Kick it & Klick it (Teil 8): Abpfiff auf dem Mittelmeer

08. Juni 2012 – Auf dem Mittelmeer

Das war sie also, die Hinrunde unserer Serie Kick it & Klick it – Fussball im digitalen Zeitalter. Jetzt hat König Fussball wieder das Szepter in die Hand genommen. Der reale Fussball regiert, die EM hat begonnen.
Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen, jetzt wird sich zeigen, welche Fans früh genug mit dem Sammeln der Panini-Bilder begonnen haben und ihr Album komplettieren konnten, und welche nicht.
Zweifelsohne gehören wir  zu der letzteren Kategorie, selbst zwei Wochen im Mutterland des Klebebildchen-Herstellers war unergiebig. Überraschenderweise gab es fast nirgendwo Sticker-Tütchen zu kaufen (da war die WM 2010 und unser Besuch auf Korsika weitaus ergiebiger). Und wenn es doch welche gab, dann war die Ausbeute gering – es ist eine Mär zu glauben, dass in bestimmten Ländern die Dichte der bestimmter Panini-Sticker höher ist als in anderen. Noch nie hatten wir so viele Doppelte aus den Tüten geholt wie über 1.000 Kilometer entfernt von daheim…

Und das Eröffnungsspiel?

Fand für mich nicht statt. Eingesperrt in Tonnen von Stahl über, neben und unter uns; im Rumpf LKW, ganze Karawanen von Wohnmobilen und PKW auf der Fähre irgendwo zwischen Olbia und Livorno. Der Großteil der Urlauber auf der Heimreise langweilt sich bei böigen Winden und kühlem Wetter in den Lounges und dem Bordrestaurant. Der eine oder andere legt sich einfach auf den Boden und ringt der Überfahrt ein paar Minuten Schlaf ab. Denn die Heimfahrt über den Brenner ist weit und geht die ganze Nacht durch…

Fernab vom Fussball - und das am EM-Eröffnungstag...

Von Fussball weit und breit nichts zu sehen. Das einzig erreichbare Handy-Netz heißt MCP, dem traut wohl niemand über den Weg bzw. fürchtet horrende Tarife, wenn er an Bord telefoniert, SMS absetzt oder gar ins Netz geht. Vom digitalen Leben keine Spur, vom analogen erst mal auch nicht. Dann endlich die erlösende Nachricht. Das Spiel hat längst begonnen, als irgendwo auf einem Gang ein in die Wand eingelassener Fernseher eingeschaltet wird. Das Bild ist grausam grieslig, der Kommentar natürlich italienisch. Das verstehen die meisten deutschen Urlauber nicht, aber das interessiert auch nicht. Man könnte sich ja das Geschehen selbst zusammenreimen, wenn das Bild nicht so schlecht wäre.

Und wenn sich nicht vor dem Bildschirm eine kleine Traube bilden würde, so dass man kaum etwas zu sehen bekommt. Einige Väter und Söhne drücken sich vor der siebzehnten Runde „Uno“ mit der Restfamilie, denn in der Lounge wird fast überall gekartelt und bemerkenswerterweise spielen fast alle Familien das selbe. „Mal eben kurz auf’s Klo oder an die frsiche Luft“ lauten die Ausreden, um sich über den aktuellen Spielstand zu informieren. 1:1 wird die Begegnung Polen gegen Griechenland ausgehen, aber irgendwie interessiert das nur wenige wirklich, vom zweiten Abendspiel mal ganz zu schweigen. Das Deutschlandspiel ist ja erst am Folgetag. Und dann sind alle wieder daheim – zumindest die, die klug genug waren, die Rückreise bereits am Freitag anzutreten. Den anderen wünscht man natürlich, dass sie auch bis zum Anpfiff daheim sein werden und nicht irgendwo am Irschenberg im Stau hängen bleiben und die Partie nur im Radio verfolgen könnnen… Schließlich ist man ja nicht gehässig, oder?

Wir wünschen allen Lesern, die sich dafür begeistern können,  ein paar spannende Fussballstunden und verabschieden uns aus dieser Serie. Wir pfeifen jetzt erst mal ab. Denn wie heißt es doch so schön? Wenn der Kuchen redet, dann haben die Krümel zu schweigen…

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Die Reihe wird zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt.
Was bisher geschah:

Teil 1: König Fussball im digitalen Zeitalter
Teil 2: Drin oder nicht drin? Das ist hier die Frage
Teil 3: Der Eine und der Andere. Anmerkungen vor dem Pokalfinale
Teil 4: Mit Hummer und Avocado gegen England – sehr analog und sehr teuer.
Teil 5: Der Wald von Birnham vor den Toren
Teil 6: Ein Neuer und schon wieder Ärger
Teil 7: Gut gescherzt, Freunde

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