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Germanwings: Mit elektronischer Patientenakte wäre das nicht passiert

Krankenakte LubitzDer furchtbare Fall des Fluges Germanwings 4U9525 birgt Lehren, die weit über den Flugverkehr hinaus wirken. Eine davon ist die unsinnige Angst der Menschen besonders in Deutschland vor der digitalen Gesundheitsakte.

Hätte es diese heute schon gegeben, wäre mit ziemlicher Sicherheit aufgefallen, dass der Pilot Andreas Lubitz offenbar von mehreren Ärzten parallel untersucht und behandelt worden ist, ohne dass sie selbst, die zuständigen Aufsichtsbehörden oder sein Arbeitgeber etwas davon gewusst haben. Das soll die digitale Patientenakte im Grunde verhindern, allerdings nicht aus Sicherheits- sondern aus Kostengründen: Dieser „Ärzte-Tourismus“ ist sehr weit verbreitet und kostet die Krankenkasse jedes Jahr Milliarden. Da gehen alte Mütterchen jeden Tag zu einem anderen Arzt, oft auch nur, weil sie einsam sind und ihnen die netten Herren Doktors zuhören. Und es werden für weitere Milliarden Medikamente mehrfach verschrieben und oft genug später weggeworfen.

Zu einer vernünftigen Reform des Gesundheitswesens müsste also eine digitale Patientenakte zwangsläufig dazu gehören. Wäre da nicht die fast schon paranoide Angst vor dem Datenverlust. Wobei niemand so richtig sagen kann, wer ein Interesse daran hätte, die Krankendaten von Oma Müller zu klauen. Manchmal hört man auf Sicherheitskonferenzen von ansonsten recht vernunftbegabten Rednern ein dumpfes Gemurmel über Arbeitgeber, die angeblich gerne an die Daten ran wollen, um kranke oder auch nur unliebsame Mitarbeiter loszuwerden, aber Belege kann natürlich keiner dafür nennen. Aber das Argument ist vortrefflich geeignet, um jeden Fortschritt in der Medizintechnik auszubremsen. Weiterlesen

Germanwings und die medialen Reiter der Apokalypse

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Bei einer Katastrophe, wie dem Absturz der Germanwings A320, überwiegt bei mir gelegentlich doch die Wut die Trauer. Es ist so schäbig ansehen zu müssen, wie Blogger, Twitteristi, Facebook-„Freunde“, alte Medien und ganze Firmen die Katastrophe dazu nutzen, ihr eigenes billiges Süppchen zu kochen.

Ich habe den gestrigen Tag als Referent auf einem Storytelling- und Social-Media-Workshop bei Lufthansa Systems verbracht. Da war die Betroffenheit der Teilnehmer über das Unglück, das sich ja quasi in der eigenen Unternehmensfamilie abgespielte, sehr sehr groß. Und natürlich zwang mich das gestern die Reaktionen der Zeitzeugen in den sozialen Medien intensiver zu studieren, als ich dies sonst wohl getan hätte. Manche Leutchen in den sozialen Kanälen mögen ja wirklich betroffen gewesen sein und sie versuchten vielleicht ihre Trauer durch Postings, Tweets und Kommentare durch Teilen abzuarbeiten. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass viele Selbstdarsteller unter den Trauernden die „Story“ auch für ihre ureigensten wirtschaftlichen oder publizistischen Interessen zu nutzen trachteten.

Den Gipfel bildete gestern wohl jenes Unternehmen, das seine Fähigkeiten zur Datenrettung mit einer Sonderaktion für die Hinterbliebenen in einem Pressetext so beworben hat:

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