ein brief von marcello: auf den spuren der ella czyslansky

ella

ella czyslansky, ca. 1878

kaum aus sardischen gefilden zurückgekehrt, erreichte mich gestern ein brief meines neuen freundes marcello umbria – siehe „czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine“ – mit einem weiteren sensationellen fund. il capitano ludovico czyslansky, von dem an anderer stelle hier schon berichtet wurde, hinterlies offenbar in triest eine tochter: ella czyslansky. diese ella eröffnete im jahr 1875 in der via della pescheria ein etablissement, welches seine erotischen dienstleistungen nur notdürftig hinter der bürgerlichen fassade eines fischlokals verbarg. sie führte das haus nach informationen meines freundes marcello bis zu ihrem tod im jahr 1932.

im sommer 1905 freundete sie sich mit einem ihrer gäste an. dabei handelte es sich um keinen geringeren, als den irischen schriftsteller james joyce, der in jenem sommer erstmals nach triest umgesiedelt war und dem kleinen unternehmen unserer ella zeit seines lebens die treue hielt, wie auch sie ihm in guten wie in schlechten zeiten die stange hielt. sie fütterte joyce in seinen eher kargen triestiner tagen durch, verstand sie sich doch aufs beste in guter alter österreichischer tradition vor allem auf kräftig-schwere süsspeisen. geradezu berühmt war sie für ihre schokoladengerichte.

trotz ihrer zahlreichen literarischen bekanntschaften galt ella auf grund ihres zweifelhaften berufslebens unter den czyslanskys stets als schwarzes schaf. unser czyslansky erfuhr als kind nur hinter vorgehaltener hand von der existenz einer italienischen „nutten-ella“, wie sie despektierlich von seinem vater genannt wurde – ein spitzname, den sie wohl schon von der triestiner „besseren gesellschaft“ verliehen bekommen hatte.

es blieb von ihr nicht viel übrig nach ihrem tod – vom rezept eines nuss-nougat-brotaufstrichs abgesehen, der – freilich in arger verballhornung – ihren spitznamen noch heute in aller welt bekannt hält.

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