Schlagwort-Archive: BILD

Rein ins Dirndl

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.

Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.

Taugliches Dirndl. Pressefoto von HSE24

Vielleicht mag dem einen oder anderen im Redaktionsteam des stern Joachim Ringelnatz‘ Gedicht durch den Kopf gehen – und vielleicht ist es genau diese Variante des Bumerangs, die Thomas Osterkorn und sein Team sich gewünscht hätten, dass sie ihn geworfen hätten. Mittlerweile aber scheint es, dass die australische Jagdwaffe genau das macht, für was sie konstruiert wurde. Sie kommt zurück. Und dann besteht die Gefahr, dass der Werfer selbst von ihr getroffen wird.
Genau das droht jetzt dem Stern.
Gestern nacht hat Bild Online einen Sternartikel aus dem Archiv gekramt und veröffentlicht. Und nun scheint Sternautorin Laura Himmelreich selbst in die Sexismus-Schusslinie zu geraten, zumindest ist sie zur Zielscheibe der I-Net-Spötter geworden. Denn das, was Bild in bester und bewährter Manier hervorgegraben und süffisant verbreitet hat, läuft seit heute wie ein Lauffeuer durch Twitter.
Und – war es anders zu erwarten – gerade diejenigen, denen die ganze #Aufschrei-Debatte so langsam auf den Nerv gegangen ist, kontern jetzt mit vorhersehbarer Gehässigkeit, Tiefschläge nicht ausgenommen.
Dirndltauglich – so titelte der Stern einen Artikel über Ilse Aigner, als diese ankündigte, sich aus der Bundespolitik zurückzuziehen und ihre Zukunft in der CSU-Landespolitik zu suchen. Man darf es ruhig noch einmal wiederholen: DIRNDLTAUGLICH. Weiterlesen

Kick it & Klick it (Teil 11): Der Neger kennt sich halt nicht aus

10. Dezember 2012 – Manchester – London und zurück

Mario Balotelli verkörpert, was man als Trauma der deutschen Nationalmannschaft bezeichnen darf. Der Stürmer von Manchester City hatte in seiner Eigenschaft als Spieler der italienischen Nationalmannschaft maßgeblichen Anteil an dem desaströsen Ausgang des Halbfinalspiels Deutschland Italien. Denn er schoß beide Tore, die bei dem Spielstand von 1:2 Jogi Löws Jungs das Ticket für die Heimfahrt bescherten. Nicht, dass Balotelli im Alleingang das Ergebnis bewirkt hätte, das inspirationslose Spiel des deutschen Teams trug schon das Ihrige dazu bei. Aber das ist lange her. Seitdem aber sitzt das Trauma tief.
Wieder und wieder bemühte die Presse Bilder des muskelbepackten oberkörperfreien Spielers, der mit geballten Fäusten und grimmigen Blick seinen Erfolg feiert. Ein kahlrasierter Schädel mit einem blond gefärbtem kleinen Irokesenkamm. Und wieder und wieder hieß es: Was für eine Bestie.

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Die gute alte Tagesschau zeigt’s allen

Die Zahlen stimmen!
Mit stolzer Brust verkündet das ARD-Werbung SALES & SERVICES Team, dass auch junge Zuschauer die Tagesschau als wichtigste mediale Informationsquelle schätzen. Wenn es um politische Meinungsbildung geht, bevorzugen selbst die Jüngeren nicht das Internet oder mobile Dienste, sondern die TV-Nachrichten im Ersten!


So steht es zu lesen im aktuellen Newsletter, den der Vermarkter der ARD an alle Kunden verschickt hat. Zu diesem dort präsentierten Ergebnis kommt das Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg. Und weiter heißt es im Newsletter: Nachrichten im Fernsehen sind und bleiben besonders wichtig: 94% der Deutschen nutzen mindestens einmal pro Woche ein Nachrichtenformat im Fernsehen, um sich auf den neusten Stand zu bringen. In der Relevanz steht die Tagesschau hierbei unangefochten an der Spitze: 29,1% der Befragten sehen in der Tagesschau medienübergreifend die wichtigste Informationsquelle zur politischen Meinungsbildung, ZDF heute dagegen liegt mit 5,6% deutlich dahinter.
Auch die Zuschauerzahlen verdeutlichen die absolute Alleinstellung der Tagesschau. Während die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau im Durchschnitt täglich 5,19 Mio. Seher erreicht, werden andere Nachrichtensendungen wie ZDF „heute“ oder „RTL aktuell“ von 3,54 Mio. bzw. 3,81 Mio. Zuschauern gesehen.

Selbstverständlich möchte der Sender mit diesen Angaben den Werbekunden die Spots direkt vor der Tagesschau schmackhaft machen. Und nur mal so am Rande bemerkt: Die so genannte „Best Minute“ kostet laut Senderangaben € 34.800 in der bundeligaspielfreien Zeit. Samstags während der Liga steigt der Preis auf € 42.600. Für viele Werbetreibende sind das keine astronomischen Zahlen. Der Normalbürger und vermutlich ein Teil der Czyslansky-Leser wird sich aber vielleicht etwas unbehaglich fühlen, wenn er weiß, dass ein Unternehmen mit einem einzigen geschalteten Spot in dieser EINEN Minute Werbezeit mehr Geld investiert oder verbläst als ein durchschnittliches Mitarbeiterjahresgehalt. Das nämlich liegt nämlich bei rund € 2.700 pro Monat, also bei rund € 32.400 p.a..  Anhand der Gehaltsvergleichtabelle kann jeder  prüfen, welche Jobs mehr und welche weniger wert sind als eine Sendeminute vor der Tagesschau. Ob der eigene dazu gehört, kann man ja am Gehaltszettel kontrollieren. Und natürlich kann auch jeder mal überlegen, wie viele Sendeminuten sein Eigenheim wert ist, sein Auto, sein Bausparvertrag usw.

Datenquelle: Hans-Bredow-Institut / Studie Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung / Wichtigste Informationsquellen zur Meinungsbildung über politische Themen.

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Zensursula hat ein neues Ziel: die Verhinderung des 365/24-Mitarbeiters

„Jeder 5. Beschäftigte bearbeitet in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen noch berufliche E-Mails“ schreibt die BILD-Zeitung (http://bit.ly/M1SsV0). Nun sollte man an dieser Stelle nicht mit halbgaren Witzen über Beamte kommen, bei denen der Schlaf ja durchaus mitten in die Arbeitszeit fallen könnte. Und auch ein Hinweis auf die journalistische Qualität der BILD-Zeitung hilft hier nicht weiter. Hinter diesem Artikel steht ja ein reales Problem: immer mehr Menschen sind für ihren Arbeitgeber heute auch am Abend oder am Wochenende grundsätzlich per E-Mail oder soziale Medien erreichbar. Die Ansprüche von Arbeitgebern an die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit wachsen. Doch muss man das gesetzlich regeln? Und wenn: wie?

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, auch bekannt als „Zensursula“,  fordert „glasklare Regeln“: „Auch das Arbeitsschutzgesetz verlangt mit seinem knallharten Strafenkatalog von jedem Chef, dass er Körper und Geist seiner Mitarbeiter aktiv schützt – werktags genauso wie am Wochenende. In der Praxis heißt das zum Beispiel: glasklare Regeln, zu welchen Uhrzeiten muss ich erreichbar sein und wann bekomme ich dafür meinen Ruheausgleich. Wann muss ich Mails checken und wann ist es okay, dass ich mich später darum kümmere. Die Technik ist kein Problem für die Gesundheit, wir müssen nur lernen, vernünftig damit umzugehen!“

Und BITKOM-Geschäftsführer Bernhard Rohleder  springt ihr bei: „Mehr und mehr Firmen haben erkannt, dass die Mitarbeiter Unterstützung bei der Balance zwischen Job und Privatleben brauchen. Sie führen Regeln zur Erreichbarkeit in der Freizeit ein.“

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Zeitungs-Skandal: Wer ist der Nächste?

Feuer frei: Zeitungen im Schußfeld

Mordoch stellt sein Massenblatt „News of the World“ ein, meldete soeben die „Tagesschau“ in einer Eilmeldung. Allzu bunt hatten es die Journalisten dort getrieben, Telefone von Promis abgehört und auch sonst wohl bei der Jagd nach der nächsten Schlagzeile übertrieben. Nun wird zurückgeschossen, die drei Millionen Leser müssen jetzt nach einer anderen Boulevardlektüre greifen, wovon es in Großbritannien ja gottlob genügend.

Die Frage, welche Konsquenzen die Schließung der auflagenstärksten englischen Tageszeitung hat, wird sicher noch lange für Debattenstoff sorgen. Viel spannender aber diese: Wen trifft es denn als nächstes? Bei BILD sollen sorgenvolle Mienen bei der Konferenz zu beobachten gewesen sein. Auch bei „Blick“ in Zürich und der „Krone“ in Wien schlichen die Kollegen dem Vernehmen nach verhuscht durch die Gänge. Jeden könnte es treffen: Die „FAZ“, weil sie grob fahrlässig den Stuß von Frank Schirrmacher veröffentlicht, der „Bote vom Welzheimer Wald“ wegen des Dreckfuhlers auf der zweiten Lokalseite.

Wer weiß: Vielleicht erleben wir jetzt endlich die überfällige Renaissance des Qualitätsjournalismus, notgedrungen…

 

BILD jetzt mit mehr Tiefe – Zeitung erscheint am Samstag in 3D

bildbrille

Und ich dachte immer, die BILD wäre auf dem linken Auge blind …

Am Samstag erscheint die BILD-Zeitung großteils dreidimensional: alle Bilder und Anzeigen werden dem Leser mittels mitgelieferter 3D-Brille besonders in Auge fallen. Viele Anzeigenkunden haben extra für diese BILD-starke Ausgabe Sondermotive entworfen. Den Titel hat VW gebucht (wenn schon nicht in der Bundesliga, dann wenigstens in der BILD ganz vorne!), aber auch Media Markt war nicht blöd und ist wie man hört mit Sondermotiven dabei. Sogar die Online-Ausgabe bild.de soll teilweise auf die dritte Dimension setzen. Hoffen wir, dass die Überschriften der Printversion nicht auch in die dritte Dimension driften: bei der Überschriftengröße würden vermutlich die Arme nicht mehr reichen, um das Blatt aufzuschlagen …