Die digitale Entschleierung

Interessante Frage: Darf man jemanden, der anonym twittert, outen? Aktuell wird das gerade bei einem ziemlich heftigen Kommentar-Krieg der sich rund um das angeküdigte Video-Weinportal „TVino“ des Hamburger Weinverkosters Hendrik Thoma entzündet hat. Es handelt sich nämlich ganz offensichtlich um eine PR- und Marketingmaßnahme des mächtigen Hanseatischen Weinhandelskontors HAWESKO, was aber in den Pressemitteilungen zu einer „Zusammenarbeit“ mit Thoma verniedlicht wird.


Auf der Website des Bloggers und Weinfachmanns Dirk Würtz aus Gau-Odernheim meldet sich ein gewisser Eckhard Supp mit der Bemerkung zu Wort: „Was heißt da ‚in Zusammenarbeit‘? Eigner der Domain und damit Medieneigner ist Hawesko, die Medienarbeit macht die Haus-PR-Agentur von Hawesko, sämtliche Verantwortlichen sitzen bei Hawesko. Von einer ‚Zusammenarbeit‘ mit Hawesko zu faseln ist da reiner Etikettenschwindel.“

Das wiederum bewegte eine gewisse „Stephanie“ zu einer beherzten Verteidigungsrede, nach dem Motto; „@ Eckhard Supp: Ihr Kommentar ist sowas von ueberfluessig ! Und eigentlich interessiert es auch niemanden…“

Richtige Flame Wars sind ja in der deutschen Bloggosphäre ja eher selten (der Deutsche an sich liest nur, er kommentiert nicht, ein Phänomen, über das an dieser Stelle schon mehrfach die Rede war). Aber jetzt kommt’s: Mario Scheuermann (@weinreporter), ein ebenso sachkundiger wie streitsüchtiger Wein-Journalist (und damit in gewissem Sinne ein unmittelbarer Wettbewerber) hat sich, wortgewaltig wie immer, eingeschaltet und die Dame Stephanie beim Namen genannt: „@Stephanie, oder soll ich besser sagen liebe Frau Doering, denn Sie sind doch die Urheberin dieses Kommentars, oder?“

Stephanie Doering soll wiederum Mitarbeiterin des Hauses HAWESKO und mitverantwortlich für das TVino-Projekt sein, was sie aber offenbar nicht an die große Glocke hängen wollte. Sonst hätte sie sich ja selbst mit vollem Namen gemeldet. Vielleicht ist sie ja ein bisschen schüchtern. Vielleicht liebt sie die Anonymität, die Freiheit, die eine Dame meiner Bekanntschaft mal als den „digitalen Burka“ bezeichnet hat und den sie durchaus als Erleichterung und Befreiung empfand.

Vielleicht will aber eine ausgebuffte PR-Dame den Schutz der Anonymität benutzen, um Glaubwürdigkeit zu gewinnen, was dann nicht mehr ganz so lustig wäre. Ob Interessensvertreter sich im Internet immer als solche zu erkennen geben müssen, ist eine andere Frage. Meine ist mehr eine der Netiquette: Durfte Mario S. der Dame so einfach rüde den Schleier vom Gesicht zerren. Handelt so ein digitaler Gentleman? Oder ist das eher rüpelhaft? Kommentare – von mir aus auch geharnischte – sind übrigens ausdrücklich erwünscht!

3 Gedanken zu „Die digitale Entschleierung“

  1. ich bin ja mal selbst pr-mensch. aber ich weiß trotzdem, was sich gehört. und anonymes zwitschern gehört sich nicht. überhaupt gar nie nicht. meine twitteradresse lautet deshalb ganz korrekt und ausführlich „michaelkausch“. und wenn ich irgendwo was kommentiere, dann immer mit meinem vollen namen.
    also: runter mit der burka. immer. überall.

    andererseits: wenn sich die arme frau doering wirklich hätte verstecken wollen, hätte sie das dann wirklich unter ihrem wirklichen vornamen gemacht? wohl eher nicht. insofern treibt kollege scheuermann ein perfides spiel: er erweckt den eindruck, als habe sich die pr-dame verstecken wollen. in wirklichkeit wollte sie sich nur mit ihrem vertraulichen vornamen anbiedern, wie das so sitte ist in bloggingen und twitterhausen.

  2. Es beweist sich doch immer wieder: So funktioniert Marketing eben nicht. Und… es kommt immer alles raus!

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