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Der Dürer Skandal

Wenn man mit einer Fränkin, genauer noch mit einer Nürnbergerin verheiratet ist, erlebt man hin und wieder überraschende Ausbrüche von Nationalstolz. So schlenderten wir vor ein paar Wochen durch Wien und beschlossen doch auch mal in die Albertina reinzuschauen. Kaum betreten wir das Gebäude, da reisst mich ihr Aufschrei aus den Gedanken:
Der Hase gehört doch uns!“ ruft meine Gattin plötzlich fassungslos und bleibt wie angewurzelt vor dem Plakat des Kunst-Merchandising-Laden stehen. Dann fällt sie sogar – für sie untypisch – in ihren Heimatdialekt. Das klang dann in etwa so: „Was machd denn unser Dürer-Haaas in der Alberdina?“

Der neueste Schock den die Franken und damit auch meine geliebte „Beutebayerin“ verkraften müssen ist, dass das berühmte Selbstbildnis des grossen Nürnbergers, wohl in der Münchner Pinakothek bleiben wird, wenn die Nürnberger dieses Jahr ihren größten Sohn der Stadt mit einer umfassenden Ausstellung ehren wollen. Angeblich ist das Bild zu fragil und kostbar, um quer durch den Freistaat transportiert zu werden. Weiterlesen

Neues aus der Czyslansky-Forschung: Der frühe Kriminalroman “Der Diddlasbadscher vom Dadschmahal”

diddlasbadscher

Endlich gibt es wieder Neues aus der Czyslansky-Forschung zu vermelden: Auf dem Boden einer Scheune im mittelfränkischen Heilsbronn ist nun sein lange verschollen geglaubter Kriminalroman “Der Diddlasbadscher vom Dadschmahal” überraschend aufgetaucht.

Dieses belletristische Erst- und Letztlingswerk des großen Forschers und Krimi-Liebhabers ist im eigentlichen Sinne der erste deutsche Regional-Krimi. Mitte der fünfziger Jahre machte sich Czyslansky an dieses Werk, das komplett im fränkischen Dialekt erscheinen sollte. Bekanntlich war Czyslanskys Großmutter mütterlicherseits eine gebürtige Schwabacherin. Unter dem Druck der massiven antifränkischen Geisteshaltung, die im Bayern der fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts herrschte – ein fränkischer Ministerpräsident war erst 50 Jahre später (und auch dann nur als nicht ganz ernst gemeinte Farce) politisch durchsetzbar – stellte Czyslansky die Arbeiten an diesem Werk leider vorzeitig ein. Deshalb ist über den Plot nur wenig bekannt. Man könnte fast sagen, dass er gar nicht existiert, denn Czyslansky hat zwar einen ersten Entwurf für den Umschlag  komplett gestaltet, die Seiten – immerhin 456! – sind aber komplett leer:

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