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70 Jahre nach Auschwitz – Ohne Worte…

Vor 70 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau von den Truppen der Roten Armee befreit. Dazu hat Czyslansky-Autor Michael Kausch gestern einige wichtige, nachdenklich stimmende Anmerkungen gemacht, die weitgehend aus seinem Besuch in der KZ-Gedenkstätte und den damit verbundenen Erfahrungen resultierten.

Heute nun findet auf dem Gelände des Lagers die Gedenkfeier statt, viel Wirbel hat es gegeben, ob Putin nun kommen solle oder nicht… noch mehr Wirbel, dass er nicht gekommen ist.

Der Festakt wird weltweit übertragen, zwar nicht überall im Fernsehen, aber man kann ihn auch in einem Live-Stream im Netz verfolgen. Als internationale Presseagentur liefert Reuters die Bilder auf Spiegel Online.

spiegel-auschwitz

Dazu hat die KZ-Gedenkstätte  den Stream auch auf YouTube platziert. Auch dort kann man ihn, wenn man will anschauen… es sei denn, man lebt in Deutschland:

YouTube-Auschwitz

Das muss man nicht weiter kommentieren. Es fehlen ohnehin die passenden Worte dazu…

Vor 70 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit


Morgen jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee zum 70igsten Mal. Im Vorfeld dieses Gedenktags gab es ein unwürdiges Gefeilsche um die Teilnahme des russischen Präsidenten Putin. Darf einer, dessen Soldaten sich in der Ukraine „verlaufen“, sich morgen in den Reigen der Gedenkenden einfügen?

Was für eine Frage: Kein Land hat mehr Opfer für die Befreiung vom Faschismus erbracht als Russland. Wer, wenn nicht der Präsident dieses Landes hat ein Recht zu solchem Gedenken? Auch wenn es Soldaten des Massenmörders Stalin waren, die Auschwitz befreit haben, so waren sie für die wenigen Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager doch die Befreier. Und nur darum geht es morgen. Über die Ukraine kann – und muss – am 28. Januar wieder gestritten werden. Aber nicht morgen, nicht am Jahrestag der Befreiung der Überlebenden von Auschwitz und Birkenau.

Morgen geht es einzig darum zu erinnern – sich und andere.

Auschwitz – die Kommerzialisierung des Grauens

Ich habe Auschwitz im Sommer 2013 besucht. Und das Erinnern ward mir schwer vor Ort. Auschwitz, das ist heute eine Touristenattraktion, das ist ein unwürdiges Geschachere, Das ist hemmungsloser Kommerz. Es beginnt mit den Parkplatzanweisern, die sich um die besten Plätze streiten, an denen Besucher auf ihre kostenpflichtigen Stellflächen gelotst werden können. Und das endet – man mag es kaum glauben – mit Erfrischungsgetränken, die in einem Imbissstand in einer der Baracken feilgeboten werden.

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Kick it & Klick it (Teil 9): Game over, was bleibt ist ein fahler Geschmack

01. Juli 2012 – überall in Deutschland
Die EM 2012 ist vorbei, zurück bleibt ein fahler Beigeschmack. Gewonnen hat mit großer Souveränität die spanische 11.  Die hiesigen Händler dürfen nun die letzten Deutschland-Fanrtikel, wenn sie sie nicht schon nach dem Halbfinale aus den Regalen geräumt haben, einlagern. 2014 zur WM in Brasilien können sie sie ja wieder hervorkramen. Zeit wird’s auch, die letzten Autos abzuschminken, die Fahnen und Rückspiegelüberzieher und ähnlichen Firlefanz von den Fahrzeugen zu nehmen, wenn dies nicht ohnehin von irgendwelchen Spinnern schon längst bewerkstelligt wurde. In einigen Städten nämlich waren Fahnen und andere schwarz-rot-golden gefärbte Verzierungen abgebrochen oder geklaut worden. Stattdessen fanden die Fahrer einen Zettel: Lieber Autofahrer, liebe Autofahrerin. Ich habe Ihre Deutschland-Fahne entfernt. Egal aus welcher Motivation Sie diese Fahne angebracht haben, sie produziert in jedem Fall Nationalismus. Diese Fahne steht nicht für Fußball oder irgendein Team, sondern für Deutsche Identität.

Und damit sind wir mitten im Thema: Selten hat die Politisierung des Sports so viele teils bizarre teils ärgerliche Reaktionen hervorgerufen, wie in diesem Jahr. Was für ein Unfug zum Beispiel  ist es, Deutschlandfahnen am Auto anderer als Zeichen eines übersteigerten Nationalismus des Halters zu werten. Wer sich an das Sommermärchen 2006 erinnern mag, der weiß: Es gab kaum etwas, was nicht in schwarz-rot-gold getaucht war – und alle fanden’s gut.  Genauso bescheuert ist die Leserbriefdebatte in meiner Zeitung. Man erzürnt sich darüber, dass ein Teil der deutschen Mannschaft die Nationalhymne minicht tgesungen hat.  Besonders spitzfindige Beobachter mochten namentlich festmachen, dass gerade die Spieler mit Migrationshintergrund sich des Singens verweigerten: Podolski, Ösil, Kedhira, während die urbayerischen Pflanzerl Lahm, Badstuber, Müller, Schweinsteiger aus kräftigster Kehle schmetterten.  Was uns das sagen will, weiß ich nicht.  Vielleicht auch besser so – es reicht, wenn die Gazetten-Leserbriefschreiber lauthals fordern, man solle sich gefälligst an den Italienern mal ein Beispiel nehmen: Augen zu, Hand auf’s Herz und lauthals gesungen.

Dem einem sind die Fans zu nationalistisch (was sie de facto nicht sind), den anderen ist die Mannschaft zu wenig patriotisch. Und das sind mitnichten die einzigen Entgleisungen, die zu verzeichnen wären: Da wäre zum Beispiel das Thema Zamperoni.  Was soll die wütende Erregung gegenüber dem deutsch-italienischen Tagesthemensprecher Ingo Zamperoni,  der in der Halbzeit im Halbfinalespiel Deutschland – Italien während der Abmoderation lächelte, Dante zitierte, der besseren Mannschaft den Sieg wünschte und dem Ganzen eine persönliche Note gab.  Er sprach von seiner eigenen innerlichen Zerrissenheit. Die bodenlose Kommentare zu den Meldungen in den einschlägigen Nachrichtenplattformen sind absurd, strotzen vor Nationalismus und Borniertheit, dass man sich nur schämen kann. Tenor: Ein Moderator, der in einer öffentlich-rechtlichen deutschen Nachrichtensendung süffisant für Italien lächelt, und von unseren Gebühren bezahlt wird. Der verhöhnt den deutschen Fernseh- und Fußballzuschauer. Also uns – ja die ganze Nation. Der Mann gehört ausgewechselt.  Vor 70 Jahren wäre er wohl gleich ins… lassen wir das.

Das Beispiel zeigt die Unterkante dessen, was Fußballdeutschland auch ausmacht:  Ein schlechter Verlierer zu sein. Überhaupt scheinen viele Landsleute hier nicht einsehen zu wollen, dass Philipp Lahm und Co sang- und klanglos (hätten sie mal alle lieber die Hymne mitgesungen) gegen die Squadra azzura untergegangen ist. Beleidigte Fans quittierten das – übrigens auch öffentlich-rechtliche Radiosender  – mit Boykottaufrufen gegenüber Pizzerien und italienischen Eiscafés und schlagen vor, statt Cappuchino nur noch Filterkaffee zu trinken –  was natürlich ebenfalls kolossal peinlicher Unfug ist. Man kann fast sicher sein, dass es die Gleichen sind, die noch wenige Tage zuvor mit gleichem Hohn und gleicher Übrheblichkeit die Holländer nach Hause geschickt haben: Solange man auf der Siegerseite ist, ist’s noch witzig…

Und sonst?

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