Schlagwort-Archive: Google

Frauen haben ihre Tage und Männer sollten nicht heiraten

Was Männer brauchen und Frauen wollen – Google weiß es.
Dank der wunderbaren Funktion der Autovervollständigung bestätigt mein Computer mir, dass nicht nur ich voller Vorurteile stecke sondern auch mein Rechner. Denn Google ist nicht besser. Weil ich nämlich einen Google-Account habe, mich dort anmelde und die Suchmaschine nutze, vervollständigt Google natürlich das, was es meint, was ich wissen will – auf Basis all dessen, was ich sonst so wissen wollte.
Also mache ich mir den Spaß, Männer und Frauen mit verschiedenen Verben in die Suchmaschine einzugeben. So erfahre ich, was das Elektronenhirn meint, was ich suche bzw. was ich wissen will.
Was das über Google aussagt und über mein Männer- und Frauenbild überasse ich Ihnen, liebe Czyslansky-Freunde:

1. Suchbegriff  „Männer brauchen“ / „Frauen brauchen“frauenbrauchenmannerbrauchen

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Invasion der Dongle-PCs

Image: Mashable/Karissa Bell

Image: Mashable/Karissa Bell

Sie sind so groß wie ein Schokoriegel und wahlweise quietschbunt (Google/Asus), pechschwarz (Intel) oder blitzweiß (Zotac). Und sie können fast jeden modernen Fernseher in einen vollwertigen PC verwandeln. Westentasche? Diese Dinger passen in jede Hosentasche und sind so simpel wie ein USB-Stick (mit dem sie ja auch eine große Ähnlichkeit haben).

Die Idee ist verblüffend einfach: Ein vollwertiger Stick-PC mit Windows oder Linux-OS für weniger als 100 Dollar. Steckt man sie in den HDMI-Schlitz, der inzwischen an der Rückwand von fast jedem modernen Flachbildschirm zu finden ist, installiert sich die Software selbst. Gesteuert wird wahlweise über eine intelligente Fernbedienung oder über die konventionelle Maus/Tastatur-Kombi, die entweder per USB oder drahtlos per Bluetooth angeschlossen werden. Auf gleiche Weise lässt sich beispielsweise eine Verbindung zu einem Drucker oder anderen Peripheriegeräten aufbauen. Weiterlesen

Macht das Internet wieder auf!

Geschlossene Gesellschaft

Geschlossene Gesellschaft

Das Internet hat die Welt verändert, aber Apps verändern das Internet. Mehr als die Hälfte aller Internet-User geht heute mit Hilfe eines Smartphones oder eines Tablets online, und sie benutzen dazu Apps, also kleine Mini-Programme, die nur für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen worden sind, beispielsweise ein Flugticket zu buchen, ein Spiel zu spielen oder sich ins Social Web einzuloggen.

Aus dem offenen, kreuz und quer verlinkten World Wide Web, das sich sein Erfinder Tim Berners-Lee als ein „semantisches“ Netzwerk vorgestellt hat, also eines, das sich jedem erschließt und Kontext schafft, ist längst eine Ansammlung kontrollierter Biotope geworden. Wenn das Web ein Dschungel ist, dann sind Apps kleine, spießige Schrebergärten mit hohen Zäunen drum herum, damit ja keiner von außen reinschauen kann. Das entspricht ganz den Interessen der Anbieter, die sich schon immer daran gestört haben, dass Kunden im Internet ganz schnell weg sind, wenn ihnen irgendwas nicht passt. Ein App-User ist ein Gefangener, und die App ist seine Einzelzelle.

Insofern ist die „App Economy“, wie sie der Offenbacher Prof. Wolfgang Henseler beschreibt, kulturell und gesellschaftlich ein klarer Rückschritt. Weiterlesen

Facebook und die Gedankenfreiheit

...aber Facebook kann sie erraten!

…aber Facebook kann sie erraten!

Also doch: Orwell hatte Recht! Sein Albtraum von der „Gedankenkontrolle“ ist Wirklichkeit geworden, die bösen Macher von Facebook sind dabei, unsere Gehirne umzuprogrammieren. Google kontrolliert, was wir denken dürfen. O tempora, o mores!

Der Skandal um manipulierte News-Feeds im Rahmen eines sozialpsychologischen Experiments auf Facebook (die so genannte „Emotional Contagion Study„) haben den Kulturpessimisten reichlich neue Nahrung gegeben. Schade, dass Frank Schirrmacher das nicht mehr erleben durfte!

Aber worum geht es hier eigentlich? Wie jetzt herausgekommen ist haben sich die Wissenschaftler  Jeffrey Hancock and Jamie Guillory von der angesehenen   Cornell University zusammengetan um zu prüfen, ob das Lesen von negative Meldungen Einfluss auf das seelische Befinden von Menschen hat, also ob wir traurig werden, weil wir traurige Nachrichten vorgesetzt bekommen und umgekehrt, ob sich unsere Laune durch die Lektüre guter Nachrichten heben lässt. Dazu wurden die dargestellten Meldungen in den Timelines von rund 700.000 der 1,3 Milliarden Facebook-Nutzern manipuliert, und zwar ohne deren Wissen. Danach analysierten die Forscher die Posts der Betroffenen mit Hilfe von Software, die in der Lage sein soll, aus deren Wortwahl beim Schreiben Rückschlüsse auf ihre Stimmungslage zu ziehen.

Ich muss zugeben: Meine erste spontane Reaktion, als ich das las, war: Wow: eine Software, die lesen kann! Nicht nur lesen, sondern verstehen, wie mir beim Schreiben zumute war. Wie geil ist das? Weiterlesen

Ein Algorithmus für das Vergessen

Da war doch noch was...

Da war doch noch was…

Das Urteil des höchsten europäischen Gerichts, des EuGH, gegen Google im Streit um das Recht aus Vergessen ist ein Skandal, kein Zweifel. Die Oberrichter haben ganz offensichtlich nicht zu Ende gedacht, was sie da angezettelt haben, denn jetzt kann ja – nicht nur – theoretisch jedermann bei Google den Antrag stellen, Fundstellen zu löschen, die irgendwie mit ihm zu tun haben. Dabei ist es ganz egal, ob dieser Antrag in irgendeiner Form berechtigt ist, also ob tatsächlich irgendein Persönlichkeitsrecht verletzt wird. Es genügt zu sagen: „Ich will das nicht“.

Wieder theoretisch wird Google in jedem einzelnen Fall prüfen, ob dieser Wunsch nach Löschen einer Information gerechtfertigt ist oder nicht. Google müsste dazu eine Heerschar von Prüfern anheuern, die jeden Tag nichts anderes tun, als Millionen von Anträgen anzuschauen, die Hintergründe (mit Hilfe der eigenen Suchmaschine) zu recherchieren und anschließend zu entscheiden: Löschen oder Nichtlöschen. Und wenn nicht? Dann kann der Löschungswütige ja – ebenfalls theoretisch – die Gerichte anrufen und versuchen, Google zu zwingen, es doch zu tun.

Was wird Google, das ja am Ende des Tages ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, stattdessen tun? Klar: Sie werden einfach jedem Löschungsantrag entsprechen, und zwar ungeprüft! Alles andere wäre wirtschaftlicher Wahnsinn. Und wo, bitteschön, bleibt da die Wahrheit? Darf einfach jeder nach Gutdünken die Geschichte umschreiben. Ich saß gestern Abend nach der IT-Sicherheotskonferenz des TÜV Rheinland in Fürstenfeldbruck, wo ich als Moderator tätig bin, mit Odad Ilam vom israelischen Cyber Gym zusammen, einem Trainingslager für Cyberwar-Soldaten, und er fand einen ziemlich drastischen Vergleich. „Stelle dir vor, Hitler wäre noch am Leben. Er hat irgendwo in Südamerika jahrelang unerkannt überlebt, und jetzt stellt er bei Google den Antrag, alle Einträge über die Judenvernichtung im Dritten Reich zu löschen. Warum? Weil er sich davon gestört fühlt, dass sowas öffentlich bekannt sein soll?“ Nun ja, wenn Google ungeprüft löscht, dann wäre der Holocaust auf einmal weg. Wollen wir das?

Beim Mittagessen saß ich dann zusammen mit meinem alten Freund Phil Zimmermann zusammen. Phil ist der Erfinder von PGP, das verbreitetste Verschlüsselungsprogramm für E-Mail auf der Welt. Ich habe ein paar bleifreie Weißbier getrunken, er ein Mango-Schorle. Das, was wir uns ausgedacht haben, war also keineswegs vom Alkohol beflügelt. Und trotzdem klingt es zunächst ein bisschen danach, als hätten wir ein paar Flaschen Rotwein intus gehabt. Weiterlesen

Heult doch – Springer manipuliert mich nicht

Mathias DoepfnerMathias Döpfner hat einen so langen wie überflüssigen Text abgesondert. Etwas überrascht durch den großen Widerhall, den dieser offene Brief hervorgerufen hat, habe ich ihn gelesen, obwohl ich schon den Verdacht hatte, daß hier im BILD-Zeitungstil einfach nur Manipulation betrieben werden sollte. Ich sollte recht behalten. Textauszug gefällig?

Einerseits ist Axel Springer Teil einer europäischen Kartellklage gegen Google und streitet mit dem Konzern über die Durchsetzung des deutschen Leistungsschutzrechts, das den Inhalte-Diebstahl verbietet, andererseits profitiert Axel Springer nicht nur von dem durch Google entstehenden Traffic, sondern auch bei der Vermarktung von Restplätzen seiner Online-Werbung von Googles Algorithmus. Das stimmt. Man kann das schizophren nennen. Oder liberal. Oder, und das ist die Wahrheit, um es mit einem Lieblingswort unserer Bundeskanzlerin zu sagen: alternativlos.

Beim Wort „Inhaltediebstahl“ war es schon klar, um was es im folgenden Text gehen würde.  Weiterlesen

25 Jahre WWW (II): Vom Hypertext zum Author Rank. Oder: Wie Microsoft vor 25 Jahren beinahe das World Wide Web erfunden hätte und warum Google es bis heute nicht versteht.

Bill Gates

Der Beinahe-Erfinder des Internet

Vor beinahe drei Jahren habe ich in einem kleinen Beitrag in der F.A.Z.  auf einen Artikel der beiden Microsoft Vor-Denker Bill Gates und Nathan Myhrvold über das Prinzip Hypertext hingewiesen. Deren Artikel wurde von mir vor genau 25 Jahren – also im März 1989 – für die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft aus dem Amerikanischen übersetzt. So formulierten Gates und Myhrvold die Logik des Internet ausgerechnet im selben Monat, in dem Tim Berners-Lee im CERN sein Internet-Projekt vorstellte (siehe hierzu den Beitrag meines Czyslansky-Bruders Tim Cole hier im Blog).

Gates und Myhrvold schrieben vor 25 Jahren:
„Heutige Programme behandeln Dokumente als Dateien, die sich auf einer Computerdiskette befinden. Solche Dateien unterscheiden sich im Prinzip nicht wesentlich von einem Stück Papier oder gar von einer Papyrusrolle: Eine Textzeile folgt auf die andere. Dagegen stellt ein Programm für Koproduktionen mehrerer Autoren ein Dokument als komplizierte Datenstruktur dar, in der einzelne Textbrocken zu einem komplizierten Netz miteinander verflochten sind. Ein solches Dokument bezeichnet man als Hypertext.“

Gates und Myhrvold bezogen ihre Idee vom vernetzten Arbeiten lediglich auf die Struktur von Textdokumenten, die ihren sequentiellen Aufbau zu Gunsten einer dreidimensionalen Struktur überwinden.

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Ehrenmann 2.0

Nachdem sich so ziemlich jeder zur Causa Hoeneß zu Wort gemeldet hat, bin ich wohl jetzt dran. Für mich ist klar: Der Mann ist ein Verbrecher und wandert zu Recht für dreieinhalb Jahre hinter Gittern.

Aber andererseits: Der Mann ist ein Vorbild für uns alle, vor allem aber für die Jugend. Oder er war es jedenfalls mal, bis ihn der Spieltrieb packte. Der Rest ist bekannt.

Die Frage, die mich beschäftigt ist aber eine andere, nämlich: Warum hat er auf Rechtsmittel verzichtet und sich sozusagen in vorauseilendem Gehorsam zum Strafantritt angemeldet? Ich bin ja Berufszyniker, und ich unterstelle Menschen wie ihm, die sich bis an die Spitze von Politik, Wirtschaft oder eben auch von Sport emporgewurschtelt haben, dass sie es vor allem mit den Ellenbogen geschafft haben, also über eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit und Eigennutz verfügen. Da passt eine solche Geste so gar nicht ins Bild, oder? Weiterlesen

Oh wie GEMAin

gema
Vor knapp zwei Jahren hatte ich einmal angefangen, mit Mythen im Internet aufzuräumen. Einer der Blogartikel ist mir noch recht präsent, er trug den Titel „Mythos 6: Ohne Verwertungsrechte sähe die Musik heute ärmer aus„. An diesen musste ich denken, als ich kürzlich an mehreren Stellen las, die Gema hätte einen Sieg gegen Youtube errungen. Einen Sieg? Ich weiß nicht. Was ist passiert?

„Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar“. Dazu ein betrübtes Emoticon. Jeder kennt es, keiner schaut genau hin, wir wissen, was das bedeutet: Man arbeitet auf einem Rechner, auf dem keine hilfreiche Software wie beispielsweise proxymate installiert sind. Ein lösbares Problem also, aber natürlich auch immer ein bisschen lästig. Natürlich stimmt etwas mit dem Text nicht. Das Video ist in Deutschland vielleicht schon verführbar, nur nicht bei YouTube, und YouTube sagt selbst, das Video enthalte möglicherweise Musik, für die eben eventuell an die GEMA gezahlt werden müsste.

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Was ist ein Menschenleben wert?

Die Frage ist zwar banal aber profund zugleich. Was ist ein Menschenleben wert? Natürlich ist ein Menschenleben das Wertvollste, was es gibt, erst recht für diejenigen, die diesem Menschen nahe stehen: Eltern, Ehepartner, Geschwister, Kinder und dergleichen. Andererseits ist ein Menschenleben eigentlich gar nichts wert, weil es vergänglich ist und unweigerlich mit dem Tode endet.

Religiöse Menschen würden sagen, dass ein Menschenleben ohnehin Gott gehört, und dass nur er imstande ist, den Wert dafür zu bestimmen.

Andererseits müssen sterbliche Menschen – Richter, in der Regel – immer wieder den Wert eines Menschenlebens festlegen, wenn dieser beispielsweise durch Fremdverschulden zu Tode gekommen ist und die Frage der Entschädigung von Hinterbliebenen ansteht.

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