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Absturz ins Sommerloch

Qualitätsjournalismus – und die Folgen…

Meine Journalistenkollegen rümpfen gelegentlich die Nase, wenn von der neuen Macht der Blogger die Rede ist. „Das sind keine Profis“, meinte einer von ihnen neulich. Ein Journalist, so das Argument, hat sein Handwerk gelernt, weiß wie man seine Fakten checkt und seine Quellen überprüft, ist also unterm Strich viel glaubwürdiger als so ein Amateur, der einfach schreibt, wie ihm der Schnabel wächst.

Ich musste an das Gespräch denken, als ich jetzt in der „New York Times“ las, wie es vergangene Woche zu dem dramatischen Absturz an dem Weltbörsen kam, die bekanntlich von der angeblichen Schieflage französischer Banken ausgelöst wurde, namentlich der Societé Générale. Deren Papier büßte binnen weniger Stunden mehr als ein Fünftel seines Börsenwerts ein, was eine Panik unter Anlegern auslöste und dazu führte, dass die Aktien vorübergehend vom Handel suspendiert werden mussten.

Inzwischen ist klar, wer schuld war: Ausgerechnet zwei gestandene Reporter des britischen Boulevardblatts „Daily Mail“ waren einer Zeitungsente aufgesessen. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Sommermonate von Medienschaffenden traditionell als „Sommerloch“ oder „Sauregurkenzeit“ bezeichnet werden. Die Angelsachsen haben dafür einen viel besseren Begriff, nämlich die „silly season“, weil mancher Reporter in seiner Verzweiflung Banales aufbläht, sich von politischen Wichtigtuern Windeier andrehen lässt oder dankbar nach Gerüchten grabscht: Hauptsache die Zeitung wird voll!

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Die IT ist schuld an der Wirtschaftskrise!

goldmansachs

Ist das alles nur geklaut? (Cartoon: Mark Fiore)

Geahnt haben wir es schon lange: Computer sind an allem schuld! Vor allem aber an der jüngsten Wirtschaftskrise: „Die erste Krise des Internet-Zeitalters“, nannte sie kürzlich das Nachrichtenmagazin „Newsweek“. Automatisierte Handelssysteme hätten den Börsenkrach des Herbstes 2008 ausgelöst, weil die Investmentbanker längst die Hoheit über ihre Entscheidungen an die Maschinen abgegeben haben. Wie Goethes Zauberlehrling seien die Menschen nicht mehr in der Lage, die Komplexität des modernen Finanzmarktes zu überblicken.

In das gleiche Horn stieß schon vor Jahren der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, als er sagte: „Unternehmen scheinen gleichartiger zu agieren als früher. Die Anpassung verläuft nicht nur schneller als früher, sondern auch synchroner. Damit wird der Wandel in einen noch kürzeren Zeitrahmen gepresst.“ Auch er sah das Internet als treibende Kraft, da sie allen Managern die gleiche Information zur gleichen Zeit zur Verfügung stelle, so dass unternehmerische Entscheidungen sozusagen ohne die früher übliche Latenz ablaufen. Das sei fatal, weil es der Wirtschaftspolitik den Spielraum für Kurkorrekturen nehme.

Die Verdachtsmomente weisen also schon seit längerem in diese Richtung. Alles, was bislang fehlte, war der Beweis. Den will Charles Duhigg von den „New York Times“ aber jetzt gefunden haben. Weiterlesen