Schlagwort-Archive: FAZ

Was ist ein Menschenleben wert?

Die Frage ist zwar banal aber profund zugleich. Was ist ein Menschenleben wert? Natürlich ist ein Menschenleben das Wertvollste, was es gibt, erst recht für diejenigen, die diesem Menschen nahe stehen: Eltern, Ehepartner, Geschwister, Kinder und dergleichen. Andererseits ist ein Menschenleben eigentlich gar nichts wert, weil es vergänglich ist und unweigerlich mit dem Tode endet.

Religiöse Menschen würden sagen, dass ein Menschenleben ohnehin Gott gehört, und dass nur er imstande ist, den Wert dafür zu bestimmen.

Andererseits müssen sterbliche Menschen – Richter, in der Regel – immer wieder den Wert eines Menschenlebens festlegen, wenn dieser beispielsweise durch Fremdverschulden zu Tode gekommen ist und die Frage der Entschädigung von Hinterbliebenen ansteht.

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Czyslansky hat sich geirrt, es musste doch noch mehr gesagt werden……

Etwas vollmundig haben wir am Ostersamstsg festgestellt, es sei bereits alles Erwähnenswerte zu den vorösterlichen Aufregerthemen gesagt worden, aber mittlerweile hat uns die Entwicklung eines Besseren gelehrt: Die Causa Günter Grass nimmt immer bizarrere Formen an. Und wer sich mittlerweile nicht alles zu Wort gemeldet und mehr oder weniger Erbauliches zum Besten gegeben hat. Es wurde ganz offensichtlich doch noch nicht alles gesagt, was gesagt hätte werden können…

Man muss ihn nicht mögen oder seine Meinung teilen – aber man muss ihn reden lassen. Das ist Demokratie! Günter Grass. Bild: Wikipedia User L47

Der israelische Journalist und Historiker Tom Segev spricht im Interview mit Spiegel online von einem regelrechten Empörungswettbewerb und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Wer krakeelt am Lautesten? Und wer nutzt nicht alles geschickt die Zeilen des 84jährigen, um mit seiner lautstarken Erregung sich selbst möglichst medienwirksam und politisch opportun in Szene zu setzen? Denn beim näheren Hinschauen ist die ganze Diskussion doch auch wieder nur eine wunderbare Bühne für alle, endlich mal aus den Kulissen zu treten, im Rampenlicht ihr Verslein aufzusagen und nach Applaus zu hecheln.

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Zwischen Schirrmacher und Renner – Digital ist anders

Unter dem programmatischen Titel “Digital ist anders” habe ich in der jüngsten Wochenendausgabe der F.A.Z. versucht, einen Weg zwischen der opportunistischen Erlösungstheorie der Renner-Brüder und dem kulturkritischen Skeptizismus des F.A.Z.-Herausgebers Frank Schirrmacher bei der Bewertung des Internet und dessen gesellschaftlichen Auswirkungen aufzuzeigen.

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Auch wenn mir Frank Schirrmacher freundlicherweise gleich eine Doppelseite in der nicht gerade kleinformatigen F.A.Z. zugesprochen hat, so musste natürlich trotzdem ein guter Teil des Manuskripts unter dem Diktat der Raumökonomie weichen. Neben vielem anderen hat das Internet gegenüber dem alten Holzdruck den unvergleichlichen Vorteil des unbegrenzten Raumes. Deshalb darf ich an dieser Stelle den Artikel der F.A.Z. mit einigen verfallenen Passagen vervollständigen. Dieses Posting ist also nicht eigenständig zu lesen, sondern als Addendum zum dort veröffentlichtem Text.

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Zeitungs-Skandal: Wer ist der Nächste?

Feuer frei: Zeitungen im Schußfeld

Mordoch stellt sein Massenblatt „News of the World“ ein, meldete soeben die „Tagesschau“ in einer Eilmeldung. Allzu bunt hatten es die Journalisten dort getrieben, Telefone von Promis abgehört und auch sonst wohl bei der Jagd nach der nächsten Schlagzeile übertrieben. Nun wird zurückgeschossen, die drei Millionen Leser müssen jetzt nach einer anderen Boulevardlektüre greifen, wovon es in Großbritannien ja gottlob genügend.

Die Frage, welche Konsquenzen die Schließung der auflagenstärksten englischen Tageszeitung hat, wird sicher noch lange für Debattenstoff sorgen. Viel spannender aber diese: Wen trifft es denn als nächstes? Bei BILD sollen sorgenvolle Mienen bei der Konferenz zu beobachten gewesen sein. Auch bei „Blick“ in Zürich und der „Krone“ in Wien schlichen die Kollegen dem Vernehmen nach verhuscht durch die Gänge. Jeden könnte es treffen: Die „FAZ“, weil sie grob fahrlässig den Stuß von Frank Schirrmacher veröffentlicht, der „Bote vom Welzheimer Wald“ wegen des Dreckfuhlers auf der zweiten Lokalseite.

Wer weiß: Vielleicht erleben wir jetzt endlich die überfällige Renaissance des Qualitätsjournalismus, notgedrungen…

 

Umfrage: Was hat das Internet mit Dir gemacht?

Frank Schirrmacher, der Herausgeber der F.A.Z., hat mich gebeten in einem kleinen Beitrag für die F.A.Z. einmal zusammenzufassen, was das Internet mit mir gemacht hat:

Bin ich auf Grund des Web besser informiert oder überfordert? Sind meine zwischenmenschlichen Kontakte intensiver oder oberflächlicher? Bin ich kreativer oder komm ich gar nicht mehr zum Schreiben? Haben sich Alltag oder Job verändert? Meine Denke? Vinyl oder MP3? Alte Freunde wieder getroffen? Unter Nervensägen gelitten? Ideen und Dissertationen erfolgreich geklaut? Spaß oder Frust?

Mein Artikel nähert sich der Finalisierung. Dabei habe ich bestimmt wieder ein paar Themen übersehen. Deshalb bitte ich Euch um Hilfe: was haben Internet und Social Media mit EUCH gemacht? Ich bin für jede Antwort, für jeden Kommentar auf diesen Eintrag hier dankbar.
Was hat das Internet mit Dir gemacht? Sag’s mir! Knackig und kurz! In maximal 130 Wörtern! Als Kommentar auf dieses Posting. Danke für Eure Hilfe.

Boulevard of Broken Dreams: weil die Linke in Frankreich Kulturpolitik mit der Rechten macht, macht sich die F.A.Z. zum Sprachrohr der Piraten

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Bild: titanic

„Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“. Dieses Mal guckt Jürg Altwegg spitzbübisch hinter den Lettern der F.A.Z. hervor und schmiedet neue ganz große Koalitionen im aktuellen Kulturkampf um das Internet. Gestern machte er den Schirrmacher (ein bißchen von hier, ein bißchen von da, dreimal rühren, fertig ist die Wahrheitsdroge) und kommentiert das neue französische Gesetz gegen Raubkopierer, genannt „Hadopi – Haute Autorité pour la Diffusion des Œuvres et la Protection des Droits sur Internet“.

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Warum Frank Schirrmacher nicht mehr mitkommt

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Bild: Michael Fischer-Art

Eigentlich sollte man einen, der nicht zwischen köperbindigen Gewebe mit eingestreuten Noppen aus grobem Wollgarn und einem Eintrag in einem neuartigen sozialen Netzwerk unterscheiden kann, nicht besonders ernst nehmen. Wenn er aber Frank Schirrmacher heißt und sich anmaßt, ein Buch über das Informationszeitalter zu schreiben, dann kann man nicht umhin, sich mit ihm auseinander zu setzen. Schließlich wird er einem ja gerade von allen Seiten vorgesetzt, im „Spiegel“, in der „Zeit“, in der alten Tante „FAZ“ (deren Herausgeber er ist) und natürlich auf den Feuilletonseiten der „Süddeutschen“ – dort wenigstens mit der nötigen kritischen Distanz. Immerhin ist dem SZ-Autoren Andrian Kreye der hochnotpeinliche Tippfehler in Schirrmachers anfänglicher Aufzählung der apokalyptischen Reiter des Digitalen aufgefallen („SMS, E-Mails, Feeds, Tweeds…“).

Ansonsten könnten wir alle zur Tagesordnung übergehen und „Payback“, das jüngste Angstmacherbuch Schirrmachers, auf den gleiche Müllhaufen der Geschichte werfen wie sein böswilliger Versuch, im „Methulsalem-Komplott“ die Jungen gegen die Alten aufzubringen, oder sein prekäres Gelabere über soziale Entwurzelung in „Minimum“. Die Bretter, die Schirrmacher bohrt, sind von solch hauchdünner Konsistenz, dass es sich kaum lohnt, die Sägespäne wegzuwischen. Weiterlesen