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Niemand soll zu Kreuze griechen … Griechenland und der bundesdeutsche Journalismus

Es übelt einen mächtig an, wenn man sich die Qualität der deutschen Berichterstattung zur Griechenland-Krise anschaut. Ich habe im Moment keine Zeit das Ganze seriös aufzubereiten. Leider. Aber eigentlich illustriert die hübsche Medienbeobachtung des NDR schon ganz gut, was ich meine:

Die Krise bietet vielen Journalisten endlich mal wieder die ganz große Chance die eigene arrogante und dümmliche Selbstgefälligkeit herauszulassen. Journalismus auf Stammtisch-Niveau. Viel können die sozialen Medien da nicht mehr kaputt machen …

Ich möchte mich noch bei Wolfgang Sommergut bedanken, der mich auf dieses Elend hingewiesen hat.

Herakles oder Odysseus?

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Die Lage in Griechenland spitzt sich zu. Was dort nun genau hinter den Kulissen abgeht, wissen wir nicht. Was wir aber beobachten, ist eine beispiellose Verrohung der Sitten. Ein griechisches Regierungsmitglied namens Paraskevopoulos (Παρασκευόπουλος) sorgt derzeit für Unruhe, da er Forderungen an diejenigen stellt, die gerade noch die Retter in der Not gespielt haben. Ich rede von uns. Der deutsche Humor hält sich in Grenzen, sehr hilfreich ist es nicht, was dieser Mann da macht, ganz unabhängig von der Frage, ob denn nun nach siebzig Jahren immer noch Forderungen der ehemaligen Kriegsgegner geprüft werden sollen. Das kann man tatsächlich so oder so sehen, und eine eindeutige Position fällt schwer.

Zurück zum griechischen Justizminister. Nikos heisst der Mann mit Vornamen, nach der Siegesgöttin Nike, aber siegreich wird er kaum sein. Sein Namensvetter Theodoros Paraskevopoulos (Theodoros: Das Gottesgeschenk) berät unterdessen die SYRIZA in Wirtschaftsfragen, und so kommt es laufend vor, daß deutsche Medien die beiden verwechseln. Paraskevi heißt übrigens Freitag und Pouli ist das Küken. Freitagsküken? Paraskevazome (παρασκευάζομαι) heisst vorbereitet sein bzw. sich vorbereiten. So kommt mit dem (Backgammon-)Spielstein Pouli (πούλι, nur eine Betonung vom Vögelchen entfernt) eine beute Bedeutung und der Mann bereitet seine Spielzüge vor. Das passt besser, hilft aber beides Griechenland nicht weiter.

Langsam mache ich mir Sorgen um Herrn Tzipras. Weiterlesen

Ich griech die Krise

800px-Flag_of_Greece.svgEs ist nicht auszuhalten. Ich habe ja schon viel zum Thema Griechenland geschrieben (hier, hier, hier oder neulich erst hier), durchaus ambivalent, aber nun sitze ich im ICE. Im Großraumwagen. Nein, kein Schimpfen über die Bahn heute, das wäre zu ermüdend und wir haben auch nur 15 Minuten Verspätung und der Zug fährt ja, trotz Streikgeschrei. Es ist viel schlimmer. Eine Reihe weiter sitzt ein Mensch mit unangenehmem Düsseldorfakzent, also „rheinisch ohne Freude am Leben“, und weiss alles zum Thema Griechenland. Nein, ich werde ihm nicht ins Wort fallen, nein, ich werde ihm nicht seinen Schal in den Hals stopfen oder ihn mit seinen eigenen Därmen erwürgen, oder welche Gewaltphantasien noch mit mir durchgehen mögen. Ich beschliesse also, still zu leiden. Der da spricht, ist kein dumpfer Stammtischler, der aus der Bildzeitung vorliest, oder einfach nur Dampf abläßt, sondern er ist, wie er auch erwähnt, ehemaliger Ministerialbeamter. Und ich befürchte, viele denken so wie der. Warum tun sie das? Weil sie recht haben? Ich bin nicht überzeugt.

Aber reden wir über das, was er sagt. Weiterlesen

Wahlversprechen

Unglaubliches ist passiert. Die Griechen haben keine Lust mehr, weiter am Hungertuch zu nagen. Klar, das führt zu Extremismus, und so paktieren die neuen Linken mit den neuen Rechten, also die SYRIZA (Die Koalition der radikalen Linken, ΣΥΡΙΖΑ) mit der ANEL (Die unabhängigen Griechen, ΑΝΕΛ), um endlich die alten Linken (Pasok, ΠΑΣΟΚ) und die alten Rechten (Nea Demokratia, ΝΔ) loszuwerden. Das ist nicht nur verständlich, das ist konsequent. Und überrumpelt wurde niemand – alles war ehrlich angekündigt. Es gab sogar eine Partei mit dem netten Namen „Bewegung ich zahle nicht“ (Κίνημα Δεν Πληρώνω) oder auch einfach nur eine namens „Nein“ (OXI). Die Griechen haben aber nicht diese monothematischen Wutbürgerbewegungen gewählt, sondern durchaus „echte“ Parteien.

Nun ist es aber so, daß unsere Definition von rechts und links in Griechenland nicht greift. Links von der Mitte gibt es eben die SYRIZA (36,34 %, 149 Sitze) und dann noch die Kommunisten KKE (5,47 %, 15 Sitze) und die tief gefallene PA.SO.K (nur noch 4,68 %, 13 Sitze). 151 Sitze braucht man in Griechenland, und die besorgte sich die SYRIZA nicht links, sondern eher rechts, bei der ANEL.

Rechtspopulisten! Weiterlesen

Jürgen will nicht mehr

Das musste mal gesagt werden. Und mein Freund und Skatbruder Jürgen Seitz vom Bayerischen Fernsehen hat dafür genau die richtigen Worte gefunden, als er am Rosenmontag in den “Tagesthemen” den Kommentar zur Griechenland-Krise sprach.

Was die Politik da an Rettungsschirme aufspannt, erinnerten ihn an einen “naiven Faschingsscherz”: Sie glauben, mit der Geldpumpe und brutalen Sparauflagen die Wirtschaft des Landes in die Neuzeit befördern zu können. Dabei seien in Griechenland die Lohnstückkosten in den letzten Monaten sogar noch weiter gestiegen, weil – so Jürgen – “ein wenig produktives Beamtenheer und rabiate Gewerkschaften nicht umsteuern wollen – und können.” Nicht einmal griechisches Olivenöl sei da am Ende noch exportfähig.

Nein, ohne Euro-Austritt sei Griechenland nicht mehr zu retten, wenn Europa nicht zu einer Transferunion verkommen wolle, in der schwache Länder sich von den reichen dauernd refinanzieren lassen. Wenn Griechenland, warum dann nicht Portugal und Irland?

Und dann hob er zum großen Finale an: “Der Internationale Währungsfond will, so wird gemunkelt, dafür nicht mehr haften. Ich auch nicht. Und Sie?”

Das hat ihn jetzt einen Platz in der “Gewinner des Tages”-Spalte bei Deutschlands auflagenstärksten Tageszeitung eingebracht – weil man in der Hamburger Redaktion offenbar glaubt, dass Jürgens in Wahrheit Volkes Stimme sei. Und da könnten sie ausnahmsweise auch mal Recht haben.

Czyslansky, Onassis und das griechische Wirtschaftsdesaster

Onassis

Der griechische Reeder Aristoteles Onassis – hier auf seiner Yacht “Christina O.” – war ein guter Freund Czyslanskys

Im Rahmen aktueller Recherchen über hervorragende griechische Wirtschaftsführer und -wissenschaftler – publizistisch arbeite ich eher antizyklisch – bin ich jüngst auf eine interessante Ansichtskarte Czyslanskys gestoßen, die dieser an Ostern 1953 aus seinem Kurzurlaub bei Aristoteles Onassis seinem Berliner Freund Gustav Grünkern zugedacht hat.

karte czyslansky

Diese Karte vom 9. April 1953 dokumentiert Czyslanskys Besuch bei Onassis

Czyslansky verbrachte einige Tage mit dem großen griechischen Reeder auf Euböa, als er während eines Tagesausflugs nach Piräus in der Eignerkabine der Yacht “Christina O.” mehrere hundert Zigarrenkisten der spanischen Manufaktur Fortuna entdeckte. Der ganze Raum war, so Czyslansky, “kaum mehr betretbar, da über und über mit Kisten voller Lonsdale Zigarren zugestellt”.

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