Erst abmahnen, dann nachdenken …

Wo kann ein Mann noch ein Mann sein, wo ist der Westen noch wild? Wo sind die letzten Reservate für echte Cowboys? Die letzten echten Kerle, die erst schiessen und dann fragen, wo sind sie geblieben? Sind wir alle nur noch weichgespülte Konsens-Memmen?

CowboysNein, es gibt noch ein paar dieser echten Outlaws, die sich einen Dreck um unsere „Lass-uns-erst-mal-drüber-reden-Kultur“ scheren. Natürlich tragen sie keine in der untergehenden Sonne funkelnden Colts mehr im tief hängenden Gürtelholster. Auch Cowboyhut, Stiefel und Sporen gehören nicht mehr zu den Accessoires der letzten Glücksritter unserer Gesellschaft. Aber ich will es nicht künstlich spannend machen: Die letzten echten Westernhelden sind die Internet-Abmahn-Anwälte.

Die Firma KOMSA beschäftigte gerade noch ein paar dieser Kerle und sie haben die Kugeln pfeifen lassen. Carsten Windfelder von 100Partnerprogramme zum Beispiel und weitere Webseitenbetreiber haben Abmahnungen wegen des unlauteren und schädlichen Nutzens des KOMSA Logos bekommen. Mitarbeitern des Unternehmens fiel auf, dass unglaublich viele Seiten im Netz, einfach das KOMSA-Logo benutzen.

Wie heisst es so schön? Diese Stadt ist zu klein für uns, Fremder!
Die Colts wurden gezückt, Abmahnungen verschickt!

Zugegeben in diesem Fall ist schon etwas peinlich für die Rechtsabteilung von KOMSA, dass die vermeintlichen Logo-Missbräuche auf den firmeneigenen Pop-Up-Blocker zurückzuführen waren, der statt unerwünschter Werbung, das eigene Logo einblendete, aber was solls, lieber einmal zu schnell geschossen, als einmal zu spät, oder?

Für mich bleiben sie die letzten Helden unserer Zivilisationsgesellschaft, mögen die anderen auch alle über sie lachen.
YEEEEHAAAH, zieh Cowboy!

10 Gedanken zu „Erst abmahnen, dann nachdenken …“

  1. Nur ein totzer Anwalt ist ein guter Anwalt, mag sich mancher beim Lesen dieser Zeilen sagen. Ich muss aber zugeben, dass ich die Pointe zuerst nicht kapiert habe. Die Mitarbeiter der Firma sehen ihr eigenes Logo auf jeder zweiten Website, aber nur, wenn sie auf einem Firmenrechner sufren, weil der Adblocker so eingestellt ist? Aber ich frage mich: Wie konnte die Firmananwältin dann ein Screenshot machen? Es sei denn, sie hat auch so ’nen Blocker installiert. Oder sie sitzt in der Firma. Vielleicht sie hat sich von einem Firmenmitarbeiter ein Screenshot schicken lassen und dann nicht selber nachgeprüft, ob es bei ihr auch so ist. Das wäre aber schon wieder ein Fall für die Anwaltskammer, standesschädliche Schlamperei, und so.

    Apropos Anwaltsstand: Was sind 1000 Anwälte auf dem Grund des Meeres?

    Antwort: ein guter Anfang…

  2. Super-Geschichte, wo gräbst Du das nur immer aus 🙂

    Irgendwie erinnert mich das an die gute alte myth.com: Für http://www.myth.com war als Adresse 127.0.0.1 eingetragen. *Damals* hatten noch viele Leute einen Webserver auf ihren eigenen Rechnern laufen und wir erhielten im Kundensupport viele Fragen der Art „woher weiss myth.com von meinen internsten Daten??? Die hab ich noch nicht mal auf unseren offiziellen Webserver geschoben“. Schade, dass diese Intelligenzbestien von diesem Anwaltsbüro nicht damals schon unterwegs waren *gg*

  3. Die Anwaelte der Nationalen Olympischen Kommittees besuchen anscheinend die gleiche Schule.

    In Vancouver wurde letzte Woche die Pizzeria „Olympia“ abgemahnt, und gestern der Hersteller eines Waermegels: seinen Firmennamen ziert eine Flamme, und das sieht doch ganz verdaechtig nach olympischer Flamme aus!

    Dass beide Unternehmen seit Jahren bestehen, und auch ihre Namen und Logos hatten als noch niemand wusste wo die 2010 Winterolympiade stattfinden wuerde, interessiert da nicht.

    Und, die Unterlassungsverfuegung enthaelt erstmal die Aufforderung $5,000 abzudruecken, damit ein moeglicher Einspruch in ausreichendem Detail bearbeitet werden koennte.

    Irgendwo ne geile Masche. Ich glaub mein Opa hiess Czyslansky und er wuerde wahrscheinlich nicht wollen dass Ihr seinen Namen benutzt. Ich bin mir da aber nicht sicher, deswegen schickt mir erstmal 5000 Euro damit ich das fuer Euch zweifelsfrei klaeren kann.

    Und, um das nochmal zu wiederholen, das ist keine Massen e-mail aus Nigeria, sondern das Canadian Olympic Committee.

  4. Dieser Abmahn-Terror wird erst dann enden, wenn die Gesetze dahingehend geändert werden. Auch in diesen Fällen sollte zunächst die Unschuldsvermutung gelten und erst wenn nachgewiesen ist, dass jemand ein Logo missbraucht, sollte Schadenersatz möglich sein.

    Auf Moral und Ethik darf man bei Unternehmen und Anwälten nicht hoffen (haben wir zuletzt bei Jack Wolfskin wieder bemerkt) , wir brauchen ein neues Gesetz.

  5. @tom
    ich werde deinen kommentar mal an die frankfurter stadtjuristen weitergeben. ich kann mir nicht vorstellen, dass die dir das durchgehen lassen, dass du dich nach dem international touristisch zweitberühmtesten begriff dieser stadt benennst, nach dem frankfurter römer. sonst folgt auf den „tom römer“ irgendwann noch der „tim würstchen“.

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