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S.M.T.H. – und der transzendentale Schauer

Meine Mutter war eine Frau, die sich nachhaltig über etwas aufregen und ärgern konnte: Wenn man sie nicht ernst nahm. Noch Jahre später erzählte sie immer wieder eine Geschichte über einen Vorfall, der sie zur Weißglut gebracht hat.
Das muss in den 60ern im letzten Jahrhundert des vorangegangenen Jahrtausends gewesen sein. Sie war auf einer Feier ihrer Schwester eingeladen, bei der es vor jungakademischen Schnöseln und Wichtigtuern nur so wimmelte. Meine Tante – also die Schwester meiner Mutter – hatte sich gerade einem aufstrebendem Germanistik-Doktoranten an der Universität Bonn an den Hals geworfen. Und selbiger verkehrte natürlich nur in den akademo-snobistischen Elite-Kreisen, in denen man zu Mettigel, Sauern mit Persico und Käse-/Weintraubenspießchen allerlei Pseudogehaltvolles von sich gab, je intellektueller, je besser. Einer dieser Partygäste übte sich in Konversation mit meiner durchaus gebildeten, aber unakademisch bodenstämmigen Mutter und erzählte ihr von einer Maschine, die ihn begeisterte. Das sei ein Kästchen mit einem Knopf. Drückt man darauf, öffnet sich das Kästchen, eine Hand greift aus dem Kasten, drückt den Knopf erneut, worauf sich der Kasten wieder schließt. Das ist heutzutage nichts Besonderes mehr und ist bei Youtube zu sehen. Damals aber eben berauschte es diesen rollkragentragenden Existenzialisten. Und  so kommentierte der Schnösel,  ihm laufe regelrecht ein transzendentaler Schauer angesichts des Absurden den Rücken herunter. Eine Maschine, die nur die Funktion hat, das, was sie eben getan hat, wieder rückgängig zu machen. Das sei Absurdität im höchsten Camus’schen Sinne, ob sie – also meine Mutter – das nicht auch so sehe. Anders könne man das sinnhaft-sinnlose nicht begreifen.
Meine Mutter kam sich angesichts dieser Auslassungen etwas verlassen vor. Er habe sie, so regte sie sich noch viele Jahre später auf, da stehen lassen, wie eine dumme ungebildete Gans. Denn natürlich wusste sie nicht, was ein transzendentaler Schauer ist. Wenn Sie das auch nicht wissen, dann haben Sie jetzt zwei Möglichkeiten. Weiterlesen

Let’s talk about the weather…

Frosch grün: Wetter gut. Relaxen!

„Let’s talk about the weather“ heißt es so schön im Englischen, wenn diplomatische Untiefen drohen, Tabuthemen nicht angeschnitten werden und auch sonst jeglicher Inhalt verpönt ist.
Wir kommen auch oft und gern auf das Wetter zu sprechen. Es ist so schön unverfänglich, man kann einfach nichts falsch machen. Oder etwa doch?
Allein die Frage, ob am Wochenende das Wetter zum Grillen, Motorradfahren, Stadion- oder Biergartenbesuch geeignet ist, kann in geselliger Runde in der Kneipe dramatische Situationen erzeugen.

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Karaoke fürs Kinderzimmer

Unsere Nachbarn haben einen kleinen Sohn, und wenn sie mal ausgehen wollen, bitten sie uns manchmal, ob sie uns das Babyfon rüberstellen dürfen. Der Grieche am Eck, zu dem sie gerne gehen, ist leider knapp außer Reichweite des Geräts, also rufen wir sie an, wenn der junge Stupor mundi wieder schreit, und sie müssen die alles stehen und liegen lassen und nach Hause stürmen, weil wir sonst wahnsinnig werden ob es blechernen Krächzens aus dem winzigen Billiglautsprecher des klobigen Geräts.

Das muss aber alles nicht mehr sein, denn jetzt gibt es das Babyfon fürs Handy! Darauf machte mich dankenswerterweise der Branchenverband BITKOM per Pressemeldung aufmerksam. Möglich machen das so genannte „Apps“ – winzige Applikationen, die es beispielsweise für Apples iPhone sowie für Mobiltelefone mit dem zunehmend beliebteren Android-Betriebssystem von Google gibt.  Sie heißen  „Babysitter Phone“, „BabyPhone Deluxe“ oder „Dial My Nanny“ (funktioniert wahrscheinlich nur bei Paaren, die  sich ein Kindermädchen leisten können) und bieten alle die gleichen Grundfunktionen:  Man legt das Mobiltelefon mit eingeschaltetem App ins Kinderzimmer und geht zum Griechen, Italiener, Franzosen oder in die kleine Kneipe am Eck.

Fängt das Blag an zu schreien, löst das einen Anruf an eine vorher festgelegte Telefonnummer aus. Voraussetzung ist also, dass beide Elternteile über ein Handy verfügen, aber das dürfte heute eher selbstverständlich sein. Wahlweise kann man auch die Festnetznummer der Groß- oder Schwiegermutter hinterlegen, die freut sich sicher, mal wieder von dem kleinen Wonneproppen zu hören, selbst mitten in der Nacht. Weiterlesen