Schlagwort-Archive: Nachruf

Kondolenz – meine natürliche Grenze digitaler Transformation

Tim Cole, Czyslansky-Autor, Verfechter und Apologet der digitalen Transformtion wird nicht müde, selbige unablässig zu lobpreisen.
Und für das, was er meint, gebührt ihm meine Zustimmung. Sein Werk ist lesens- und diskutierenswert und zudem ein großer Erfolg. Unermüdlich verkündet Cole seinen Facebook-Freunden jubelpersisch und zyklisch, dass er es schon wieder auf der Amazon-Bestsellerliste in irgendeiner Rubrik wieder auf Platz 1 geschafft (man muss nur die Parameter ordentlich justieren, dann klappt das schon). Die Wandlung von der analogen zur digitalen Transformaton vornehmlich in Unternehmen ist sein big issue. Zu Recht.
Im Privaten aber gibt es Grenzen – zumindest für mich. Es gibt Bereiche der digitalen Transformation, zu denen ich nicht mitgehen werde. Ich weigere mich einfach. Als Beispiel nenne ich Kondolenz.

Tod, Sterben und den Verlust von Freunden in den sozialen Netzwerken zur Sprache zu bringen und zu verarbeiten, ist weder neu noch mir fremd. Gerade in den verangenen Wochen, als zwei Freunde starben, bin ich diesem Thema wieder oft begegnet.
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Frank Schirrmacher ist tot

schirrmacher nachruf

Eines war er sicher nicht: ein „Mann der Zukunft“, wie ihm die Süddeutsche Zeitung ins Grab rief

Frank Schirrmacher ist tot. Und glaubt man den unzähligen bemühten Nachrufen, dann ist ein Gigant von uns gegangen, ein „herausragender Publizist“ (Gauck), ein „publizistisches Universalgenie“ (SPIEGEL Chefredakteur Büchner), gar „ein Freund“ (Sigmar Gabriel). Ja ja – über frisch Verstorbene sagt man nur Gutes. Am ehesten gefällt mir da noch der Nachruf Frank-Walter Steinmeiers: „Frank Schirrmacher war gesellschaftlicher Vordenker und intellektueller Grenzgänger zugleich. Er hat in seiner Zeitung und im deutschen Feuilleton wichtige gesellschaftspolitische Debatten angestoßen. Wie nur wenige hat er engagiert für seine Überzeugungen gestritten und dabei die Gabe gehabt, zutiefst politisch zu denken und zuzuspitzen, ohne zu verletzen.“

Eins ist klar: an die Maxime, nach der man über frisch Verstorbene nur Gutes zu sagen habe, hätte einer sich gewiss nicht gehalten: Frank Schirrmacher.
Er war fürwahr ein „intellektueller Grenzgänger“. Er hat in „Payback“ viel Dummes über das Internet geschrieben, ebenso im „Methusalemkomplot“ über das Mehrgenerationenhaus Deutschland. Seine Auseinandersetzung mit dem Netz hat uns bei Czyslansky heftig beschäftigt. Wir haben dazu sogar im Dezember 2009 eine öffentliche Diskussionsrunde in München veranstaltet. Es war mein Freund Tim Cole, der im November 2009 den großen Fehdehandschuh in den intellektuellen Ring warf.

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Franz-Josef-Degenhardt lebt jetzt in der Oberstadt

Wenn einer ne ganze Menge Richtiges gesagt hat, dann hat er auch das Recht, eine Menge Unfug zu erzählen. Und wenn einer sich so gerne ins öffentlich-unrechtliche Unrecht gesetzt hat wie Väterchen Franz, dann bleiben doch Mutter Mathilde, August der Schäfer, Tante Therese, Horsti Schmandhoff, Tonio Schiavo, der Wildledermantelmann und die ganze Mischpoke vom Gonsbachtal als Panoptikum unserer Hoffnungen und Träume aus den „guten alten Zeiten“ der 60er und 70er Jahre. Den Polarstern müssen wir nun alleine finden.

"Computers are like a bicycle for our minds" – Zum Tod von Steve Jobs.

Steve_Jobs

Steve Jobs ist tot. Ich habe ihn nie getroffen, nicht einmal irgendwo “live” gesehen. Mit Steve Wozniak, Apples Co-Gründer hab ich mal ein Bier getrunken, mit Bill Gates Tennis gespielt, mit Phillip Kahn einen guten Abend an der Bar verbracht, aber irgendwie kommt einem Steve Jobs doch irgendwie vertrauter vor, als all die anderen Götter des Computer-Olymps. Und das geht sicherlich nicht nur mir so: dieser smarte Junge im schwarzen Rollkragenpullover, der einmal im Jahr der Branche und der Welt zeigte, wo’s lang geht, ist uns von diesen Auftritten so vertraut wie ein alter BRAVO-Starschnitt.

Er war immer der Brückenbauer zwischen der Technik und den Menschen, kein Nerd wie Woz und auch weniger Businessman als Bill. Er war der Popularisierer der Branche. Mit dem Apple II entwickelte er aus dem PC ein offenes System, mit der Lisa und ihrem kleinen Bruder Mac brachte er Grafik auf den Computer. “Drag and Drop”, “Pull Down”, “What you see is what you get” – die ganze SAA-Strategie der IBM, die ganze weite Windows-Welt hätte es ohne Steve so nie gegeben. Steve hat nicht nur Spuren hinterlassen, sondern Icons. Er hat – “Apple follows Apple” – die Musik in den Computer gebracht und zuletzt hat war er dabei den Computer abzuschaffen. Er verbannte ihn in flache intelligente Knäckebrot-Scheiben, die wir – je nach Größe – uns zum Telefonieren ans Ohr halten oder wie neuzeitliche Schiefertafeln auf den Knien balancieren: ambient statt amber!

Dabei war Steve immer ein Witzbold und oft ein Kindskopf. Seine Firma benannte er, der damals wie fast jeder verzogene Bub im Golden State Vegetarier war, nach einem Apfel – mit einer angebissenen Ecke in Anspielung auf den Selbstmord des Computerpioniers Alan Turing. Und sein erster Claim “Think Different” spielte ironisch mit dem alten Watson-Diktat “Think” der IBM. Und seine Werbung war immer frech und machte Spaß. Erinnern Sie sich? “Willkommen IBM”. Was haben wir gelacht …

Steve Jobs hat uns nicht nur Computer, Musikspieler und Telefone hinterlassen, sondern auch unzählige geistvolle Bonmots. Mein Lieblingssatz ist schon etwas älter: “Computer sind Fahrräder für unseren Geist”. Schließlich ist dem Fahrrad der gleiche Doppelcharakter eingeschrieben, wie dem PC: er beschleunigt und verbindet, er ist Rechner und Kommunikationsinstrument, er ist Computer und Internet.

Steve hat nun den Speicher gewechselt, sein Rad bleibt.

„Computers are like a bicycle for our minds“