Mehr Vernetzung ist gefragt

flickrnetz1Wir haben einen Denkstau. Nicht fehlende Technik hält uns auf, sondern unsere Art zu denken. Obwohl alle Experten eine engere Vernetzung von Unternehmen untereinander fordern, damit sie zielgenauer auf die Wünsche ihrer Partner und Kunden eingehen können, effizienter entwickeln und ihre Waren und Dienstleistungen mit weniger Aufwand distribuieren können, vernetzen sich viele Firmen gar nicht oder nur sehr punktuell. Dabei könnten vor allem Mittelständler so viel mehr erreichen, wenn sie mit anderen zusammenarbeiten würden. Allein sind sie nicht groß genug, um zum Beispiel genügend Einkaufsmacht zu entwickeln. Gemeinsam kämen sie dagegen schnell auf das Einkaufsvolumen eines Großunternehmens und könnten ausreichenden Preisdruck auf ihre Lieferanten ausüben. Wenn dieses Defizit an Kooperation beklagt wird, geißeln die gescholtenen Unternehmen sehr häufig Software, Netzwerke oder Schnittstellen, die eine engere Zusammenarbeit erschweren. Das stimmt. Es kann eine Sisiyphos-Arbeit sein, eine Warenwirtschaft mit einer anderen zu verbinden und aus den Tiefen ihrer Datenbanken gemeinsame Bestellmengen eines bestimmten Halbfertigproduktes und einen verträglichen Wunschpreis zu generieren. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Mindestens genau so stark fällt ins Gewicht, dass viele Mittelständler (und Großunternehmen) sich von einer intensiveren Vernetzung nicht viel versprechen.
Sie glauben einfach nicht, dass ihnen andere Unternehmen etwas bieten könnten, das sie nicht schon haben oder sogar noch besser machen können. Jeder Fortschritt geht vom eigenen Unternehmen aus. Und wenn doch jemand anderer etwas besser macht, dann gilt es, diesen Vorsprung aufzuholen, den Konkurrenten zu überholen, anstatt seinen Wissensvorsprung durch Kooperation und intensive Vernetzung zum gemeinsamen Vorteil zu nutzen.
Doch in einer Welt, die zumindest technisch umfassend vernetzt ist, in der Datenströme unermesslichen Ausmaßes um den Globus kreisen, in der praktisch alles mit jedem zusammenhängt, hat sich die Hoffnung überlebt, aus einem individuellen Vorsprung Kapital zu schlagen. Unternehmen müssen diesen Zusammenhängen endlich Rechnung tragen. Wenn der Gedanke stimmt, dass vier Augen mehr sehen als zwei, mehr kluge Köpfe bessere Ideen ausbrüten als einer, warum machen sich das Unternehmen nicht stärker zunutze? Warum vernetzen sie sich nicht enger mit Partnern, Lieferanten und vor allem mit ihren Kunden? Die Technik ist nicht das entscheidende Hindernis, die Hürden bauen die Unternehmen vor allem im Kopf auf. Vernetztes Denken ist leider noch Mangelware.
Foto: Flickr Creative Commons
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