Die Mondlandung war echt – aber vielleicht ist ja die Fußball-EM ein Fake?

Die Holländer kamen mir ja gleich so seltsam unecht vor. Aber nun, da bewiesen ist, dass die UEFA die Fernsehbilder von der EM fälscht, ist alles möglich …

Was ist geschehen?

Während des EM-Spiels der Oranjes gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde in der Fernsehübertragung eine hübsche Szene eingeblendet, die die Lockerheit des deutschen Trainers während des Spiels demonstrieren sollte:

Das Problem an dieser hübschen Szene: sie wurde in die Live-Reportage eingeblendet. Aufgezeichnet wurde sie bereits eine viertel Stunde vor Anpfiff. Das ist Bildmanipulation, das ist Betrug, und das ist ernst zu nehmen.

Die Bilder kamen nicht vom ZDF, sondern von der UEFA. Alle Bilder während des Spiels müssen von den übertragenden Anstalten von Partnern der UEFA übernommen werden. Wo kämen wir schließlich hin, wenn jeder senden dürfte, was er will. Demokratie und Offenheit haben mit Spitzensport wenig zu tun. Es sollen schließlich die Werbebanner ins rechte Licht gerückt werden, nicht für die ukrainische Opposition demonstrierende grüne Bundestagsabgeordnete. Die Bilder von Rebecca Harms und Werner Schulz, die während des Spiels mit einem Plakat gegen Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine protestierten, durften nicht gesendet werden.

Und was sagt der DFB dazu? “Harald Stenger, Pressesprecher der Nationalmannschaft, will die Vorfälle im ukrainischen Charkow auf Nachfrage nicht kommentieren.” (Stern) Maul halten und durch ist einmal mehr die Devise. Ich erwarte von den ukrainischen Offiziellen eigentlich nicht gerade mustergültiges Verhalten in Sachen Offenheit, Presserecht und fairen professionellen Journalismus. Aber dass der DFB die Sache nicht zum Anlass nimmt, sich kritisch mit Medienmanipulationen durch die EM-Macher auseinanderzusetzen, empört mich.

 

6 Gedanken zu „Die Mondlandung war echt – aber vielleicht ist ja die Fußball-EM ein Fake?“

  1. Immerhin hat der Kommentator auf die beiden Bannerschwenkenden Aktivisten hingewiesen und Hörfunk war schon immer das bessere Fernsehen. Vielleicht wollte ich die armselige Vorstellung, die die beiden Protestler wohl abgegeben haben mögen, auch gar nicht sehen. Die beiden Menschrechtsaktivisten Königin Beatrix und unsere Kanzlerin waren „extra“ nicht da! – vermutlich haben sie sich heimlich gefreut, einen Grund gefunden zu haben, sich kein ödes Gekicke anschauen zu müssen.

    Banner in zensierte Kameras halten und nicht hingehen ist schon das drastischste, was wir können, sauber.
    Mir fällt noch was tolles ein. Ich kaufe nichts mehr von Firmen, die Bannerwerbung bei der EM gemacht haben, ICH Revoluzzer!!!!

  2. Sorry, Michael, aber das ist eine künstliche Erregung …

    1. Seien wir doch mal ehrlich Die Aktion der Menschenrechtsaktivisten fand in der VIP-(!!!) -Zone statt. Das allein ist schon fragwürdig. Mediale Aufmerksamkeit geht anders – und gehört auch in andere Umfelder (z.B. die Nachrichtenformate).
    Aber wer von den über 20 Mio Zuschauern hätte das sehen/wissen wollen? Es hat sowieso nahezu jeder mit einigermaßen Bildung mitbekommen, was in der Ukraine von Menschenrechten gehalten wird. Das ist seit Monaten in den Medien. Da braucht’s keine EU-Abgeordnete, die auf (mutmaßlich) Steuergelder dahin fliegen, um Zettelchen hochzuhalten.
    Und gehört es überhaupt dahin? Letztlich instrumentalisiert hier die Politik genauso das Sportereignis wie Frau Merkel, wenn sie auf der Tribüne steht, die Boykottaufrufe diverser Abgeordneter…
    Sorry – ich finde das mittlerweile lästig und leider auch etwas moralinangesäuert…

    2. Es ist nichts Neues, das vorproduzierte kleine „Atmo-Bildchen“ in den Regiewagen bereit liegen, die in Minimaldosen dann eingespielt werden, wenn die Bildregie auf den Stadionkameras nichts Sehenswertes entdekct oder einfach mal „Nettes und Menschliches“ zeigen will. Das ist allemal besser, als randaliernde, bengalische Fackeln abbrennende Fanblocks zu zeigen.
    Es ist aber unehrlich, das als Live zu verkaufen. Da gebe ich Dir recht. Aber auch daran müssten wir Mediennutzer uns längst gewöhnt haben: Denn soetwas ist bei vielen Medien mittlerweile Standard. So spielen Radiosender Telefon-AB-Meldungen von Radarfallen in den Verkehrshinweis ein und tun so, als sei der Anrufer live ins Studio geschaltet. Gern vergessen auch Sender mal in den Nachrichten oder Radiosender in den Themenformaten den Satz „Das Interview haben wir vor der Sendung aufgezeichnet“. Dem ZDF mag man zugute halten, dass es mit diesem Bild ebenso überrumpelt worden ist, sonst hätte Béla Réthy möglichweise etwas sazu sagen können…
    Aber das ist nun wirklich kein Grund, sich aufzuregen.

    3. Es ist auch nichts Neues, dass die UEFA (oder FIFA, das IOC et al.) das von der Regie erstellte Live-Bildsignal bei Spielen an alle Welt verkauft und so entscheidet, wer was zu sehen bekommt. Lediglich die austragenden Länder haben z.T. das Recht, eigene Bilder zu erstellen. Das ist auch vernünftiger und effizienter, als weitere Hunderte von Kameras, TV-Teams und Ü-Wagen um alle Sportstätten zu positionieren, damit jeder sein eigenes Bild bekommt, bzw. die Stadionkamera-Motive zusammenschneidet.
    Das wissen wir aber auch spätestens seit 2008 als in Wien ein Blitzeinschlag für 5 Minuten dafür sorgte, dass das UEFA-Bild nicht in den Satellit ging. Österreich und die angrenzenden Regionen hatten eigenes (ORF-) Bild, der Rest musste den Kommentaren lauschen.

    Ich sehe keinen Grund, warum der DfB jetzt ein Fass aucfmachen sollte.

  3. @Lutz: Ich bin nicht deiner Meinung:

    ad 1: Sport und Politik lassen sich – im Spitzensport – nicht voneinander trennen. Ohne Politik ist Spitzensport heute gar nicht mehr wettbewerbsfähig. Deshalb gehört das auch zusammen. Aber ich lasse mich notfalls auf einen Kompromiss ein: Sperrt Angie aus den Umkleidekabinen aus, dann darf auch auf eine Berichterstattung über grüne Protestler verzichtet werden 😉

    ad 2: Nein: vorproduzierte Atmo-Bildchen haben in der Live-Berichterstattung nichts zu suchen. Es geht hier um eine saubere Trennung und klare Unterscheidung. Vorproduktionen für technische Ausfälle stehen auf einem anderen Blatt und sind als solche kenntlich zu machen. Anders lassen sich Fahrlässigkeit und politisch gewollte Manipulation nicht klar trennen.

    ad 3: Ein Produktionspool ist doch etwas anderes als eine zensierte Bildauswahl und nur weil das inzwischen Usus ist – und es ist dies nicht aus Kostengründen, sondern einzig auf Druck der Vermarkter – ist es noch lange nicht gut zu heißen.

  4. Nun hat sich zumindest das ZDF empört:
    „Das ZDF hat sich im Bilderstreit „Joachim Löw und der Balljunge“ zu Wort gemeldet: „Wir haben bei der UEFA moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder. Das entspricht nicht unseren journalistischen Standards“, so Chefredakteur Peter Frey. Er erwartet von der UEFA, dass sie das ZDF künftig darauf hinweist, ob sie während einer Live-Übertragung aufgezeichnetes Material verwendet.“ (Quelle: kress: http://bit.ly/MEBkTC)

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