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Ohne Papier keine Kultur

Papier ist überall. Es nimmt unsere Ideen und Gedanken auf, transportiert und konserviert sie. Wir wickeln darin unsere Frühstücksbrötchen ein und trinken aus ihm unseren Morgenkaffee. Es hängt neben der Toilette und in den größten Museen der Welt, von Künstlern wie Pablo Picasso und George Braque zu Kunstwerke von unschätzbarem Wert verarbeitet. Wir wickeln darin unsere Wertsachen ein, legen sie in Umzugskartons und ziehen damit um. Wir falten daraus kleine Flugzeuge und lassen sie mit unseren Träumen davon fliegen. Wir schleifen Unebenheiten mit ihm glatt und isolieren damit Elektroleitungen. Wir bezahlen damit beim Einkaufen oder blättern gedankenverloren darin  herum, wenn wir beim Friseur oder beim Zahnarzt warten müssen. Manchmal ziehen wir es sogar an und laufen darin herum. Papier ist vielseitig und funktionell, flexibel und verfügbar, billig und benutzerfreundlich, anpassbar und allgegenwärtig, natürlich und authentisch, leicht und kräftig, zuverlässig und zeitlos.

„Ohne Papier gäbe es unsere Kultur nicht“, sagte mir neulich Dr. Dorothea Eimert, Leiterin des Deutschen Papiermuseums in Düren, einer Kleinstadt am Nordrand der Eifel, das jahrhundertelang von Papier gelebt hat und immer noch als Zentrum der deutschen Papierindustrie gilt. Hätte Guttenberg einen anderen, ähnlich variablen und robusten Beschreibstoff für den Buchdruck gefunden? Zwar hat der Mensch in seiner Geschichte Zeichen und Buchstaben in Tontafeln und auf Baumrinde geritzt, die alten Ägypter hatten ganze Bibliotheken auf Papyrusrollen, im Mittealter haben Mönche ihre Illuminationen auf Rinderhäute gepinselt. Aber die Entstehung unserer heutigen allgegenwärtigen Bild- und Schriftsprache verdanken wir mit einiger Sicherheit dem namenlosen Erfinder des Papiers.

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