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Germanwings und die medialen Reiter der Apokalypse

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Bei einer Katastrophe, wie dem Absturz der Germanwings A320, überwiegt bei mir gelegentlich doch die Wut die Trauer. Es ist so schäbig ansehen zu müssen, wie Blogger, Twitteristi, Facebook-„Freunde“, alte Medien und ganze Firmen die Katastrophe dazu nutzen, ihr eigenes billiges Süppchen zu kochen.

Ich habe den gestrigen Tag als Referent auf einem Storytelling- und Social-Media-Workshop bei Lufthansa Systems verbracht. Da war die Betroffenheit der Teilnehmer über das Unglück, das sich ja quasi in der eigenen Unternehmensfamilie abgespielte, sehr sehr groß. Und natürlich zwang mich das gestern die Reaktionen der Zeitzeugen in den sozialen Medien intensiver zu studieren, als ich dies sonst wohl getan hätte. Manche Leutchen in den sozialen Kanälen mögen ja wirklich betroffen gewesen sein und sie versuchten vielleicht ihre Trauer durch Postings, Tweets und Kommentare durch Teilen abzuarbeiten. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass viele Selbstdarsteller unter den Trauernden die „Story“ auch für ihre ureigensten wirtschaftlichen oder publizistischen Interessen zu nutzen trachteten.

Den Gipfel bildete gestern wohl jenes Unternehmen, das seine Fähigkeiten zur Datenrettung mit einer Sonderaktion für die Hinterbliebenen in einem Pressetext so beworben hat:

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Holy fucking shit …

„Holy fucking shit I was just in a plane crash!“

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Das war die erste Meldung, die es am Samstag über den Flugzeugabsturz einer Boing 737 in Denver, Texas zu lesen gab. Nein, keine Tickermeldung von CNN, nicht AP oder DPA; deren Nachrichten Stil ist eine Spur präziser und sprachlich auch etwas gewählter. Diese Meldung twitterte Mike Wilson unter seinem Twitter-Nickname: 2drinksbehind und zwar vom Rollfeld, ungefähr 7 Minuten nachdem er aus dem brennenden Wrack geklettert war. Danach twitterte er munter weiter aus der Flughafen-Lounge, in der die unverletzten Passagiere untergebracht worden waren. Vor allem die Tatsache, das die Fluggesellschaft Continental ihnen nicht einmal ein paar Drinks spendierte, machte ihn ausgesprochen ungehalten.

You have your wits scared out of you, drag your butt out of a flaming ball of wreckage and you can’t even get a vodka-tonic. Boo

Das ist verdammt schlechte PR für Continental. Ein Absturz kann jeder Fluglinie mal passieren, aber dass man auf den Schreck nicht mal einen Drink bekommt, ist schlechter Stil und absolut unverzeihlich.