Schlagwort-Archive: Shitstorm

Ein Satz mit „X“…

Es hätte so schön sein sollen: Sympathische uniformierte Damen und Herren lächeln mit anderen Menschen um die Wette. So ungefähr hatte es sich die New Yorker Polizei gedacht, als sie die Twitter-Idee #myNYPD ins Leben rief: Der Polizist als Freund und Helfer, smart, lächelnd, hilfsbereit und bürgernah. Dabei hatten Stadtverwaltung und Polizei sicher eine klare Vorstellung davon was passieren würde. Der Bürger würde zu einem Beamten gehen, beide würden wettgrinsen, ein Dritter macht ein Foto – und ab damit in die Twitterwelt.
So ungefähr würde das Ergebnis aussehen:
myNYPD-1Falsch gedacht: Es kam ganz anders. Weiterlesen

Kundenkommunikation im Blattgold-Zeitalter

Wir sind das Volk!

Wir sind das Volk!

Es ist in letzter Zeit in der Diskussion um das Internet eine gewisse Desillusionierung zu spüren.  Das Internet sei „kaputt“, schrieb Sascha Lobo in „Spiegel Online“. Das ist überzogen. Natürlich löst das Internet nicht alle Probleme der Menschheit, den Hunger, den Krieg, die Ungerechtigkeit kapitalistischer Systeme. Es gibt aber hoffnungsvolle Ansätze. Eine davon ist der so genannte Shitstorm – ein Phänomen, das in letzter Zeit oft im Mittelpunkt eines medialen Streits steht: Für die einen der Ausfluss ungezügelter Mobgewalt und Denunziantentum per Internet, für die anderen Symbol für die wachsende Macht des Einzelnen im Zeitalter der sich rasch ausbreitenden digitalen Vernetzung.

Shitstorms haben auch die politisch-gesellschaftliche Dimension. Heute ist soziale Ungerechtigkeit das große Thema. Die Occupy-Bewegung und ähnliche Aktionen sind direkte Auswirkungen dieses weltweiten Trends. Shitstorms sind es auch, nämlich sozusagen die Fleischwerdung der neuen Macht des Kunden. In ihnen offenbart sich gleichzeitig der Unmut des Einzelnen über ein als „unsozial“ empfundene Marktwirtschaft, in der er sich zunehmend als Opfer sieht, und die Freude über das Gefühl, endlich etwas dagegen tun zu können. Es ist, als ob wir alle plötzlich auf die digtale Straße gehen und laut und vernehmbar ausrufen können: „Wir sind das Volk!“ Weiterlesen

Jetzt ist es raus: Deutschland wählt weiß

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, ausdrücklich zu betonen, dass wir strikt gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder Rassismus sind“, zitierte gestern der Werbe-Branchendienst W&V eine Stellungnahme des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero. Und weiter heißt es: „Ferrero distanziert sich klar von derartigen Vorwürfen. Bei der aktuellen Werbung handelt es sich um die Darstellung einer Produktvariation von Ferrero Küsschen mit weißer Schokolade. Alle Aussagen beziehen sich demnach einzig auf die weiße Schokolade – selbstverständlich ohne fremdenfeindlichen Hintergedanken…
Wir bedauern, wenn es bei dieser Werbung zu Missverständnissen gekommen ist und die Produktbotschaft anders aufgefasst wurde.“

Was hat der Schokoladen-Konzern, der ja nicht das erste Mal in das Fettnäpfchen politischer Unkorrektheit  getreten ist, denn nun wieder angestellt?

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Darf man Sexismus per Twitter bekämpfen und die Täter outen? Der Fall Adria Richards

Annette Mattgey berichtet heute auf LEAD digital über den Fall Adria Richards (sie schreibt von Adria Rosa) und SendGrid, ein Fall, der das Zeug hat zum heiß diskutierten Thema auch in deutschen Blogs zu werden. In den USA ist er das schon seit Tagen. Schließlich geht es um alles, was derzeit hoch im Kurs steht: sexistische Männer, Outing über Twitter, Entlassungen, Shitstorm, Trolle und dDOS. Was ist die Geschichte im Kern?

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Schluss mit der Scheiße

Sturm im Sommerloch.

Irgendwann ist es dann auch mal gut. Der Sommer ist – zumindest kalendarisch – da. Damit haben wir auch viel beschworene und medial gefürchtete Sommerloch, aber das ist noch lange kein Grund, selbiges tagtäglich mit Scheiße zu füllen. Ein harsches Wort, aber genau das muss auch mal gesagt werden.

Ob Pro7, ob Vodafone, ob McDonald’s oder H&M – Shitstorms sind dermaßen in Mode gekommen, dass es schon wieder nervt. Da entzündet ein Hamburger Schüler mit einer Reihe unflätiger Kommentare auf Facebook eine Kampagne gegen „Galileo“ und nötigt dem Sender eine Erwiderung auf der eigenen FB-Seite ab, die dort  zu intensiven Diskussionen geführt hat. Nicht witzig jedenfalls fand das der Unterföhringer  Sender und konterte: „Wir ärgern uns, wenn wir große oder kleine oder dumme Fehler machen. Und wir ärgern uns, wenn Menschen wie M.M., die in ihrer Chronik Sätze wie „Hitler, kann das sein?“ auf die Frage „Beste Erfindung aller Zeiten?“ schreiben.“

Eine Tür weiter donnert Anni, eine wutentbrannte Vodafone-Kundin über inkompetente Hotline-Beratung, falsche Abrechnungen usw. und hat in kürzester Zeit nicht nur Tausende von „Like It“ generiert sondern auch hunderte von Kommentaren. Tenor immer gleichlautend: Unzufriedenheit der Telefonanbieterkunden, Verärgerung, Wut. Und das ist auch das Stichwort.

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Kick it & Klick it (Teil 6) – Ein Neuer und schon wieder Ärger

27. Januar 2011 – München
Schüsse, die nach hinten losgehen, nennt man in der Fußballsprache Eigentor. Ein solches schoss der FC Bayern im Januar 2012. Das ist zwar schon eine Weile her, aber man erinnert sich gern…

Anfang des Jahes ließ der Verein seine Fans wissen, es gebe eine Pressekonferenz, die live bei Facebook zu verfolgen sei. Und hier werde der Verein seinen neuen Offensivspieler vorstellen. Schon wieder ein Neuer?

Gut gedacht...

Der Ärger um die Verpflichtung des Schalker Torwarts war noch in bester Erinnerung. Rebellierende Fans mit dem Schild Koa Neuer in der Südkurve, Schmährufe, ganz großes Gezeter.  Anderseits zeigte sich der Verein in einer Formkrise, Abhilfe und Ablenkung war dringend erforderlich. Das wussten auch die Fans. Begierig warteten alle auf Rettung, da kam die Ankündigung gerade recht. Tausende zog es vor die Rechner, doch sie sahen nur eines: Ein Bild von Christian Nerlinger, dem Sportdirektor der Münchner, der ein Portrait des neuen Spielers präsentierte:  Facebook spielte das Bild des jeweiligen Users auf die Seite ein.
Der neue und wichtige Offensivspieler, das ist der Fan. Das wollte der Verein seine Fans wissen lassen, nicht mehr und nicht weniger.
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Azur-Ausfall: Nur eine Kalenderreform kann Cloud-Computing noch retten!

Dem amerikanischen Luftwaffen-Ingenieur Edward A. Murphy (1918-1990) wird der legendäre Satz zugeschrieben: „Anything that can go wrong will go wrong“. Er stützte sich dabei angeblich auf frühere Forschungen Czyslanskys, dem bei wissenschaftlichen Arbeiten in seinem Labor in Llanfairpwllgwyngyll, einer kleinen Stadt auf der walisischen Insel Anglesey bei Bangor, offenbar ab und zu der Schraubenzieher entglitt, was ihn zu der Beobachtung veranlasste: „Ein aus der Hand fallendes Werkzeug trifft stets so auf, dass es den höchstmöglichen Schaden verursacht.“ Als „Gesetz der selektiven Schwerkraft“ ging der Ausspruch in die digitalen Analen ein.

Dort hätte die junge Technikergeneration lieber nachlesen sollen, bevor sie abhoben in die „Cloud“ – jenes nebulöse Wolkenkuckucksheim der Computerei, die seit einigen Jahren ernsthaft als die Zukunft des Digitalen gefeiert wird. Der Gedanke, dass meine Daten und Anwendungen nicht mehr auf meinem häuslichen Computer hausen sollen, sondern irgendwo in der „Cloud“ von einem Dienstleister aufbewahrt und betrieben werden, erweckt beim Normalsterblichen instinktiv ein Gefühl des Unbehagens. Was ist, wenn der Server meines Cloud-Providers mal nicht mehr will? Computer, wie wir wissen, sind trotz des maskulinen Geschlechtswortes in ihrem Wesen weiblich und haben manchmal so ihre Tage.

So einen Tag hatten gestern die Techniker von Microsoft, deren Cloud-Service „Azure“ auf einmal nicht mehr wollte. Weiterlesen

Das Internet macht die Welt zum Dorf: Facebook ist sein Bäcker, Twitter sein Friseur. Oder: Ignoranz schützt nicht vor Shitstorms

shitstorm

Man kann nicht “nicht kommunizieren” und was Paul Watzlawick schon 1969 so griffig postuliert hat, gilt selbstverständlich auch für die sozialen Medien: Man kann sich da nicht heraushalten.

“Ich geh erst gar nicht in diese sozialen Medien, dann kann mir auch nix passieren!” Dies musste ich mir vor einigen Tagen mal wieder von einem Inhaber und Geschäftsführer eines mittelständischen B2B-Betriebs anhören. Ihm seien die Fahrwasser der sozialen Medien viel zu gefährlich, als dass er seiner “Marketing-Dame” ihren Spleen in Bezug auf eine eigene Facebook Page und einen Corporate Twitter Account durchgehen lassen würde.

Der Mann hat das Zeug zum Präsidenten.

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Ein Shitstorm, eine Troll-Frau und ein Jungunternehmer mit Reputationsnöten – Was dabei herauskommt, wenn man mit Würzburger Studenten im Internet spielt …

keiner_mag_mich

… och, schade (cydonna/photocase.com)

Windige Zeiten sind das in den sozialen Netzen. Ein Shitstorm jagt den nächsten und manch einer entpuppt sich dabei als kleiner Windbeutel. Dabei hat sich seit den seligen Zeiten des ersten allgemein beachteten Shitstorms um Kryptonite vor sieben Jahren wenig getan: die grundlegenden Mechanismen einer typischen Online-Reputationskatastrophe sind die gleichen geblieben. Und auch die Strategien, die gegen solche Image-Krisen zu entwerfen sind, sind schon lange entwickelt.

Strategien aber lassen sich nur schwerlich mit Handbüchern vermitteln. Dies musste ich jedenfalls im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Würzburg – heutzutage heißt eine solche Institution natürlich nicht mehr einfach Fachhochschule, sondern University for Applied Sciences – erfahren. Diese Erfahrungen bildeten den unmittelbaren Anlass für die Entwicklung eines Rollenspiels, in dem ich mit Studenten der Wirtschaftsinformatik im vergangenen Wintersemester eine Reputationskatastrophe veranlasst, ausgespielt, bekämpft und schließlich analysiert habe. Die Ergebnisse dieses Rollenspiels wurden bislang nicht veröffentlicht. Und das hat einen einfachen Grund: Ursprünglich wollte ich den “Fall” im vergangenen Februar als Speaker auf der TED-Konferenz Rhein-Main vorstellen. Eine ausgebüxte Bandscheibe hat mir damals einen Strich durch die Rechnung gemacht und so wartete ich nun die Social Media Economy Days ab, die vor wenigen Tagen in München stattfanden. Dort also erlebte der Bericht zur Reputationskatastrophe der “Fränkischen Bratwurst Manufaktur” seine Uraufführung. Die Vortragsfolien sind längst publiziert, der Bericht – die “Story” – folgt nun hier.

Im Wintersemester 2010/11 wollten wir mit Studenten der Wirtschaftsinformatik in einem “Live-Rollenspiel” die Bedingungen und Mechanismen einer typischen Social Media Reputationskatastrophe erfahrbar machen. Die Versuchsanordnung war übersichtlich:

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