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Kommt der Frühling doch noch?

Vergangene Woche hatte, wie durch die weltweite Presse ging, Recep Erdogan für die Türkei ein Twitterverbot erlassen und den Miniblog-Dienst einfach „abgeschaltet“. Mit den Wurzeln, so hatte er vorher angekündigt, wolle er das Übel dieser Social Media Plattformen ausreißen. Die türkische Telekommunikationsbehörde ließ umgehend die Seite sperren.
Wie nicht anders zu erwarten, empörte sich die Netzgemeinde weltweit. In die Hunderttausende gingen die Kommentare und Karikaturen. Reporter ohne Grenzen veröffentlichten umgehend eine von der Düsseldorfer Agentur Grey gestaltete Kampagne:

reporter-ohne-grenzen

Besonders bemerkenswert war dabei die Karikatur, die wir am Freitag auf unserer Czsylansky-Seite vorgestellt haben: Der Frühling lässt sich eben nicht auhalten, selbst wenn man das Zwitschern verbietet.
Pikant war auch, dass der türkische Präsident Abdullah Gül sich demonstrativ über dieses Verbot hinweg gesetzt hat und trotz Sperre munter einen Tweet nach dem anderen abgesetzt hat, wie am Tag nach dem Verbot die Agentur Reuters meldete. Er hoffe, so Reuters dass die derzeitige Sperrung nicht lange andauern werde, twitterte Gül an die Adresse Erdogans gerichtet.

Nun nimmt die Thematik eine spannende Wende. Ein türkisches Gericht hat Medienberichten zufolge eine Aufhebung der Sperre des Onlinedienstes Twitter angeordnet. Wie der Fernsehsender NTV am Mittwoch berichtete, wird das Gericht in Ankara die Telekommunikationsbehörde (TIB) anweisen, die Sperre aufzuheben. Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Zugang zu dem Online-Kurzbotschaftendienst in der Nacht zum Freitag sperren lassen und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. melden Focus Online sowie zahlreiche andere Medienseiten in Deutschland. Sie berufen sich dabei auf eine Meldung auf n-tv bzw. die französische Nachrichtenagentur AFP (Agence France-Presse).
Noch ist unklar, welches Gericht das war, ob die türkische Telekommunikationsbehörde (TIB) die angeordnete Aufhebung der Sperre auch umsetzen wird und wie Erdogan darauf reagieren wird.
Gilt das alte Sprichwort, dass wer zuletzt lacht, am besten lacht? Kehrt der digitale Frühling in die Türkei zurück? Wird dort bald wieder gezwischert?

Bild: (C) Reporter ohne Grenzen

Wer den Frühling aufhalten will…

Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen. Dieses legendäre Zitat von Henry Ford ist wie in Stein gemeißelt in den Köpfen all derer, die mit Werbung beruflich zu tun haben. Es ist, das liegt auf der Hand, sinnlos, eine Uhr anzuhalten, um Zeit zu sparen.

Es ist genauso sinnlos, möchte man heute eine andere Analogie ziehen, Twitter, Facebook, Youtube und all die Social Media Plattformen in einem Land, indem es ohenhin gärt, zu verbieten, um damit ein restriktives, politisches System zu stabilisieren. Genau aber das passiert gerade in der Türkei. Vor zwei Wochen hat Czyslansky-Autor Tim Cole noch unter dem Titel Hau den Recep seine Gedanken zum Thema veröffentlicht.
Heute nun ist aus den Nachrichten zu erfahren: Regierungschef Erdogan lässt Twitter sperren, wie es die Süddeutsche Zeitung online titelt. Andere Medien ähnlich. Wer in der Türkei Twitter erreichen möchte, landet auf einer Seite mit einem offiziellen Statement der türkischen Aufsichtsbehörde für Telekommunikation – der Kurznachrichtendienst ist gesperrt. Der türkischen Zeitung Hürriyet zufolge ist der Zugang seit kurz vor Mitternacht blockiert. heißt es in der Meldung.
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Hau den Recep

Ja wo isser denn, der böse Facebooker?

Ja wo isser denn, der böse Facebooker?

Recep Tayyip Erdogan, der türkische Ministerpräsident, hasst das Internet. Vor allem Facebook und YouTube sind ihm ein Dorn im Auge, seitdem dort ständig Mitschnitte seiner peinlichen Telefongespräche auftauchen und sich seine Gegner per Social Web zu Flashmobs gegen seinen zunehmend diktatorischen Regierungsstil formieren.

Er ist da natürlich in bester Gesellschaft. Vladimir Putin ist auch kein großer Fan, die gesamte chinesische Führungselite erst recht nicht, von den Ayatollahs und Militärdiktatoren in stockkonservativen islamischen Ländern von Iran bis Ägypten mal ganz abgesehen.

Erdogan & Co. würden am liebsten das ganze Social Web abschalten, was „Imam Beckenbauer“ (ein Spitzname, den ihn seine Liebe zum Fußballspiel einbrachte) seinen Anhängern neuerdings im Lokalwahlkampf verspricht, weil sie „Spionage und Sittenverfall“ erzeugen. Worüber er nicht spricht ist, wie er das denn bewerkstelligen will. Weiterlesen

Zensürdogan

ErdoganEnde vergangener Woche ging eine Riesenwelle um die Welt. Die türkische Regierung von Ministerpräsident Erdogan zensiert das Internet. Ungeheuerliches entnehmen wir dem Focus online. Aber schon bei der Lektüre beschleicht uns ein leichtes Deja-vus:

Das türkische Parlament hat ein umstrittenes Gesetz gebilligt, das die Kontrolle des Internets drastisch verschärft. Das von der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan dominierte Parlament in Ankara votierte am Mittwochabend für den Gesetzentwurf der Regierung, der es der Telekommunikationsbehörde (TIB) ermöglicht, Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss zu sperren. Das Gesetz wird im In- und Ausland scharf kritisiert.
Die Entscheidung im Parlament fiel nach einer mehrstündigen hitzigen Debatte. Die Opposition warf der Regierung „Zensur“ vor. (…) Neben der Sperrung von Internetseiten ohne Gerichtsbeschluss sieht das Gesetz auch vor, dass die Behörden das Recht erhalten, von Providern die Herausgabe von Nutzerdaten zu verlangen und das Surfverhalten von Internetnutzern aufzuzeichnen und zwei Jahre lang zu speichern.

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