Der Blog, das Blog?

Gut, es gibt wichtigere Fragen zu beantworten. Wie kriegen wir die globale Erwärmung in den Griff? Ist Obama wirklich ein Liberaler? Darf eine Bundeskanzlerein Busenansatz zeigen? Trotzdem will ich sie stellen, die Frage, die mich gerade am heftigsten herumtreibt: Heißt es eigentlich „der Blog“ oder „das Blog“?

Gleich vorweg: Ich sage „der Blog“. Ich darf das, denn ich bin Amerikaner, und es ist unsere Wortschöpfung, da könnt Ihr Deutschen Euch auf den Kopf stellen. Aber als ich die Frage per Mail an Michael Kausch richtete, kam von ihm sofort ein schroffes „nein nein. DAS blog. unbedingt.“

Wie ernst es ihm ist, merkt man daran, dass er in einer Mail Großbuchstaben verwendet. Das tut er sonst nie.

Das heisst aber nicht, dass er recht hat. Leider hilft uns auch der Duden („Blog, das, auch der)“ nicht wirklich weiter. Man hat es sich in Mannheim offenbar seit der Right-Write Reform ganz abgewöhnt, eindeutig zu irgendeinem Thema Stellung zu beziehen und sagt statt dessen im Grunde: „Macht doch grad was ihr wollt!“

Ich habe also das getan, was man als Digitalmensch heute in einer so festgefahrenen Situation tut: Ich habe das Orakel von Google befragt – und habe eine wahrhaft delphische Antwort erhalten:

  • Für „das Blog“ spuckt unsere Lieblings-Findmaschine 38.100 Fundstellen aus, für „der Blog“ nur 20.600. Runde eins an Michael, also. Wenn man aber etwas genauer hinsieht, dann wird klar, dass die wirklich guten Blogger meistens „der Blog“ verwenden. B@tze, zum Beispiel, der sich als „Gadget-Junkie“ beschreibt und unter www.baetze.com postet. Oder „kulturnation.de – der blog“ (Motto: „Don’t ask what your computer can do for you, ask what you can do for your computer…“). Kronzeuge ist aber die Website von „Mediendidaktik“ (wenn das keine pensionierten Altphilologen sind, was dann?), die schreiben: „Der Blog funktioniert als Lerntagebuch oder ‚e-Portfolio‘, in dem Informationen, die im Web verfügbar sind, und eigene Ansichten zum Thema, wiedergegeben werden.“
  • Und was kann die „das Blog“-Fraktion dagegen aufbieten? Lächerlich! „latinale, das blog zum Festival“ – irgendwelche Gutmenschen treffen sich und spielen „El condor pasa“ auf der Panflöte. Oder „Freie Radikale – Das Blog der deutschsprachigen Objektivisten“. Werden sicher schon vom BKA beobachtet…

Ich habe also wie immer in solchen Sprachenauseinandersetzungen recht. Was Sie, geneigter Leser, ebensowenig wie meine Mitblogger davon abhalten soll, mir noch mehr Recht zu geben. Oder von mir aus auch eine Gegenmeinung zu formulieren. Der Blog verzeiht alles.

5 Gedanken zu „Der Blog, das Blog?“

  1. das gerede vom männlichen blog ist
    a) eine revisionistische anbiederei an die postmoderne
    b) ein reaktionärer ausdruck männlichen chauvinismus
    c) einfach unhistorisch.

    zu a)
    die ersten blogger haben zurecht immer von „das blog“ gesprochen. das vermutlich älteste deutsche blog beginnt am 3. juni 1996 mit dem eintrag: „Meinem Hund geht es gut und ich habe gerade ein Wiener Schnitzel gegessen, nachdem ich vom eineinhalbstündigen Fitness-und Saunaabenteuer nach Hause gekommen bin. Jetzt genieße ich kaffeetrinkend die ruhigen Minuten meines Arbeitslosendaseins und schlendere ein wenig im Netz.“(robert braun: http://members.aol.com/druna28/1996.html). das blog war roberts tagebuch=logbuch. und nicht einmal einem eingefleischten bayern, der sich morgens den butter aufs brot streicht, würde es je einfallen „der tagebuch“ zu sagen. wer revisionistisch diese ableitung des blog vom tagebuch abstreitet, will sich doch nur an die nachgeborenen anwanzen. typisches gehabe von männern in den wechseljahren. wahrscheinlich sucht tim auch noch mit google …

    zu b)
    wenn man schon „das blog“ ablehnt, warum dann nicht „die blog“? die besten bloggerinnen sind bekanntlich weiblich.

    zu c)
    um die sache ein für allemal zu klären habe ich im buch der bücher nachgeschaut. das grimmsche wörtbuch band 2 („biermör.“ bis „dwatsch“) erklärt:
    „blocken = schwere arbeit thun: er blockt wie ein klotz“. „blocken“, aus dem in der mittelhochdeutschen lautverschiebung später „bloggen“ wurde, kommt wie das wort „block“ laut grimm eigentlich von „bloch“, denn „bloch ist wie loch n. (sc. sächlich) und empfängt den plural blöcher, ahd. pilohhir, wie loch löcher, ahd lohhir.“ und weiter verweisen die grimms auf luther, der schreibt: „solche werk der reu und gnaden kennet mein lieber bapst weniger, denn der grosze bloch, der da ligt“. übrigens in kleinschreibung. nur weil der papst heute ein bayer ist, braucht man wirklich nicht das gute alte bloch zu „der bloch“ verballhornen. ist doch wahr! by the way ist damit auch geklärt was der plural von blog ist: „die blögger“. ich verweise hier im grimmschen sinn nochmals auf „die löcher“.

    im übrigen sei zu dieser debatte auf folgendes (leider schon historisches) blog verwiesen: http://das-nicht-der-blog.blogspot.com/. und damit hat sichs dann aber auch.

  2. Laut Impressum ist der Blog hier aus München (Bayern)
    Hier heisst es ja auch DER Butter und DER Radio also natürlich auch DER Blog.
    Mir san mir!

  3. ich war zwar nicht auf dem humanistischen gymnasium, aber ich hatte dort eine zeitlang eine freundin. deshalb weiss ich, es heisst definitiv DIE butter, also wohl auch DIE BLOG …

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