Das Ende von eBay

eBay hat sein Geschäftsmodell verraten – und damit seine Kunden und Partner!

Wie die New York Times heute berichtet, hat der neue eBay-Chef John Donahue heimlich einen Mega-Deal mit dem Marktplatzbetreiber Buy.com abgeschlossen, der diesem erlaubt, die Seiten von eBay mit Millionen von Festpreisangeboten zu überfluten und damit kleineren Händler („Power Seller“) quasi das Wasser bis an den Hals steigen zu lassen.

Der Handelsriese Buy.com mit seinen knallhart kalkulierten Margen bekommt offenbar deutlich bessere Konditionen als die bisherigen Partner und kann mit Lockangeboten wie kostenloser Versand, Rücknahme- und Telefonservice kleinere Händler ausstechen.

Eigentlich wollte eBay ja genau das auch für Otto-Normalhändler realisieren. Oder weshalb sonst hat Donahue’s glücklose Vorgängerin Meg Whitman denn fast zwei Milliarden Dollar in den Kauf des Online-Telefondiensts Skype versenkt? Vielleicht weil sie selber gerne billiger telefonieren wollte? Wohl kaum…
Wie peinlich eBay die Sache ist, beweist schon die Tatsache, dass man versucht hat, den Deal mit Buy.com möglichst geheim zu halten. Als ein wütender eBay-Händler die Nachricht dann über My Blog Utopia streute, wurde hurtig eine Pressemeldung nachgereicht.

Ja, das Auktionsgeschäft ist besonders in den USA stark rückläufig, aber eBay zieht daraus die falschen Schlüsse.Es liegt nicht daran, dass Kunden etwa lieber zum Festpreis einkaufen, sondern weil eBay beides – Auktions- und Festpreisangebote – durcheinanderwirft – und damit die Kunden verwirrt und verärgert.
Es wird Zeit für eBay, das Rumgeeiere zu beenden und endlich Konsequenzen zu ziehen – nämlich eine harte und klare Trennung von Marktplatz und Versteigerungen. Wenn man vielleicht noch einen Käufer finden würde, der wenigstens ein paar Millionen für Skype bieten würde, ließe sich der fatale Fehleinkauf von Frau Whitman wenigstens teilweise verschmerzen. Und eBay muss zusehen, dass man vier, viel mehr aus PayPal macht. Nämlich eine Universal-Plattform für Finanzdienstleistungen, sowohl online wie offline.

PayPal ist eine Bank – und ich meine das wörtlich. Wenn eBay seine Karten richtig spielen würde, müssten sich Deutsche Bank & Co. warm anziehen.

Wie es aussieht, werden aber auch diese Gelegenheiten ungenutzt verstreichen. Stattdessen wird eBay seine Unschuld verkaufen – und vielleicht eines Tages wieder vom Markt verschwinden. Schade, es war so schön mit uns. Eine Zeitlang, jedenfalls…

Ein Gedanke zu „Das Ende von eBay“

  1. … und ich bin immer noch verblüfft, wieso der Skype-Deal nicht gegriffen hat. Als ich damals von der Transaktion gehört hatte, war meine erste Reaktion: „Jetzt packen sie es doch noch. Bezahlen + reden (i.e. Vertrauen gewinnen) + Dinge verkaufen – und das alles unter einem Dach! Faszinierend!“ Na gut, bisserl teuer war Skype, ok.

    Ansonsten habe ich dem Artikel nichts hinzuzufügen – richtige Einschätzung, sehe ich auch so!

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