Schlagwort-Archive: Aufschrei

Sex ist geiler als Schneeschaufeln

Sonntage neigen dazu, Menschen gemütlich werden zu lassen. Andere werden offensichtlich keck. Und wenn eine Reihe an Feiertagen einem Wochenende vorgelagert ist, scheint die Mischung aus Langeweile, Übermut und vielleicht frustrierter Einsamkeit sonderliche Blüten zu treiben. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso der nachfolgende per Screenshot dokumentierte aber mittlerweile gelöschte Dialog auf Twitter entstanden ist.
Angefangen hat alles mit der Twitter-Mitteilung, eine M… folge mir jetzt. Als neugieriger und offener Mensch folge ich zunächst zurück, zumindest dann, wenn der neue Follower nicht sofort als Bot erweist oder als jemand, der mir Gartenzwerge, politische Gesinnungen oder veganer Küchentipps andrehen will.
Also M…
Ich folge und erhalte kurz darauf eine etwas eigenartige Mitteilung, das Ganze sonntags morgens gegen 10.00 Uhr:
md-1

Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich trefflich streiten, aber ich bin nicht auf Streit aus, also antworte ich möglichst knapp ohne unhöflich zu wirken. Schließlich sollte man dankbar sein, wenn man belehrt wird; auch als arroganther Soziopath, unter dem ich derzeit auf Twitter unterwegs bin…

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#Ichkaufdasnicht vs. #ischmöschtedasnischt

Produktboykotte haben ja gute Tradition in diesem unserem Lande. Sie erinnern sich sicher an ein sehr prominentes Beispiel: 1975 wurde von der Anti-Aphartheid-Bewegung eine erste Boykottkampagne lanciert. Die Kampagne forderte zum Boykott von Obst und Gemüse aus Südafrika auf. Damit sollte das Apartheids-Regime in die Knie gezwungen werden. Und Sie erinnern sich sicher, dass es eine Zeit in Deutschland gab, in der es hieß: Kauft nichts bei Juden. Das ist das wohl bekannteste und zugleich übelste Beispiel.
Mal ist der Boykott  gut, mal verwerflich – es ist immer eine Sache der Perspektive. Das Mittel an sich aber ist häufig probat, um Regierungen, Bevölkerungsgruppen oder Wirtschaftsunternehmen massiv unter Druck zu setzen. Je nachdem, von wem dieser Boykott ausgerufen wurde, gegen wen und mit wie viel Unterstützung der konsumierenden Bevölkerung zu rechnen war, funktionierte es perfekt… oder gar nicht.
Eines ist dieser Aktion immer gemein: Die Boykotteure fühlen sich moralisch integer und gerechtfertigt. Sie glauben,die besseren, die nachhaltigeren Menschen zu sein, weil sie meinen, so etwas Gutes, Sinnvolles zu tun oder zumindest einen Teil dazu beizutragen. Erst die Geschichte beweist, ob das am Ende auch stimmt – ob die Guten also immer auch die Guten sind. Wen wundert es also, wenn solche Boykotte mittlerweile zum Alltag gehören, man schon gar nicht mehr weiß, was man als anständiger und verantwortungs-bewusster Mensch eigentlich noch kaufen darf und was nicht. Web 2.0 ist längst ein Teil dieses Systems. Die Twitterwelt (und nicht nur die) ist längst in dieses lustige Spiel integriert: Man twittert, dass man hier nicht mehr einkauft und dort nicht mehr; auf dieses Produkt oder jenes verzichtet. Weil…
Weil Tiere gequält, Minderheiten diskriminiert, Menschen ausgebeutet, die Umwelt geschädigt, nicht ordentlich genderisiert wird usw. usw.
Wenn Ihnen die letztgenannte Begründung ein gewisses Gähnen und eine Erinnerung an den #Aufschrei auf Twitter wachruft, dann liegen Sie richtig mit Ihrer Vermutung. Es gibt mal wieder Neues aus der absurden Welt der Political Correctness, die immer dann die besten Stilblüten treibt, wenn es um Genderisierung. Davon war hier schon mehrfach die Rede.

Ein amüsanter Hort für Stilblüten ist das Twitter-Hashtag #ichkaufedasnicht und die dazugehörige Plattform @kaufdasnicht der Online-Aktivistin Anne Wizorek; eben der, die sich mit #Aufschrei 15 Minuten Medienruhm erstritten hat.
Auf dieser Plattform und mit diesem Tag kann nun jeder Bürger und sein genderisiertes Pendant via Twitter loswerden, was er immer schon immer anprangern wollte. #ichkaufdasnicht ist perfekt zum nörgeln und mosern, zum agitieren, propagieren und – wie sonst auch – sich wieder fürchterlich zu empören. Und sich gleichzeitig als der bessere, der nachhaltigere, der korrektere Bürger präsentieren. Hier kann –  nein: Als erhabener Gutmensch MUSS – man Produkte vorstellen, an denen es was auch immer auszusetzen gibt oder deren Kampagne missverständlich, diskriminierend oder sonstwie angreifbar sind. Das betrifft, klickt man in die vielen Beispiele, vor allem den Vorwurf der Diskriminierung von Frauen und Mädchen. Aber nicht nur.
Jüngstes Beispiel ist Bionade.
Warum?

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Früher gab’s wenigstens Atombusen

Atombusen?
Sie erinnern sich?

Dann gehören Sie vielleicht auch zu einer Generation Leute (meist männlichen Geschlechts) die enorme weibliche Oberweiten als „Atombusen“ bezeichneten. Früher war das. Ja, ich weiß, in einer Zeit, in der wir nichts hatten.
Doch hatten wir. In der Grundschule.
Eine Lehrerin namens Frau Nimms (oder so ähnlich, ich weiß es nicht mehr).

Diese omipräsente, ominente wie üppige und imposante Person, bei der uns Schuljungen nie auch nur eine Unterrichtsstunde gegönnt war, zeichnete vor allem eines aus: Eine mehr als mütterliche Brust.
Wir – und nicht nur wir Jungs – sprachen respektvoll tuschelnd vom „Atombusen“. Das Wort hatten wir aufgeschnappt, vermutlich aus einem Schmuddelheftchen, wie sie beim Friseur im Zeitungskorb lagen.
Das geschah natürlich weder in Gegenwart des Lehrkörpers noch am elterlichen Mittagstisch. Dort rutschte das Wort höchstens einmal heraus, bevor der tadelnd strenge elterliche Blick uns klar machte: Diese Ausdruck war verpönt. Aber irgendwie schön….

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Rein ins Dirndl

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.

Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf Bumerang.

Taugliches Dirndl. Pressefoto von HSE24

Vielleicht mag dem einen oder anderen im Redaktionsteam des stern Joachim Ringelnatz‘ Gedicht durch den Kopf gehen – und vielleicht ist es genau diese Variante des Bumerangs, die Thomas Osterkorn und sein Team sich gewünscht hätten, dass sie ihn geworfen hätten. Mittlerweile aber scheint es, dass die australische Jagdwaffe genau das macht, für was sie konstruiert wurde. Sie kommt zurück. Und dann besteht die Gefahr, dass der Werfer selbst von ihr getroffen wird.
Genau das droht jetzt dem Stern.
Gestern nacht hat Bild Online einen Sternartikel aus dem Archiv gekramt und veröffentlicht. Und nun scheint Sternautorin Laura Himmelreich selbst in die Sexismus-Schusslinie zu geraten, zumindest ist sie zur Zielscheibe der I-Net-Spötter geworden. Denn das, was Bild in bester und bewährter Manier hervorgegraben und süffisant verbreitet hat, läuft seit heute wie ein Lauffeuer durch Twitter.
Und – war es anders zu erwarten – gerade diejenigen, denen die ganze #Aufschrei-Debatte so langsam auf den Nerv gegangen ist, kontern jetzt mit vorhersehbarer Gehässigkeit, Tiefschläge nicht ausgenommen.
Dirndltauglich – so titelte der Stern einen Artikel über Ilse Aigner, als diese ankündigte, sich aus der Bundespolitik zurückzuziehen und ihre Zukunft in der CSU-Landespolitik zu suchen. Man darf es ruhig noch einmal wiederholen: DIRNDLTAUGLICH. Weiterlesen

Ein #Aufschrei, der zerfasert…

Ein erster #Aufschrei am Morgen?

Knapp eine Woche ist es her, dass der Stern mit seinem Artikel über Rainer Brüderle eine Debatte über Sexismus in Deutschland ausgelöst hat, wie es sie lange nicht gegeben hat. Während der altliberale Politiker mit dem Charme des Trollinger genießenden Gemütsmenschen beharrlich schweigt, scharen sich seine Parteifreunde von Rösler bis Niebling schützend um ihn und sprechen von einer Hetzkampagne gegen die FDP, wie es sie beispiellos sei.

Dabei geht es, wie Alice Schwarzer am Sonntag abend bei Günther Jauch in dessen Talk-Show so treffend bemerkte, schon lange nicht mehr um Brüderle und seine Anzüglichkeiten auf Herrenwitz-Niveau. Der Diskurs ist vorangeschritten, auch wenn es, wie die Schwarzer es bildreich formulierte, eigentlich seit über 40 Jahren um die gleiche Kacke geht, die noch immer dampft. Unrecht hat  Schwarzer, die man ganz ohne sexistischen Hintergrund als Rampensau des Feminismus bezeichnen könnte (aber nicht darf, aus Gründen!) damit nicht.
Neu aber für Schwarzer ist, dass sie nicht mehr die alleinige Schwertträgerin feministischer Belange ist. Als junge, ebenso engagierte Gefährtin ist Anne Wizorek auf den Plan getreten, laut Medienberichten eine freie Projekt-Managerin und Online-Expertin. Darunter kann man sich nun viel vorstellen, aber darum geht es hier nicht. Weiterlesen