Schlagwort-Archive: Barack Obama

Leelah Alcorn – Ein Nachtrag

Selten hat ein Beitrag, den ich auf diesem Blog geschrieben habe, so viel Resonanz und direkte „digitale Gespräche“ hervorgerufen wie der Beitrag über den Transgender-Teenager Leelah Alcorn. Mehrfach habe ich den Link zum Beitrag bei Twitter platziert und um Retweets gebeten, es gab – und das war neu für mich – reichlich direkte Reaktionen und Rückfragen, überwiegend per Direktnachricht. Den Beitrag vom 07.04. habe ich tags drauf noch einmal deutlich erweitert und aktualisiert, offenstichtlich war weiterer Informationsbedarf.leelah_alcorn_kym
Erstaunlich daran ist, dass der Selbstmord, der fast vier Monate her ist, in den US-Medien zu breiten medial beachteten Diskussionen über Transgender und „Umerziehung“ führte, aber der Fall hier in Deutschland fast überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wurde, bzw. kaum irgendjemand etwas darüber weiß…  Mitte Januar berichteten nahezu alle größeren deutschen Zeitungsportale darüber als Randnotiz, als nämlich die virale Verbreitung durch die sozialen Netzwerke im vollen Gange war.
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Mein Freund, der Bot

TwitterCounter offer

Der Begriff „Freund“ hat im Zeitalter des Internet eine seltsame Metamorphose durchgemacht. Früher, als die Drei von der Tankstelle noch im Chor den Gassenhauer schmetterten „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das beste was es gibt auf der Welt“, da war das anders: Einem Freund konnte man tief in die Augen schauen, auf den war Verlass, man ging miteinander durch Dick und Dünn und nur der Tod konnte, ähnlich wie eine Ehe, eine solche Freundschaft scheiden. Aber das ist lange her.

Ich habe heute 663 Freunde auf Facebook. Viele davon kenne ich sogar persönlich, aber natürlich längst nicht alle. Und ob einer von denen mit mir durch Dick und Dünn gehen würde, weiß ich nicht – habe aber so meine Zweifel. Aber das ist auch gar nicht so wichtig, denn Freunde haben eine andere Funktion bekommen: Sie sind für mich Publikum und Knoten in meinem persönlichen Beziehungsnetzwerk. Wenn ich etwas poste, dann tue ich das in der Hoffnung, das zumindest einige von ihnen das mitkriegen und im besten Fall sogar darauf mit einem Kommentar oder wenigstens mit einem „Daumen hoch“ reagieren, denn sie zeigen mir damit, dass ich doch nicht ganz alleine bin hier in dem endlosen Weiten des Cyberspace. Insofern sind sie wirklich Freunde, nämlich Beziehungspersonen: Leute, die in meinem Leben eine vielleicht kleine, aber messbare Rolle spielen und auf deren Urteil ich Wert lege.

663 sind nicht viele. Es könnten genauso gut 4.999 sein. Mehr lässt Facebook nicht mehr zu, nachdem der US-Komiker Steve Hofstetter es geschafft hatte, über 200.000 zu sammeln und die Server anfingen heiß zu laufen. Dafür habe ich aber 823 „Follower“ auf Twitter, wo ich allerdings auch ein Waisenknabe bin. Angeblich hat die amerikanische Sängerin Katy Perry („Firework“)  über 52 Millionen, gefolgt von Justin Bieber (51 Mio.) und Barack Obama (42 Mio.) Ich dachte immer, Lady Gaga sei die Nummer eins, aber die liegt ja mit 41 Millionen abgeschlagen auf Platz 5. Weiterlesen

Erst Mitt dann Justin – Obama schlägt sie alle

Wie kalauerte das Morgenteam im BR heute so schön? Mitt ist raus. Der heutige Tag wird umbenannt. Er heißt nur noch „…woch“.

Mitt Romney hat es also nicht geschafft, was mittlerweile keine Neuigkeit mehr ist und für Czyslansky-Leser schon gleich zweimal nicht. Barack Obama ist für weitere vier Jahre Präsident der USA, eine Position, die gern mal in der Presse als „mächtigster Mann der Welt“ bezeichnet wird. Er freut sich analog und digital – und die ganze Welt ist Zeuge.

Aber Obama hat noch einen weiteren Erfolg zu verbuchen. Er hat Justin Bieber geschlagen. Über 556.000 mal (Stand: 07.11.2012 / 11.27 deutsche Zeit) wurde sein Twitterpost „Four more Years“ retweetet. Damit hat er den quäckigen Teenagerstar, der bisher als Twitter-König mit den am meisten weitergeleiteten Tweet, souverän auf Rang Zwei verdrängt. So meldet es unter anderem Stern online.

Über 187.000 mal wurde Obamas Tweet in wenigen Stunden „geliked“ (welch ein deutsch!). Die Liste der Congrutaltions und Glückwünsche als Antwort auf das Post reißt nicht ab. Niemand weiß, ob Barack Obama sich um Favstar-Sterne kümmert, aber selbige müssten auf ihn nur so einprasseln wie Feuerwerk, Konfetti und Jubelstürme. Ein Top-Tweet der alle Twitter-Prominenz & -elite, Edelfedern und werblichen Twitterer vor Neid erblassen lassen müsste.

Jetzt hat Obama seine wahre Macht bewiesen und den 18jährigen Kanadier Bieber abserviert. Yes – he can!

Wenn er jetzt noch anfangen könnte zu singen?

Peta – Nur lustig, lustig, tralalala? Mitnichten, die meinen das ernst…

Steffen Groth gegen Fleischesser. Foto: Melissa Töller für Peta

Schon immer hat PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) durch spektakuläre Kampagnen auf sich aufmerksam gemacht. Regelmäßig gelingt es den militanten Tierschützern, prominente Models, Sänger, Sportler und Schauspieler in ihre öffentlichkeitswirksamen Aktionen einzubinden.
Dabei ist Peta in der Wahl der Bildsprache und Werbebotschaften nicht gerade zimperlich – im Gegenteil. Während die meisten Tier- und Umweltschutzaktivisten wie z.B. der WWF in erster Linie auf die Bedrohung der Tierwelt hinweisen, die Tiere für sich sprechen und um Sympathie werben lassen, geht Peta den umgekehrten Weg. Sie polarisieren und polemisieren, indem sie immer wieder die gleiche Botschaft kommunizieren: Es gibt eine Gruppe Menschen, die Tiere töten, Tiere quälen, Tiere ausbeuten. Diese Menschen sind durch und durch schlecht – dazu gehören Pelzträger ebenso wie Zirkusbesucher, sofern in den Zirkussen Tierdressuren gezeigt werden.
Letztlich zählt – und damit stößt sich Peta auch an der Massentierhaltung – jeder dazu, der nicht vegetarisch lebt. All diese Menschen – so der Subkontext – sind moralisch fragwürdig, wenn nicht sogar ganz und gar verkommen.
Schon allein diese Art der Kampagnen, die unverhohlen Aggressivität schürt und sich zu Nutze macht, ist fragwürdig, fußt sie doch komplett auf das gegenseitige Ausspielen von Menschen verschiedener Ansichten, auf die moralische Überlegenheit des Einen über den Anderen. Das zielt unter die Gürtellinie, und das ist vollkommen beabsichtigt.
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