Schlagwort-Archive: Krisenkommunikation

Czyslansky sagt „Ja zur Kuh“ – Krisen-PR in Zeiten der Pferde-Lasagne

Lasagne
Dass die mediale Empörungslawine über Pferdefleisch in der Lasagne nichts weiter, als ein weiterer Zug im strategischen PR-Spiel der Pferdefleisch-Mafia gegen das Rind ist, liegt auf der Hand. Nachdem sich die Kampagne zum Rinderwahnsinn vor einigen Jahren nicht einfach wiederholen ließ, setzt man nun recht geschickt auf eine reziproke Empörungskampagne: nur scheinbar klagt man die Existenz von Pferdefleisch in Fertiggerichten an, um schließlich dem Pferd als Fleischlieferanten in der deutschen Küchentradition endgültig zum Durchbruch zu verhelfen. Positive Imagekampagnen wie „Pferd schmeckt“ oder „Von der Koppel auf den Teller“ hätten in deutschen Küchen keine Chance. Aber der Argumentation „Auch wenn Du es nicht wolltet, du isst schon lange Pferd – und es hat Dir geschmeckt!“ kann man sich kaum entziehen. Das Lasagne-Skandalon ist die letzte Etappe der Pferdefleischindustrie in ihrem Kampf um unsere Kochtöpfe.

Begonnen hat es eigentlich schon vor Jahren, indem man das Rind gleichmacherisch in den Pferdesport entsandte:

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Ein Shitstorm, eine Troll-Frau und ein Jungunternehmer mit Reputationsnöten – Was dabei herauskommt, wenn man mit Würzburger Studenten im Internet spielt …

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… och, schade (cydonna/photocase.com)

Windige Zeiten sind das in den sozialen Netzen. Ein Shitstorm jagt den nächsten und manch einer entpuppt sich dabei als kleiner Windbeutel. Dabei hat sich seit den seligen Zeiten des ersten allgemein beachteten Shitstorms um Kryptonite vor sieben Jahren wenig getan: die grundlegenden Mechanismen einer typischen Online-Reputationskatastrophe sind die gleichen geblieben. Und auch die Strategien, die gegen solche Image-Krisen zu entwerfen sind, sind schon lange entwickelt.

Strategien aber lassen sich nur schwerlich mit Handbüchern vermitteln. Dies musste ich jedenfalls im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Würzburg – heutzutage heißt eine solche Institution natürlich nicht mehr einfach Fachhochschule, sondern University for Applied Sciences – erfahren. Diese Erfahrungen bildeten den unmittelbaren Anlass für die Entwicklung eines Rollenspiels, in dem ich mit Studenten der Wirtschaftsinformatik im vergangenen Wintersemester eine Reputationskatastrophe veranlasst, ausgespielt, bekämpft und schließlich analysiert habe. Die Ergebnisse dieses Rollenspiels wurden bislang nicht veröffentlicht. Und das hat einen einfachen Grund: Ursprünglich wollte ich den “Fall” im vergangenen Februar als Speaker auf der TED-Konferenz Rhein-Main vorstellen. Eine ausgebüxte Bandscheibe hat mir damals einen Strich durch die Rechnung gemacht und so wartete ich nun die Social Media Economy Days ab, die vor wenigen Tagen in München stattfanden. Dort also erlebte der Bericht zur Reputationskatastrophe der “Fränkischen Bratwurst Manufaktur” seine Uraufführung. Die Vortragsfolien sind längst publiziert, der Bericht – die “Story” – folgt nun hier.

Im Wintersemester 2010/11 wollten wir mit Studenten der Wirtschaftsinformatik in einem “Live-Rollenspiel” die Bedingungen und Mechanismen einer typischen Social Media Reputationskatastrophe erfahrbar machen. Die Versuchsanordnung war übersichtlich:

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