Ich surfe, also bin ich

Vom Golfspiel sagen eingefleischte Anhänger, es sei keine Sache von Leben und Tod – es sei in Wahrheit viel, viel wichtiger… Vielleicht gilt das auch fürs Internet. Jedenfalls kann ich mir kein Leben mehr ohne Internet vorstellen. Die Welt hinter dem Bildschirm hat inzwischen für alle Lebensbereiche Relevanz, und sogar über das Leben hinaus.

Deshalb ist die Frage relevant: Wie nimmt das Internet Einfluss auf unsere intimsten Augenblicke? Nein, ich meine nicht Sex, oder jedenfalls nicht nur. Ich meine den Moment, an dem ein Kind geboren wird oder ein Mensch stirbt. Welche Rolle spielt das globalste aller Medien bei derart persönlichen und deshalb zwangsläufig recht lokalen Ereignissen? Wie teilt sich jemand mit in einer Situation, die geradezu nach Mitteilung und Selbstausdruck schreit?

Früher hat der glückliche Vater, den die Nachricht von der erfolgreichen Niederkunft seiner Frau erreichte, dicke Zigarren an die Freunde und Kollegen verteilt. Heute schickt er oft Minuten nach der Geburt die ersten Fotos eines winzigen, etwas verschrumpelten Lebewesens, das mit zusammengekniffenen Augen abschätzig seine neue Lebensumgebung mustert, als E-Mail-Anhang an sämtliche Outlook-Kontakte oder stellt das verschwommene Live-Video vom Geburtsvorgang gleich bei YouTube ein. Trauergäste twittern bei der Beerdigung. „O tempore, o mores!“, rufen da die Internet-Skeptiker, „geil!“ die Hardcore-Onliner.

Beide liegen falsch. In Wirklichkeit handelt es sich um einen ganz normalen Vorgang. Der Mensch ist ein Kommunikationswesen, der Drang, sich mit anderen auszutauschen, liegt ihm im Blut. Der Neuowissenschaftler Prof. Thomas Fuchs behauptet in „brand eins“, dass wir Menschen nur im sozialen Kontext denken können. Er beschreibt das Gehirn als ein „Beziehungsorgan“ und vergleichet das Denken mit dem Atmen: So wie die Atmung die Luft, so braucht seiner Meinung nach das Denken die soziale und kommunikative Umgebung. Denken erfordert immer Selbstreflexion, und die dazu nötigen Reflexionsschleifen holen wir nicht aus uns selbst, sondern aus der Interaktion mit anderen. So gesehen kann man sagen, dass uns das Internet hilft zu denken. Sie ist damit ein Teil des wohl menschlichsten aller menschlichen Vorgänge, wie es schon der alte Descarte mit seinem „cogito, ergo sum!“ beschrieb: Ich denke, also bin ich.

Im Internet gibt es alles, was es sonst im Leben auch gibt: Schönes und Schlimmes, Gutes und Böses, nette Menschen und Stinkstiefel, ehrliche Menschen und Betrüger. Und die Probleme, mit denen man sich im Internet beschäftigt, sind häufig die gleichen wie im richtigen Alltag auch. Es geht zunehmend um Alltagsprobleme, um Liebe und Leid, um Krankheit und Tod, um Zärtlichkeit und Zuneigung, um Leben und Tod. Sie alle haben eine Dimension, die bis ins Internet reicht, und das Internet hat die Art und Weise verändert, wie wir sie erleben. Und dennoch sind es immer noch die alten, urmenschlichen Gefühle, die uns bewegen, dies und jenseits des Bildschirms.

Ein Gedanke zu „Ich surfe, also bin ich“

  1. ich gebe dir uneingeschränkt recht, auch im analogen Leben schlägt man sich hauptsächlich damit herum, dass vollbusige osteuropäische Damen, gerne harten Sex mit einem hätten, oder mit afrikanischen Anwälten, die freundlicherweise die Erbschaft eines Unbekannten mit einem teilen wollen. Auch gute Tipps, wie man seinen Penis verlängern könnte sind bei mir Alltag.

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