Schlagwort-Archive: Bayern

Wir hatten ja nichts – nicht mal Studiengebühren

Gibt es heutzutage eigentlich noch Universalgelehrte wie einst Aristoteles oder Paracelsus? Oder Philosophen, die auf verschiedenen Gebieten Genies sind?

User „allesmurks“ wollte es genau wissen und hat diese Frage am o7. März 2012 ins Netz gestellt. Bekanntlich weiß und behält das Netz  nicht nur alles – es beantwortet auch alles. Und sei die Frage noch so abstrus. Die Plattform gutefrage.net ist ein hervorragendes Beispiel. Von der Lebenskrise über Reisetipps, von Therapiezweifel bis zum artgerechten Wellensittich-Futter: gutefrage.net ist eine feine Anlaufadresse für Menschen, die nicht weiter wissen, oder die zu bequem sind, sich selbst des Verstandes zu bedienen.
Czyslansky war da anders.

Weiterlesen

Das Kreuz mit dem Kreuz… und den 200 Wörtern für Schnee

Es hätte so einfach sein können. Kreuz UND Schnee auf einem Pressefoto der Zugspitzbahnen. Fotograf: Benedikt Lechner

Die Eskimo (oder politisch korrekt Inuit) haben über 200 Wörter für das, was wir simpel Schnee nennen. Das ist natürlich Unfug, ein nicht auszurottender Irrtum, der es dank Literatur, Internet und großer Sympathie und romantisierender Begeisterung moderner und entwurzelter Stadtmenschen für das ursprüngliche Leben Naturvölker zu weitester Verbreitung und Unausrottbarkeit geschafft hat.
Immer wieder zitieren Freizeit-Anthropologen diesen Unfug, wenn sie beweisen damit wollen, wie naturverbunden doch Eskimos leben, und wie entfremdet wir mit den Elementen umgehen.
Weiterlesen

Sauber bleiben!

Jetzt kommt der Hygiene-Pranger titelte die Münchner Boulevard-Zeitung tz am 17.08. in ihrer Online-Ausgabe: Ab 1. September gibt es im Internet einen Hygiene-Pranger. Schon bei Verdacht auf einen „nicht unerheblichen“ Hygiene-Verstoß und einem zu erwartenden Bußgeld von 350 Euro stehen die betroffenen Firmen sechs Monate lang auf der Internetseite des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
Welche Folgen das für Bayern und explizit für die Landeshauptstadt München haben wird, stellt die tz in einem Gespräch mit dem Leiter des Kreisverwaltungsreferats heraus:

Lebensmittelkontrolle. Pressebild der Stadt Ludwigshafen

Wir müssen mit 1000 Veröffentlichungen pro Jahr rechnen wird Wilfried Blume-Beyerle in der tz zitiert. Verbraucherschutz wird jetzt halt groß geschrieben – sogar in Bayern und wenn schon, dann richtig. Mit aller Ernsthaftigkeit und Härte – typisch bayerisch eben.
Das Ganze ist ein Reflex auf die nicht abreißende Kette der Hygiene-Skandale bei lebensmittelproduzierenden oder -verarbeitenden Betriebe. Prominentestes Beispiel war sicher der Skandal um die Verunreinigungen in der Großbäckerei Müller, die bis zu Mäusekot und Schaben in den Backwaren führten. Aber auch die vielen Gammelfleischvorfälle, die der Konsument allzu schnell vergessen hat, sind Grund, dass das LGL jetzt hart durchgreift.  Selbst schuld, möchte man meinen. Ihr Unternehmen habt es eben soweit kommen lassen…

Weiterlesen

Kein Kampf

Zensur findet nicht statt in einer Demokratie, aber das versteht sich ja von selbst. Ist das Material gar zu krass, gibt es immer noch die Altersfreigabe ab 18. Sind Kinder und Jugendliche geschützt, ist man sehr frei in der Verbreitung von abstrusesten Inhalten. Das ist schön und hat etwas mit Freiheit zu tun.

So gesehen ist es nicht überraschend, daß in einer Gesellschaft wie der unseren Bücher erlaubt sind, die erklären, wieso Leute, die die Darwinschen Thesen für überzeugend halten, in der Hölle schmoren müssen, daß Krankheiten Zeichen von sündigem Leben sind und daß es Werwölfe und Vampire wirklich gibt. Nicht einmal der malleus maleficarum, zu deutsch „Hexenhammer“, ist bei uns verboten. In diesem Buch wird haarklein beschrieben, was Hexen so machen und was man selbst tun kann, um ihnen die entsprechenden Geständnisse zu entreissen. Unvergesslich sind mir die Unterscheidungen zwischen incubus und succubus. Das war nichts anderes als die Klassifikation von Hexen durch Differenziation der bei ihrer Initiierung angewandten sexuellen Praktiken. Da das Buch überwiegend auf Latein geschrieben ist, erübrigt sich die Altersfreigabe. Wer das versteht, ist alt genug.

Aber es gibt noch ein Buch, das ist noch viel böser als der Hexenhammer. Nein, ich spreche nicht vom Necronomicon. Weiterlesen

Der Dürer Skandal

Wenn man mit einer Fränkin, genauer noch mit einer Nürnbergerin verheiratet ist, erlebt man hin und wieder überraschende Ausbrüche von Nationalstolz. So schlenderten wir vor ein paar Wochen durch Wien und beschlossen doch auch mal in die Albertina reinzuschauen. Kaum betreten wir das Gebäude, da reisst mich ihr Aufschrei aus den Gedanken:
Der Hase gehört doch uns!“ ruft meine Gattin plötzlich fassungslos und bleibt wie angewurzelt vor dem Plakat des Kunst-Merchandising-Laden stehen. Dann fällt sie sogar – für sie untypisch – in ihren Heimatdialekt. Das klang dann in etwa so: „Was machd denn unser Dürer-Haaas in der Alberdina?“

Der neueste Schock den die Franken und damit auch meine geliebte „Beutebayerin“ verkraften müssen ist, dass das berühmte Selbstbildnis des grossen Nürnbergers, wohl in der Münchner Pinakothek bleiben wird, wenn die Nürnberger dieses Jahr ihren größten Sohn der Stadt mit einer umfassenden Ausstellung ehren wollen. Angeblich ist das Bild zu fragil und kostbar, um quer durch den Freistaat transportiert zu werden. Weiterlesen

Meio.mei

Bayern ist kein souveräner Staat. Wäre er einer, hätte er quasi automatisch eine Topleveldomain. .BY wäre gut gewesen, aber das ist schon besetzt, und zwar von Weißrussland. Nanu? Wieso nicht .wr? Auf Wikipedia finden sich Anhaltspunkte:

Der Name Belarus ist seit dem Mittelalter überliefert und wurde im 19. Jahrhundert allgemein üblich, ist aber mit „Weiße Rus“ ungenau übersetzt. Rus war der ostslawische Name für skandinavisch-slawische Herrschaftsgebiete wie das der Kiewer Rus, zu dem das Land von der Gründung an gehörte. Das Adjektiv „bely“ bedeutete im Mittelalter im geografischen Sinne „westlich“ und/oder „nördlich“, Belarus ist demnach mit „Westliche Rus“ zu übersetzen. Daneben gibt es in Weißrussland auch Ansichten über andere mögliche Bedeutungen. Die Verwendung des Wortes Belarus bietet sich also an, um Unklarheiten zu vermeiden. Jedoch ist im Deutschen die Bezeichnung Weißrussland traditionell verbreitet. Weiterlesen