Schlagwort-Archive: Menschenrechte

Salomon und Charlie

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Freiheit, aber für wen?

Wie viele Tausend andere war meine erste Reaktion auf die Nachrichten vom Anschlag auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo und den Mord an, unter anderen, Journalistenkollegen wie Stephane Charbonnier („Charb“), Jean Cabut („Cavu“) und George Wolinski (Wolin“), auf Facebook zu gehen und mein Foto mit dem schwarzen Plakat „Je suis Charlie“ zu ersetzen. Alle, die das gemacht haben, und die Tausende, die ihr „Like“ darunter setzten, wollten das Gleiche: Sich mit denen solidarisieren, die für das Recht auf Ausdrucksfreiheit gestorben waren.

Ich hatte vorher noch nie etwas von Charlie Hebdo gehört. Mein Französisch reicht auch nicht aus, um die Texte zu lesen, die dort abgedruckt werden. Und als ich die Cartoons sah, auf denen gegen religiöse Engstirnigkeit protestiert werden sollte, war meine erste Reaktion: „Mein Gott, das hätte ein Sechstklässler zeichnen können.“

Über Geschmack lässt sich bekanntlich prima streiten, fast so gut wie über Religion. Als bekennender Atheist ist mein Verhältnis zu Menschen, die unter Ausschaltung des Verstands an übernatürliche Kräfte oder Wesen glauben, ein eher mitleidiges. Aber ich bekomme immer noch eine leichte Gänsehaut, wenn ich den Voltaire zugeschriebenen Satz höre oder lese: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Weiterlesen

Was uns der Computer sagen will

Können Computer reden? Wenn ja: Was haben sie uns zu sagen? Und ist das, was sie sagen, vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt? Diese scheinbar skurrile Frage bewegt im Moment die Gemüter in Amerika, nachdem Prof. Tim Wu von der Columbia-Universität sie in einem Meinungs(!)beitrag für die New York Times gestellt hat, die er mit den Worten überschrieb: „Free speech for computers?“

Nun wird ja in Amerika die Meinungsfreiheit eine ganze Nummer höher aufgehängt als in Deutschland, wo man im Zweifelsfall lieber seine Ruhe hat und jeden, der sich mit einer womöglich abweichenden Meinung zu Wort meldet, am liebsten den Staatsorganen übergibt. Dafür sind sie ja da, nämlich um den Staat zu organisieren. Meine Vorfahren sind vor 500 Jahren aus „Old Europe“ ausgewandert, weil ihnen das Recht der freien Rede wichtiger war als Gut und Geld. Wir haben der Meinungsfreiheit deshalb auch in unserer Verfassung als „First Amendment“ gleich an erste Stelle gesetzt, vor solchen Dingen wie dem Recht, Waffen zu tragen, sich friedlich zu versammeln oder dem Verbot der Sklaverei. Weiterlesen

Eric Schmid und die Arroganz der Computer

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Ni hau?

Google wird sich wahrscheinlich aus dem China-Geschäft zurückziehen. Offiziell geschieht das aus Protest gegen staatliche Hackerei (es wurde versucht, massenweise GMail Accounts von Regimgegnern zu knacken), aber mehr oder weniger inoffiziell versuchen die Google-Oberen, den Rückzug als Protestgeste gegen Internet-Zensur darzustellen. Manche haben Ihnen dafür Beifall gespendet, darunter unser Czyslansky-Freund Michael Kausch („Google China ist kein rechtsfreier Raum mehr„). Andere, darunter auch ich, haben darin eine ziemlich zynische PR-Aktion erblickt, nach dem Motto: Wenn ohnehin in China nichts mehr zu holen ist, dann lasst uns wenigstens etwas Imagegewinn aus dem Debakel retten.

Der Publizist und Professor an der Georgetown University, Evgeny Morozov, neigt heute in der „New York Times“ auch eher zur zweiten Ansicht, begründet sie aber auf eine sehr interessante Art und Weise, nämlich mit Googles Weltsicht. Da sie nicht nur bei Google weit verbreitet ist, sondern typisch ist für viele Techies , verdient sie es, auch bei uns diskutiert zu werden. Die Czyslanskys sind ja ebenfalls überwiegend Menschen, die sich beruflich oder aus Neigung sehr viel mit Technik beschäftigen und deshalb prinzipiell Dingen wie Digitalität und Computern positiv gegenüber stehen (im Gegensatz etwa zu erklärten Technikfeinden wie Frank Schirrmacher und Konsorten). Grund genug für eine kritische Nabelschau.

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GPS als Grundrecht

Homepage von gadgetsarabia

Apple liefert in Ägypten iPhones ohne Navi-Funktion aus – und verletzt damit die Menschenrechte.

Als Yahoo 2005 den chinesischen Dissidenten Shi Tao ans Messer lieferte (er wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, weitgehend aufgrund von Beweismaterial, das Yahoo den Behörden übergeben hatte), ging ein Aufschrei der Entrüstung um die Welt. Ein Jahr später stellte der US-Abgeordnete Christopher H. Smith Google, Microsoft und Cisco ebenfalls an den Pranger wegen angeblich „widerlicher Zusammenarbeit“ mit den totalitären Machthabern im Reich der Mitte.

Man sollte also meinen, dass Apple gewarnt gewesen sein müsste. Gerade deshalb kommt die Nachricht so überraschend, dass der US-Hersteller auf Druck der Regierung in Ägypten die GPS-Funktion ihres modischen Flachmanns iPhone abgeschaltet hat.

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