Schlagwort-Archive: Online-Journalismus

Assoziale Arbeitgeber

Nicht ohne mein Facebook!

Überraschung! Die Digital Natives wollen nicht ohne Facebook & Co. sein! Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Umfrage des Düsseldorfer Systemintegrators Damovo unter Studenten.

Gut die Studenten stammten aus München, wo die Uhren vielleicht etwas anders ticken. Und es waren auch nur 200 von ihnen, die geantwortet haben. Aber wir müssen ja froh sein, endlich mal statistische Unterstützung für unser Bauchgefühl zu bekommen, die uns sagt, dass Kids anders kommunizieren als alte Säcke, und dass sie das auch im Berufsleben tun wollen (oder wollen werden, wenn sie erst mal… – na, Sie verstehen schon, was ich meine).
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So sieht Qualitätsjournalismus aus!

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…und das machen sie richtig gut!

In unserer Reihe zum Thema Qualitäts-, bzw. Print-Journalismus wollen wir uns heute wieder unserer Haus- und Hof-Tageszeitung, der „Süddeutschen“, zuwenden, die zwar manchmal Dubletten produziert (siehe „Quadratur des Qualitätsjournalismus: Die SZ-GDAZ„), manchmal aber auch richtig gute Einblicke in die Aufs und Abs der Medienlandschaft. Christine Brinck hat sich heute Lorbeeren verdient mit ihrer Analyse („Homer Simpsons Wendepunkt“) des „Economist“, dem weltweit einzigen bedeutenden, wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazin, das sich erfolgreich gegen den allgemeinen Anzeigen- und Leserschwund der letzten Jahre behauptet hat. Klartext: Während beispielsweise die Auflage von „Focus“ von 800.000 auf gerade mal 656.000 geschrumpft ist und „Businessweek“ angesichts einer Halbierung der Leserzahl im Frühjahr den Rückzug aus dem Nachrichten-Business verkündet hat, steigt und steigt die Auflage des „Economist“, und auch die Anzeigeneinnahmen sind im vergangenen (Krisen-)Jahr um 25 Prozent gestiegen.

„Was macht der Economist richtig?“, fragt die Autorin, und liefert eine absolut korrekte Erklärung nach: Qualität! Während andere die Zahl der Korrespondentenbüros reduzieren und den Schwerpunkt in Richtung Häppchenjournalismus und seichtem „Tittitainment“ verlageren, bleiben die Macher der ältesten Wirtschafts-Wochenzeitung der Welt (erscheint seit 1843) stur bei ihren Leisten, nämlich einer Mischung aus bestechender Analytik, eine manchmal ans Esotherische grenzende Themenauswahl und einem Tiefgang, der durch verspielten Witz geschickt getarnt bleibt. Ach ja, und dann sind da diese wunderbaren seitenlangen Texte, die zum richtigen Lesegenuß einladen! Die wenigen mehr oder weniger willkürlich zwischengestreuten Bildchen sind mit Unterzeilen versehen, die mehr den Charakter von Suchrätseln haben (Beispiel aus der neuen Ausgabe, unter einem Foto von Erwin Schrödinger: „But what about the other eight lives?“), und fast jede Headline löst beim Betrachter ein befriedigendes inneres Lächeln aus, wie „The end is nigh (again)“ zu einem Artikel über die Zukunft der Aktienkurse.

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Quadratur des Qualitätsjournalismus: Die SZ-GDAZ

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Wie sich die Bilder gleichen: Zwei Grenzfälle auf einmal in der Donnerstags-SZ

Ein Dauerthema dieser Tage nicht nur auf Czyslansky ist die Frage, wie die armen, vom Aussterben bedrohten Tageszeitungen vor der digitalen Bedrohung des Internet gerettet werden können. Die SPD verstieg sich kürzlich, wie an dieser Stelle ausführlich diskutiert, zur gewagten Gleichung „Qualitätsjournalismus = Printjournalismus“ , was natürlich bei jedem Online-Journalisten eine offene Wunde weiter aufriß.

Seitdem schleichen wir Cyber-Schreiber mit hochgeklapptem Revers nachts durch dunkle Gassen und starren voller Neid auf die hellerleuchten Büros, zum Beispiel auf die der „Süddeutschen“ in ihrem neuen Hochhaus im Münchner Osten, wo die „richtigen“ Journalisten an hochqualitativen Texten arbeiten, mit denen sie emsig Tag für Tag ihre langen Papierbahnen füllen. Ja, das sollte uns allen eine neue Zeitungs-Steuer wert sein. Gut, diesmal hat es nicht geklappt, weil die SPD das Thema zu spät in die politsiche Debatte warf, um damit ihren chronischen Wählerschwund zu stoppen, der übrigens fatal an jenen Leserschwund erinnert, der die eigentliche Ursache für die ganze Diskussion um Qualitäts- und/oder Printjournalismus gewesen ist. Aber in vier Jahren sind ja wieder Wahlen, und vielleicht ist es bis dahin dann so weit. Falls es bis dahin noch Tageszeitungen gibt.

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Ohne Papier keine Kultur

Papier ist überall. Es nimmt unsere Ideen und Gedanken auf, transportiert und konserviert sie. Wir wickeln darin unsere Frühstücksbrötchen ein und trinken aus ihm unseren Morgenkaffee. Es hängt neben der Toilette und in den größten Museen der Welt, von Künstlern wie Pablo Picasso und George Braque zu Kunstwerke von unschätzbarem Wert verarbeitet. Wir wickeln darin unsere Wertsachen ein, legen sie in Umzugskartons und ziehen damit um. Wir falten daraus kleine Flugzeuge und lassen sie mit unseren Träumen davon fliegen. Wir schleifen Unebenheiten mit ihm glatt und isolieren damit Elektroleitungen. Wir bezahlen damit beim Einkaufen oder blättern gedankenverloren darin  herum, wenn wir beim Friseur oder beim Zahnarzt warten müssen. Manchmal ziehen wir es sogar an und laufen darin herum. Papier ist vielseitig und funktionell, flexibel und verfügbar, billig und benutzerfreundlich, anpassbar und allgegenwärtig, natürlich und authentisch, leicht und kräftig, zuverlässig und zeitlos.

„Ohne Papier gäbe es unsere Kultur nicht“, sagte mir neulich Dr. Dorothea Eimert, Leiterin des Deutschen Papiermuseums in Düren, einer Kleinstadt am Nordrand der Eifel, das jahrhundertelang von Papier gelebt hat und immer noch als Zentrum der deutschen Papierindustrie gilt. Hätte Guttenberg einen anderen, ähnlich variablen und robusten Beschreibstoff für den Buchdruck gefunden? Zwar hat der Mensch in seiner Geschichte Zeichen und Buchstaben in Tontafeln und auf Baumrinde geritzt, die alten Ägypter hatten ganze Bibliotheken auf Papyrusrollen, im Mittealter haben Mönche ihre Illuminationen auf Rinderhäute gepinselt. Aber die Entstehung unserer heutigen allgegenwärtigen Bild- und Schriftsprache verdanken wir mit einiger Sicherheit dem namenlosen Erfinder des Papiers.

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Aus dem „Guardian“ wird ein „Twitter-Tagblatt“

Aus für die Printauasgabe: Der "Guardian" erscheint nur noch auf Twitter

Aus für die Printausgabe: Der "Guardian" erscheint nur noch auf Twitter

Das Ende der Tageszeitung kommt offenbar schneller, als selbst wir Czyslanskys gedacht haben. Die angesehene britische „Guardian“ stellt nach 188 Jahren die Papierausgabe ein und erscheint als erste Traditions-Tageszeitung der Welt fortan nur noch auf Twitter. Das vermeldete gestern die Onlijne-Ausgabe www.guardian.co.uk unter der Headline „Twitter switch for Guardian, after 188 years of ink

Als eine „Nur-Twitter-Publikation“ werde das Blatt in der Lage sein, die „noch nie dagewesene Fähigkeit des Online-Dienstes in der Nachrichtengewinnung“ für sich zu nutzen, die sich am Beispiel des Fluggastes dokumentiere, der bei einem Flugzeugabsturz in Denver in der Maschine saß und ich Echtzeit von der Unfallstelle per Tweet berichten konnte – ein Eriegnis, das auch Czyslansky nicht verborgen geblieben ist (siehe: „Holy fucking shit …„).

Im Augenblick arbeitet die Redaktion nach Angaben des Blattes mit Hochdruck daran, das gesamte Archiv der Zeitung auf das Twitter-Format umzuschreiben. Einige der wichtigsten Beiträge seien schon fertig, zum Beispiel: „“OMG Hitler invades Poland, allies declare war see tinyurl.com/b5x6e for more“ oder „JFK assassin8d @ Dallas, def. heard second gunshot from grassy knoll WTF?“

Wäre nicht das etwas verdächtig wirkende Erscheinungsdatum des Guardian-Beitrags, könnte man als altgedienter Printjournalist ob dieser neuerlichen Hiobsbotschaft vollends vom Glauben abfallen. Zufall? Wohl kaum. So bleibt uns doch noch ein Funken Resthoffnung…

SZ Online: Heute steht drin, was gestern passierte…

Was für eine Wahl: Screenshot der SZ-Onlineausgabe vom 30.3.09

Was für eine Wahl: Screenshot der SZ-Onlineausgabe vom 30.3.09

Es ist auch unter den Anhängern Czyslanskys immer wieder ein Klagen und Lamentieren über den Niedergang des deutschen Qualitätsjournalismus und über die Fehlsichtigkeit deutscher Verleger und Redakteuren gleichermaßen in punkto Online-Chancenerkennung zu vernehmen. Und dass sich die gute, alte Tante SZ im Internet nicht gerade mit Ruhm bekleckert, war schon mal Thema an dieser Stelle (siehe „Die Süddeutsche hat das Internet verpennt“ vom 4.12.08). Falls es noch eines weiteren Anschauungsbeispiels bedarf, empfehle ich einen Blick auf die aktuelle Online-Ausgabe von Münchens Vorzeigeblatt.

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Die Lage ist bescheiden

Auf CNET ist ein interessanter Artikel über die Lage des Journalismus in Amerika erschienen. Es ist absolut deprimierend, aber eine Lesemuss. Da steht zu lesen, das traditioneller Journalismus (hat nichts mit print versus online zu tun, sondern mit Recherche und so) durchaus sein Publikum hat und auch
neues anzieht, aber er hat doch tatsächlich ein „revenue problem“. Wäre hätte das gedacht. Alternative Finanzmodelle sind natürlich nicht in Sicht. Vielleicht führt die Krise ja irgendwann mal dazu, dass Leser merken, welche Qualitätsmängel unbezahlter Journalismus häufig aufweist und Informationen liefert, auf die man sich nicht verlassen kann. Und vielleicht, vielleicht, zahlen sie dann endlich für Informationen.

Wo sind die Buchläden geblieben?

Der schönste Buchladen der Welt: Lello & Irmao in Porto (Foto: delviking Flickr.com)

Der schönste Buchladen der Welt: Lello & Irmao in Porto (Foto: delviking Flickr.com)

Pete Seegers Lied „Where have all the flowers gone“ hat meine Generation geprägt, und selbst Udo Lindenberg habe ich verziehen, als er es eindeutschte. Es schwang so viel Melancholie mit in dem Refrain, wehmütige Erinnerung an etwas, das uns einmal viel bedeutet hat und das wir selbst aus Dummheit und Unachtsamkeit vernichtet haben. Deshalb habe ich besonders genau hingesehen, als ich die Überschrift über Alex Beams letzte Kolumne in der „Boston Globe“ las: „Where have all the bookstores gone?“

Darin erinnert sich Beam wehmütig zurück an die Zeit, als es noch richtige Buchläden gab, in denen man stöbern konnte oder auch mal einen halben Tag sitzen und ungestört lesen. Ich habe auch solche Erinnerungen, zum Beispiel an Scribners an der Fifth Avenue in New York, dem früheren Sitz des Verlegergiganten, der Ernest Hemmingway und Scott Fitzgerald herausbrachte und der inzwischen ein Beneton „Superstore“ beherbergt. Oder Borders im Turm II des World Trade Center, wo man in bequemen Ledersessel saß und beim Hochblicken auf den Friedhof von Trinity Church blickte. Heute klafft da natürlich ein riesiges Loch.

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Aus 300 mach 20

Eigentlich freue ich mich ja über jeden Sieg, den die Onliner gegen die Printdinos gewinnen, aber bei dieser Nachricht auf Turi2 gefror mir der Kaffee im Becher.

WAZ streicht 300 Print-Stellen und stellt 20 Onliner ein.
Print zerrinnt, Online gewinnt: Die WAZ-Gruppe sagt jetzt klar, wo’s langgeht.

Das haben wir sicherlich nicht gewollt, als wir nach schnelleren, flexibleren und interessanteren Medien riefen.

Aber sind es wirklich die Online Medien, die den Printausgaben den Garaus machen? Ist es nicht die, über die Jahre immer schlechter werdende Qualität der alten Medien, die es erst möglich machte überholt zu werden?

Und glaubt man bei der WAZ tatsächlich, die Qualität des Angebotes, sei es nun Print oder auch Online, mit Stellenstreichungen verbessern zu können?

Wie schreibt Florian Treiß so treffend:

Und die Kinder bringt der Klapperstorch.

mit besten Grüßen, ein traumatisierter Onliner, der gleich irgendein Printmedium kaufen geht, um den Markt zu stützen.

P.S. Einen Kampfblog mit dem Namen Medienmoralnrw möchte ich als Zeichen meiner Solidarität noch verlinken. er hat sogar einen Twitteraccount mit immerhin schon 82 Followern, obs das noch rumreisst?