Ich möchte nicht über Autobahnen schreiben…

… aber ich muss.
Dabei könnte ich es mir so einfach machen und sagen: Ich habe schon mehrfach über Autobahen geschrieben. Ist zwar ’ne Weile her, aber vielleicht gilt das ja trotzdem. Damals habe ich mich in meinem Blog ausgelassen über mein Vergnügen, bei Verkehrshinweisen die Staukilometer aufzuaddieren, dass es mirt scheißegal ist, wie das Kind heißt, das im Wagen vor mir durch die Gegend kutschiert wird, und dass ich besser Beethoven dirigieren kann als Bernstein.
Das zählt aber nicht, denn ich muss ein paar Zeilen absondern, in denen die Wörter „Männerrechte“, „Systempresse“, „Rassismus gegen Weiße“, „Gutmensch“, „Meinungsfreiheit“ und „Zensur“ auftauchen.
Und warum?


Weil ich bei Twitter bin.
Und weil Alex‘ und mein Gemeinschaftsrtikel über die EU-Entschließung zur Pornographie mich dort in ein paar Diskussionen verstrickt hat. Denn selbstverständlich empfehle ich meine Czyslansky-Artikel meinen Twitter-Followern und hin und wieder greift sogar der eine oder andere das auf und retweet diese Empfehlung. So auch in diesem Fall. Dann aber wurde mir mitgeteilt, das Wort „Gutmensch“ sei ein Reizwort, und ein paar Leser (oder Leserinnen, man weiß es nicht) seien ausgestiegen und hätten umgehend aufgehört, den Artikel zu weiterzulesen.
Das nehme ich natürlich zur Kenntnis, warum schließlich checkt man sonst bei Twitter seine Interaktionen? Nun hat Julia Seeliger, die mich dankenswerterweise retweetet hatte, Partei für den Artikel ergriffen. Er sei gut. Das wiederum provozierte den Twitterer darmflora und „Gutmensch“-Wort–Verächter zu der Äußerung, Autobahnen seien auch gut.
So weit erst mal richtig.
Tja – es kam meine unvermeidliche Rückfrage, ob ich jetzt etwas über Autobahnen schreiben solle. Aber ja, hieß es und umgehend hagelte es Wörter (s.o.), die unbedingt in diesen Beitrag aufgenommen werden müssten.

Wohl an. Jetzt habe ich den Salat, bin an meiner Ehre gekratzt und muss mich der Herausforderung stellen.

Also schreibe ich über Autobahnen, liebe Gutmenschen (1. Wort abgearbeitet). Sie wissen ja: Diese deutscheste aller deutschen Erfindungen geht – trotz der nicht ausrottbaren Behauptung – nicht auf Adolf Hitler zurück. Autobahnen gab es vor dem Gröfaz, auch wenn die nationalsozialistische Systempresse (2. Wort abgearbeitet) nicht müde wurde, Hitler (hier könnten wir nach Goodwins Gesetz eigentlich aufhören) dieses architektonische und verkehrsplanerische Meisterwerk zuzuschreiben.
Dabei sind Autobahnen gar keine Meisterwerke sondern lediglich verstopfte Straßenzüge, die mir jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit den letzten Nerv rauben. Hinzu kommt die permanente Bel(u/ä)stigung durch selbsternannte Spaßmoderatoren im Radio, die nur schwer zu ertragen ist. Hier wäre etwas mehr Zensur (3. Wort abgearbeitet) angemessen. Diese Gute-Laune-Kasper am frühen Morgen sind schließlich für ausgemachte Grantler, wie ich um diese Uhrzeit einer bin, Terror pur.
Ich will das nicht. Ich will nur fahren. Von A nach B, möglichst entspannt und zügig, manchmal auch schnell. Freie Fahrt für freie Bürger gehört schließlich zu den verbrieften Männerrechten (4. Wort abgearbeitet) in unserem Land. Denn nur Männer sind wahre Autobahnnutzer. Achtung! Ironie an: Ok, man könnte die Rechte heute, am Weltfrauentag (Sonderpunkt!) auch den weiblichen Autofahrerinnen – mann und auch frau beachte bitte die ans Absurde grenzende Tautologie – einräumen. Aber seien wir mal ehrlich. Brauchen Frauen freie Fahrt? Schnell fahren sie sowieso nicht und in den Städten haben sie ihre Frauenparkplätze, gern von lästernden Zeitgenossen auch Hühnerhof genannt. Überhaupt sind Männer ja nur neidisch auf Frauenparkplätze, denn sie ständen auch so gern direkt vor’m Loch. Dieser Altherrenwitz ist bitte gedeckt durch die Meinungsfreiheit  (5. Wort abgearbeitet). Das langt doch, oder? Sollen sie die nutzen, dann ist es auch nicht so voll auf den Straßen… (Und jetzt bitte eine Akonto-Überweisung in die Chauvi-Kasse, schon wieder ein Extrapunkt). Ironie aus.

Bleibt die Frage nach dem Rassismus gegen Weiße. Was hat das mit Autobahnen zu tun? Ich weiß es nicht. Ich fahre schließlich kein weißes sondern ein dunkel-metallicgrünes Auto. Und das macht rooaarrrr…

Ich gebe zu, das ist nicht der beste aller Czyslansky-Artikel. Aber ich hoffe, damit den Anforderungen dieser, meiner speziellen Twitterfollower Genüge geleistet zu haben.

Sage noch einer, Twitter sei Unfug, und Czyslansky auf One-Way-Communicatiuon ausgerichtet.

Und jetzt geht’s auf die Autobahn.

 

3 Gedanken zu „Ich möchte nicht über Autobahnen schreiben…“

  1. Genau! Nicht erst heute entnahm ich Wikipedia

    Die Bezeichnung „Autobahn“ wurde erstmals von Robert Otzen im Jahr 1929 geprägt. Otzen war Vorsitzender des Autobahnprojekts HaFraBa (Autobahnprojekt Hansestädte –Frankfurt am Main–Basel). Bis dahin sprach man von „Nur-Autostraße“. Die erste Autobahn der Welt war die AVUS im Berliner Grunewald, die am 24. September 1921 eröffnet wurde. […] Die erste Autobahn in diesem Sinne in Deutschland, die zwei Städte verband, wurde am 6. August 1932 zwischen Köln und Bonn vom Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer eröffnet; die kreuzungsfreie Strecke war 20 Kilometer lang („kreuzungsfreie Kraftfahr-Straße“). Heute trägt sie die Bezeichnung A 555.

    Aber kann auch sein, dass Wikipedia lügt. Man sollte sich nicht auf sie verlassen, so wie diese Journalisten ….

  2. Meine Güte, die antifaschistischen Genossen in der DDR haben jahrelang mit einer Währung gezahlt, die nach einer von Hitler dem Deutschen Reich einverleibten südöstlichen Grenzregion benannt war. Nein, nicht mit Österreich, mit Ostmark!

  3. Verdammt, jetzt ist mein Lieblings NS-Zeit-Verharmlosungs-Argument perdu! Jetzt kann ich den lästigen „Gutmenschen“ nur noch entgegensetzen, dass der Führer zu seinem Hund sehr nett war …

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