Ich habe getwichtelt – Ein Erfahrungsbericht (Teil: 3)

„Ja…“
„Ja. Ich auch!“
„Ja klar“
„Ja. Ich auch!“
„Hab ich“

Ein paar Tage lang tauchen in meiner Timeline bei Twitter merkwürdige Meldungen auf. Die, die beim Twichteln mirgemacht haben, haben der Organisatorin erst bestätigt, dass sie ihr Päckchen abgeschickt haben, dann haben sie sich gemeldet, dass sie ebenfalls ihr Päckchen bekommen haben.

„Ja, hab ich…“, twittere ich, denn ich habe auch mitgemacht. Nach meinem Entschluss, beim Twitter-Wichteln teilzunehmen habe ich Mitte Dezember mein Päckchen fertig gemacht und zur Post gegeben. Seitdem habe ich auch darauf gewartet, dass der DHL-Bote oder Briefträger mir ein Päckchen von einem unbekannten Absender liefert. Das kam dann auch. Sie hat nicht nur ihre Adresse vermerkt sondern auch ihren Twitter-Nickname. Daran habe ich irgendwie gar nicht gedacht, als ich mein Geschenk abgeschickt hae Der Empfänger weiß möglichweise noch immer nicht, dass ich es war, der ihn beglückt hat.

Andere hatten weniger Glück. Noch am Heiligabend twitterten sie, nichts bekommen zu haben. Die Organisatorin von @Twichteln_GER versprach, nachzuhaken, aber letztlich kann man wohl als Veranstalter eines solchen Spiels nur auf die Fairness aller Teilnehmer hoffen, nämlich, dass sie alle etwas abschicken und alle auch rechtzeitig.
Am Heiligabend also mache ich das Päckchen, das aus Wesel gekommen ist, auf. Ich bin sehr gespannt, was mir eine Frau, die den Nachnamen eines vormals sehr berühmten Fußballtrainers hat, schenken wird. Der erste Blick zeigt, sie macht ihrem fussballbelasteten Namen alle Ehre. Und sie hat sich tatsächlich auch mein Profil angesehen und weiß, dass in mir ein schwarz-gelbes Herz schlägt:

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Im Päckchen befindet sich ein Buch über Fußballweisheiten, auf das ich mich freue, es zu lesen. Das wird, wenn ich aus diesem Quell geschöpft habe, meinen Kollegen sicherlich etwas zu schaffen machen. Beim Fachsimpeln kann ich demnächst viel Angelesenes als eigenes Wissen präsentieren und reichlich klugscheißern. Das geht dann ungefähr so:

„Na, ja…“, werde ich bei einer passenden Gelgenheit einen Bayern-Fan anpöbeln. „Der Neuer hält sich auch für unsagbar witzig. Warum hätte er sonst auf die Frage, was bei der Dopingprobe herausgekommen sei, mit ,Urin‘ geantwortet“. Damit wäre das Zitat auf Seite 88 schon mal erfolgreich unter die Menschen verteilt. Wenn das also nichts Praktisches ist, dann weiß ich es auch nicht.
Auf alle Fälle wird das Buch im Regal irgendwo zwischen Frank Goosens Weil Samstag ist und Stefan Mayers Es steht 0:0 – Oder umgekehrt einsortiert; griffbereit, um immer wieder darin zu schmökern.
Und dann gibt’s da noch eine Spielersammelfigur: Einen kleinen Jürgen Klopp. Den werde ich ganz besonders in Ehren halten. Immerhin muss die positive Energie auf das große Vorbild abastrahlen: Denn der echte Kloppo hat gerade eine schwere Aufgabe vor sich. Hoffen wir, dass die Figur noch lange aktuell bleibt. Nur den Packstoff, ein überdimensionales Poster der Mannschaft aus Herne-West werde ich nicht aufhängen, aber das ist der Twichtel-Schenkerin sicherlich klar. Sonst hätte sie wohl kaum einen Smilie draufgemalt…

Fazit: Twichteln hat enormen Spaß gemacht. Viel mehr als das Verlegenheitswichteln auf irgendwelchen Firmen- oder Vereinsweihnachtsfeiern, wo man nur aus einer Verlegenheit heraus irgendwem irgendetwas schenkt. Hier schenken echte Menschen anderen echten Menschen etwas Nettes, mit Bedacht gewählt und einfach nur, weil sie Spaß daran haben. Von wegen: Die anonymen sozialen Medien hätten nichts Menschliches an oder in sich. Es fällt gar nicht so schwer, das zu finden, auch hinter anonymen Nicknames und Avataren.

Ich bin beim nächsten Mal wieder dabei. Noch nie habe ich Ostern gewichtelt. Dank Twitter wird es 2015 das erste Mal sein. Ich freu mich drauf…

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