Schlagwort-Archive: Polen

Offener Brief an Josef Bryla

Sehr geehrter Herr Bryla,

ich kenne Sie nicht, Sie kennen micht nicht. Offengestanden bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Sie auch nicht kennenlernen möchte. Trotzdem schreibe ich Ihnen diesen offenen Brief. Denn mir sind Ihre Kommentare aufgefallen, die Sie unter die Focus-Meldung „„Antifa-Zigeunerhure“: ARD-Moderatorin wird nach Flüchtlingskommentar massiv beleidigt bei Facebook abgesondert haben. Diese Kommentare finde ich in gewisser Weise herausragend – nämlich nach unten. Und da nicht jeder Facebook nutzt, erlaube ich mir, Ihre Hasspostings hier zu zitieren. Denn es ist ja eine öffentliche und mitnichten eine rein private Äußerung.

Sie kommentierten und antworteten also so:

bryla bryla2

Das hat mich neugierig gemacht und ich habe Ihr Profil besucht.
Offensichtlich stammen Sie, das spekuliere ich aus dem was ich dort lese, aus Polen. Das würde dann auch das überaus bescheidene Deutsch erklären, in dem Sie schreiben.

Sind Sie vor der „Wende“ nach Deutschland gekommen? Sind sie vielleicht sogar ein Anhänger der damals verbotenen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen?
Vielleicht sind sie ein politisch Verfolgter des Regimes von Woiciech Jaruzelski, der das Land verlassen musste, als dieser im Dezember 1981 das Kriegsrecht ausgerufen hatte?

Dann wären Sie ja ein politischer Flüchtling… Gut, dass Sie es geschafft haben, dem langen Arm des diktatorischen Regimes unbeschadet zu entkommen.

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Wie man sich bettet…

Wie man sich bettet, so liegt man.

Sicher kennen Sie diesen Spruch. Geht man mit dem Lebensalter auf die 80 Jahre zu, hört man nicht selten eine zwanghaft-lustige Variante des Versleins:

Wie man gebettet wird, so liegt man!

Damit ist auf die letzte Ruhestätte angespielt, vor allem aber auf die Kiste, in die man gelegt wird: Den Sarg.

Nun ist Sarg nicht gleich Sarg, die Konkurrenz ist groß und da müssen sich die Hersteller schon einiges einfallen lassen, damit ihr Modell von Bestattern bevorzugt ver- und Hinterbliebenen gekauft wird; nur damit die Kiste umgehend gut gefüllt verbuddelt oder verheizt wird.
Der polnische Sarghersteller Lindner, einer der größten seiner Zunft,  nimmt zur Befeuerung seines Geschäfts unverkennbar Anleihe am italienischen Reifenhersteller Pirelli:  Er kalendert. Und das bereits schon im fünften Jahr.  Während sich bei Pirelli fast nackte weibliche Wesen zur Bewerbung der Produkte in lasziver Weise auf den Hauben ps-starker Boliden räkeln, finden sich vollbusige Schönheiten (oder solche, die sich dafür halten) in ähnlichen Posen an oder auf…
Na? Kommen Sie drauf? Weiterlesen

Marginalien zu Polen. Berichte von meiner Expedition zu den Polen im Sommer 2013.

Polen01
Für uns (West-)Deutsche ist Polen noch immer die große Unbekannte. In Italien erkennen wir jeden Strandabschnitt längst am Geruch des Sonnenöls. In Frankreich sind uns die Idiome der langues d’Oc ebenso vertraut, wie das Bretonische. Wir sind in der Lage einen Appenzeller durch leichten Fingerdruck auf die Schale von einem holländischen Bergkäse zu unterscheiden. Einzig unser großer Nachbar im Osten ist den meisten von uns eine terra incognita.

Dies galt es nun endlich zu ändern. Und so begab ich mich in diesem August auf eine Expedition zu den Polen. Ich startete in Wroclaw (Breslau) und reiste über Kraków (Krakau), Warzawa (Warschau), die Masuren und Gdansk (Danzig) ins pommersche Leba, in dessen altem Kurhaus ich diesen Bericht nun verfasse. Das heißt, eigentlich handelt es sich nicht um einen abgeschlossenen Bericht, sondern vielmehr um eine lose Reihung unterschiedlicher Eindrücke, die nicht für sich in Anspruch nehmen wollen, diesem Land gerecht zu werden. Andere mögen hier anderes anders erleben. Aber einige mögen hier Erfahrungen wiederfinden, die sie selbst so ähnlich einmal in Polen machten.

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