Czyslanskys Katze

„Katzen fallen immer auf die Pfoten“ das ist eine Binsenweisheit, die so alt ist wie die Katze oder wie die Binsen selbst. Die erste mir bekannte Erwähnung der Binse ist die in der alttestamentarischen Geschichte von Moses in seinem Binsenkörbchen. Die erste Erwähnung der felinen Drehbarkeit ist laut Czyslansky vom Propheten Mohammed überliefert. Er, so sagt die Legende, habe der Katze diese Fähigkeit aus Dankbarkeit selbst verliehen. Nachdem ihm eine Katze das Leben gerettet hatte (sie hatte eine ihn im Schlaf angreifende Schlange besiegt), sprach er die Worte „Keine Kreatur wird dich je auf den Rücken werfen können.“

Kalifornien im Jahre 1949, Czyslansky saß mit seinem Freund dem amerikanischen Ingenieur Edward A. Murphy, jr. in einem Diner beim Frühstück. Sie hatten es an diesem Morgen etwas eilig: ein wichtiges Experiment auf dem Raketentestgelände der Airforce stand bevor und Murphy war entsprechend aufgeregt. Wie in vielen schicksalhaften Geschichten fiel auch in diesem Moment etwas herunter, was für die Physik eine große Bedeutung haben sollte. Was für Newton der Apfel war, war für Murphy der Buttertoast. Czyslansky wunderte dessen Landung auf der Butterseite in keinster Weise. Mit gewohnt stoischem Gesichtsausdruck verfolgte er dessen Flugbahn und konnte zu diesem Zeitpunkt den cholerischen Wutausbruch seines Freundes nicht ganz nachvollziehen. Als an diesem Tag dann auch noch das für Murphy und die Airforce so wichtige Experiment schief ging, formulierte dieser entmutigt Murphys Gesetz.

Backwaren, die immer auf ihrer Butterseite und Tiere, die immer auf ihren Pfoten landen beschäftigten Czyslansky viele Jahre. Diese beiden Phänomene als ein einziges zu erkennen, sollte allerdings noch einige Jahre dauern.
Im Wiener Kaffeehaus Aida, soll es angeblich gewesen sein, in dem Czyslansky und sein langjähriger Freund und Kollege Erwin Schrödinger bei einem großen Braunen zusammen saßen und dieser ihm von seinem Gedankenexperiment erzählte, was später als „Schrödingers Katze“ einige Berühmtheit erlangen sollte. Czyslansky und Schrödinger kannten sich noch aus ihrer gemeinsamen Breslauer Zeit und trafen sich immer wieder, wenn auch mit großen zeitlichen Abständen, führten doch beide ein von den Ereignissen der Weltgeschichte gebeuteltes, sehr unstetes Leben.
Schrödinger erklärte: Wenn ein Elementarteilchen – was laut der Quantentheorie sowohl existieren, also auch nicht existieren kann – mit einem perfiden Tötungsmechanismus gekoppelt wird, dann kann eine, dieser Maschine ausgelieferte Katze, sowohl tot, als auch lebendig sein.

Unser genialer Denker brauchte nach dieser Erkenntnis nur noch eins und eins zusammen zu zählen und formulierte sodann das Gesetz von Czyslanskys Katze.

Eine Katze mit einem Buttertoast auf den Rücken geschnallt, landet gleichzeitig auf der Butterseite UND auf den Pfoten.

6 Gedanken zu „Czyslanskys Katze“

  1. Czyslansky war bekanntlich zeitlebens ein Ailurophobe (griech. für „Katzenfeind). Er bevorzugte wie die meisten vernünftigen Menschen Hunde als Haustiere und sah in Katzen ein archaisches Symbol für menschlichen Aberglaube (Hexenkünste) und sexuelle Abnormität. Möglicherweise war er durch frühkindliche Einflüsse geprägt; im Salon seines Elternhauses in München soll ein recht blutrünstiges Gemälde gehangen haben, auf dem das 1740 durch Lohnarbeiter einer Pariser Druckerei verursachte Gemetzel an den Hauskatzen in der Pariser Rue St. Sevérin abgebildet war (siehe Robert Darton: „Arbeiter proben den Aufstand: Das große Katzenmassaker in der Rue Saint-Séverin“, 1984). Der Wirtshausstreit in Paris mit dem Dichter T.S. Eliot, einem bekennenden Katzenliebhaber („Old Possum’s Book of Practical Cats“), bei dem es um die Frage ging, ob sich Katzenjammer je als Musical-Sujet eignen würde, mag ein Weiteres zu seiner Abneigung gegen die Gattung der Felidae beigetragen haben.

    Allerdings halten ernsthafte Czyslansky-Forscher Berichte, wonach der geniale Vordenker des digitalen Zeitalters immer wieder tierquälerische Experimente mit Katzen vornahm, für eine bösartige Verdrehung der Tatsachen. Es stimmt zum Beispiel nicht, dass er Katzen in einen Zylinder sperrte, in dem sich eine mit Giftgas gefüllt Patrone befand, das sich beim Zerfall eines Atomkerns öffnete und die Katze tötete.

    Es stimmt allerdings, dass er gelegentlich beim Heurigen lustvoll über solche Gedankenexperimente mit Freunden wie den österreichischen Quantenphysiker Erwin Schrödinger gesprochen hat, besonders dann, wenn er wieder während der Balzzeit vom Geschrei eines liebeshungrigen Hauskaters am Schlafen gehindert worden war. Ihn faszinierte dabei die Vorstellung, dass es in einem solchen Fall unmöglich wäre, den wahren Zustand des Tiers in einem gegebenen Moment zu bestimmen. Die Katze wäre, zumindest aus praktischer Sicht, gleichzeitig tot und lebendig – „aber lieber tot“, soll Czyslansky im Überschwang seiner Verärgerung ausgerufen haben.

    Czyslansky kann also mit Fug und Recht als der Vater der so genannten „Kopenhagener Deutung“ der Überlagerung bezeichnet werden, eine Interpretation der Quantenmechanik, die von Niels Bohr und Werner Heisenberg während ihrer Zusammenarbeit in Kopenhagen formuliert wurde, und die auf der von Max Born vorgeschlagenen Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Wellenfunktion basiert. Ihn jedoch als „krankhaften Katzenmörder“ zu bezeichnen, wie es einige seiner Feinde getan haben, ist dagegen blanker Unsinn.

  2. Heute wissen wir, dass Katzen mit einem Butterbrot auf dem Ruecken spontan Anti-Gravonen emmittieren und schweben, und hierbei mit hoher Frequenz um ihre Laengsache rotieren (Cat Spin). Die chinesische Forschung versucht gegenwaertig, diesen Umstand in der Monorail-Technologie auszunutzen. Milchbauern erwarten hohe Einnahmen durch den erhoehten Bedarf an Butter in diesem neuen Marktsektor.

  3. Vielen Dank, Tim für die Aufklärung bezüglich Czyslanskys „Katzenhasses“. Das war mir so noch nicht bekannt. Was ich allerdings in meiner Ausführung vergaß zu erwähnen, dass eine ausgesprochen stark ausgeprägte Katzenhaar-Allergie Czyslanky zeitlebens daran hinderte seine Theorie empirisch zu untermauern. Jeder Versuch einen Buttertoast auf einer Versuchskatze zu montieren scheiterte an heftigen Niesanfällen und lebensbedrohlicher Schwellungen der Atemwege.

  4. Die Experimente mit Buttertoasts dürften als weitgehend abgeschlossen angesehen werden. Katzen mit Buttertoasts fallen unter die Cat-5-Spezifikation.

    Cat 5 ist aber nicht der neueste Stand. Überraschende Erfolge wurden mit Marmeladetoasts erzielt (Cat 7). Noch nicht veröffentlicht ist Cat 9 (das geht dann mit Nutella).

  5. alte geheime Überlieferungen einiger südlicher Staaten, welche ich glücklicherweise kurz sichten durfte, berichten ebenfalls von Versuchen mit dem Butter/Katzenphänomen.
    allerdings trifft man dort manchmal auf unerklärte Vorgänge wobei sich die katze auflöste/verschwand und die Butter samt Brot zurückblieben und den eingangs beschriebenen Gesetzen unterwarfen. Man brachte in diesen fällen den Codenamen „Catnip/catnipping“ an.

    laut eigenen Ermittlungen baut auf dieses Phänomen die später in Mode gekommene Finanzspritze des Kidnappings auf, wobei im laufe der Zeit die urtümliche Bedeutung und die ehemalige Schreibweise abgewandelt wurde.

    Leider kann ich diese Behauptung nicht untermauern, da mein Spionagekugelschreiber keinen Film mehr hatte… Misst verdammter…

    Grüße

  6. in russland, so wird berichtet, hat man in den frühen fünfziger jahren das cat5-experiment versucht mit menschen, statt mit katzen nachzustellen. angeblich auf grund der ungünstigen mensch-toast-relation (in wahrheit gab es vermutlich nur grad kein brot) hat man den beteiligten menschen statt einen buttertoast einen bären aufgebunden. die beobachtungen entsprachen im übrigen den von tobias b (b wie „bär“?) bereits ausgeführten catnipping-phänomen: nach mehrfachen drehungen landete der bär zumeist wohlbehalten auf seinen tatzen, während der menschliche versuchsträger seine molekularzusammensetzung in aller regel nicht erhalten konnte. die wenigen überlebenden erbrachen nach abschluss des versuchs zumeist einen grünlichen schleim, der ihnen den spitznamen „mooskauer“ einbrachte, ein noch heute in weiten teilen russlands gebräuchlicher begriff, semantisch dem deutschen ausdruck „bärliner“ nicht unähnlich.

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