitung? Fehlanzeige: Ed Steins letzte Karikatur für die Rocky Mountain News

Zeitung? Fehlanzeige: Ed Steins letzte Karikatur für die Rocky Mountain News

Hans Pfitzinger, ein treuer Freund von Czyslansky und ein aufmerksamer Beobachter der Medienszene, machte mich jetzt auf ein weiteres trauriges Kapitel in der Zeitungsgeschichte aufmerksam, aber auch auf das tragische Schicksal einer dem schreibenden Journalisten sehr nahestehenden Berufsgruppe: die Karikaturisten. Auch diese Kollegen blicken in eine ungewisse Zukunft, denn weniger Zeitungen bedeutet auch weniger Abnehmer für die gezeichneten Kommentar zum Zeitgeschehen. Einer von Ihnen, Ed Stein, hat dazu das passende Bild geliefert (siehe oben) und damit warnendend den Finger gehoben: So, liebe Leser, könnte es euch bald auch ergehen!

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Aus dem „Guardian“ wird ein „Twitter-Tagblatt“

Aus für die Printauasgabe: Der "Guardian" erscheint nur noch auf Twitter

Aus für die Printausgabe: Der "Guardian" erscheint nur noch auf Twitter

Das Ende der Tageszeitung kommt offenbar schneller, als selbst wir Czyslanskys gedacht haben. Die angesehene britische „Guardian“ stellt nach 188 Jahren die Papierausgabe ein und erscheint als erste Traditions-Tageszeitung der Welt fortan nur noch auf Twitter. Das vermeldete gestern die Onlijne-Ausgabe www.guardian.co.uk unter der Headline „Twitter switch for Guardian, after 188 years of ink

Als eine „Nur-Twitter-Publikation“ werde das Blatt in der Lage sein, die „noch nie dagewesene Fähigkeit des Online-Dienstes in der Nachrichtengewinnung“ für sich zu nutzen, die sich am Beispiel des Fluggastes dokumentiere, der bei einem Flugzeugabsturz in Denver in der Maschine saß und ich Echtzeit von der Unfallstelle per Tweet berichten konnte – ein Eriegnis, das auch Czyslansky nicht verborgen geblieben ist (siehe: „Holy fucking shit …„).

Im Augenblick arbeitet die Redaktion nach Angaben des Blattes mit Hochdruck daran, das gesamte Archiv der Zeitung auf das Twitter-Format umzuschreiben. Einige der wichtigsten Beiträge seien schon fertig, zum Beispiel: „“OMG Hitler invades Poland, allies declare war see tinyurl.com/b5x6e for more“ oder „JFK assassin8d @ Dallas, def. heard second gunshot from grassy knoll WTF?“

Wäre nicht das etwas verdächtig wirkende Erscheinungsdatum des Guardian-Beitrags, könnte man als altgedienter Printjournalist ob dieser neuerlichen Hiobsbotschaft vollends vom Glauben abfallen. Zufall? Wohl kaum. So bleibt uns doch noch ein Funken Resthoffnung…

Wo sind die Buchläden geblieben?

Der schönste Buchladen der Welt: Lello & Irmao in Porto (Foto: delviking Flickr.com)

Der schönste Buchladen der Welt: Lello & Irmao in Porto (Foto: delviking Flickr.com)

Pete Seegers Lied „Where have all the flowers gone“ hat meine Generation geprägt, und selbst Udo Lindenberg habe ich verziehen, als er es eindeutschte. Es schwang so viel Melancholie mit in dem Refrain, wehmütige Erinnerung an etwas, das uns einmal viel bedeutet hat und das wir selbst aus Dummheit und Unachtsamkeit vernichtet haben. Deshalb habe ich besonders genau hingesehen, als ich die Überschrift über Alex Beams letzte Kolumne in der „Boston Globe“ las: „Where have all the bookstores gone?“

Darin erinnert sich Beam wehmütig zurück an die Zeit, als es noch richtige Buchläden gab, in denen man stöbern konnte oder auch mal einen halben Tag sitzen und ungestört lesen. Ich habe auch solche Erinnerungen, zum Beispiel an Scribners an der Fifth Avenue in New York, dem früheren Sitz des Verlegergiganten, der Ernest Hemmingway und Scott Fitzgerald herausbrachte und der inzwischen ein Beneton „Superstore“ beherbergt. Oder Borders im Turm II des World Trade Center, wo man in bequemen Ledersessel saß und beim Hochblicken auf den Friedhof von Trinity Church blickte. Heute klafft da natürlich ein riesiges Loch.

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Das Ende des Journalismus

Blogger und Bürgerreporter die Totengräber der Kultur?

Blogger, Bürger Reporter, You Tube und  Facebook – das Ende des kultivierten Journalismus? Als paradigmatisches Beispiel für den Niedergang des kultivierten Journalismus wird  in der heutigen  Ausgabe der Zeit, die Huffington Post aus Amerika  genannt. Das Konzept der Huffington Post kurz umrissen heißt user genrated content. Bürger Reporter, einige hochklassige Blogger – natürlich für lau – und das parasitäre Verlinken zu fünf Dutzend Zeitungen (frei  beschrieben nach Josef Joffe) – so einfach ist der langsame Niedergang des geschrieben Wortes zu erklären.

Weiter aus der Zeit: „Was macht ein richtiger Journalist ? Er trennt das Interessante vom Belanglosen und Blöden. Er sortiert und wählt aus. Er macht uns neugierig, aber nicht (oder nicht nur) mit der neuen Verlobten von Boris Becker – das als kurzes Zitat aus der heute  am 14. Auguts 2008 erschienenen Zeit – mit einem Leitartikel  von Josef Joffe.

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