SurFarce: Das Chaos um die Auslieferung der Microsoft Surface Tablets treibt mich noch zum Schuhmacher

Ich bin Club-Fan – und Club-Fans können leiden.

Ich bin Windows-Fan – und Windows-Fans …

Aber das Chaos um die Auslieferung der ersten Microsoft Surface-Geräte reizt auch meinen Geduldsfaden auf maximale Spannung. Jeder Provinz-Schuhhändler ist inzwischen in der Lage einen Online-Shop aufzuziehen, aber bei Microsoft kostet man jedes Fettnäpfchen aus, das irgendwo zu finden ist.

Aber gut, ich wollte ja nüchtern und sachlich erzählen, was sich bis jetzt zugetragen hat:

Seit Wochen habe ich mich zum Narren gemacht und überall herumgebloggt und getwittert und gegoogleplust, dass Microsoft mit dem Surface endlich wieder einmal ein wirklich heißes Eisen – nein: VaporMagnesiumteilchen – im Feuer hat. Dass man sich daran wirklich die Finger verbrennen kann, wollte ich mal wieder nicht wahrhaben.

Am 17. Oktober habe ich also ein Surface über den Online-Shop bestellt, natürlich gleich die ganze Packung: mehr als 800 Euro für Surface mit 64 GB und Touch Cover plus Type Cover. Zwei gesunde Hände wollen auch zwei Tastaturen. Logisch.

Zwischenruf: Es handelt sich bei dem Microsoft Store übrigens um einen wirklich global agierenden Online-Shop, der seine deutsche Kunden hilfsbereit unter „Standort der Ladengeschäfte“ …

… direkt auf die Läden in den U.S.A. inklusive freundlicher Warnung vor Sandy verweist:

Die Bestellbestätigung kam postwendend per E-Mail: „vielen Dank für Ihre Bestellung im Microsoft vom 17. Oktober 2012. … Sie können Ihre Bestellung in Ihrem Konto prüfen. Melden Sie sich mit den Anmeldedaten Ihres Microsoft-Kontos an.“ Ich habe also „im Microsoft“ bestellt. Ah ja! Mein Schumacher schreibt auch manchmal so seltsame Dinge. Aber er macht wunderbare Schuhe, wenn er bei seinen Leisten bleibt. Und liefert pünktlich. Handgearbeitete Schuhe kosten übrigens ziemlich genau so viel wie ein Surface.

Die Lieferung seitens Microsoft war bis zum 26. Oktober zugesagt. Am 26. geschah dann aber gar nix. Eine offizielle Information von Microsoft kam ebenso wenig, wie das bestellte und zugesagte Surface. Nur im Netz hörte man, dass es offenbar allgemein Probleme gab und die Auslieferung sich verzögere. Eine Recherche auf meinem Shop-Profil ergab Seltsames: „Es wurden keine Käufe gefunden“:

Meine Bestellung wurde zwar erst nach dem 27. September getätigt, aber es macht eh stutzig, wenn jemand seine Shop-Software unmittelbar vor einem so großen Rollout nochmal „überarbeitet“.

Wo aber ist nun meine Bestellung?

Heute hört man im Netz, dass Microsoft einige Bestellungen versehentlich storniert hat. Den betroffenen Kunden wurde angeblich eine E-Mail zugeschickt mit der Bitte, das Surface doch einfach noch einmal zu ordern. Nun muss man allerdings mit einigen Wochen Lieferfrist rechnen. Als Bonbon soll es einen Einkaufsgutschein über 50 € für den Microsoft Shop geben (als Quelle siehe z.B. hier). Nun habe ich weder eine E-Mail zur Stornierung erhalten, noch ein Surface. Noch habe ich eine Bestätigung über den Status meiner Bestellung, noch irgendeinen Hinweis meines Lieferanten auf Lieferverzögerungen. Keine Ahnung, wo meine Bestellung ist. Storniert? Verzögert? Vielleicht sollte ich mal bei Apple nachfragen?

Nochmal: für einen Weltkonzern wie Microsoft ist ein solches Verfahren mehr als peinlich. Es geht ja nicht einfach um einen Lieferengpass. Es geht um die Unfähigkeit ein E-Commerce-System zu bedienen. Und es geht um eine völlig inakzeptable Kommunikationsunkultur. Ich weiß, dass Ihr gute Hardware bauen (lassen) könnt: ich erinnere nicht nur Mäuse in geschätzten fünfzehn Generationen, sondern auch so tolle Dinge wie eine Mach-20-Karte ;-). Aber beim Vertrieb scheint Ihr noch immer nicht im Internet-Zeitalter angekommen.

 

Ihr macht es einem wirklich nicht einfach an Microsoft zu glauben. Vielleicht storniere ich die Bestellung und kaufe mir für das Geld ein paar neue Winterschuhe. Der Meister braucht dafür vier Wochen. Und dann liefert er pünktlich. Schuhe statt Surface. Und nein, ich bin kein Mädchen. Nur Microsoft-Kunde.

Nachwort: Eigentlich muss einen das alles nicht überraschen bei einem Betriebssystem, bei dem man über lange Jahre auf „Start“ klicken musste, um es herunterzufahren. Es hat sich wenig geändert. Man klickt auf „Kaufen“ wenn man stornieren will.

12 Gedanken zu „SurFarce: Das Chaos um die Auslieferung der Microsoft Surface Tablets treibt mich noch zum Schuhmacher“

  1. Ganz neu: 30 Min. nach diesem Blogpost zum Surface-Chaos schickt mir Microsoft eine Versandbestätigung. Jetzt wird über Fedex statt UPS ausgeliefert. Dabei hieß es immer, die Geräte lägen bei UPS im Regal. Prozessoptimierung by Social Media? Oder doch wieder Zufall? Vor einigen Tagen noch hab ich Microsoft höchste Professionalität in der Kommunikation im Vorfeld des Surface Launch attestiert. „Controlled Leak“ und so. Inzwischen lass ich nur noch das „Leak“ stehen.

  2. Klingt nach künstlicher Verknappung: Was tun, wenn es genug Nachfrage gibt, aber nicht genug Geräte? Early Adopter werden es sich nicht nehmen lassen und die Bestellung ein weiteres Mal vornehmen, und allen anderen bleibt das Gerät vorbehalten, bis es im Freundeskreis auftaucht und man sich erneut damit beschäftigt; und weil es in den USA oder China reißenden Absatz findet.

  3. Mein Google Nexus kam dagegen sogar einen Tag früher als erwartet. Die haben halt erfunden, wie man im Internet Geld verdient.

  4. Mein Surface kam auch als französisches Bundle mit 64 statt der bestellten 32GB Speicher. Mit 64GB kann ich leben, aber „franz“ geht gar nicht.
    Mein Umtauschversuch führt dazu, dass ich bald alle Mitarbeiter im Microsoft-Callcenter kenne 🙁

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