Czyslanskys Bettlektüre #4: Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Wie immer ein ganzer Stapel.  Aktuell lese ich Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada. Einmal mehr übrigens.

Einmal mehr?

Ich habe es vor Urzeiten gelesen, dann vor zwei Jahren in der neuen, ungekürzten Ausgabe und jetzt habe ich es noch einmal zur Hand genommen. Dieses Mal allerdings lese ich es nicht von vorne bis hinten sondern nur punktuell einige Abschnitte. Szenen, die ich mir noch einmal in Erinnerung bringen möchte.

Wie sind Sie auf das Buch getoßen?

Natürlich gehört Jeder stirbt für sich allein zu den Klassikern der deutschen Nachkriegsliteratur und gehört schon deshalb in den Kanon der Bücher, die man gelesen haben sollte. Ich fand es schon beim ersten Lesen nicht nur unglaublich spannend, sondern auch, weil man weiß, wie es ausgehen wird, frustrierend und sehr bewegend.
Als die ungekürzte Ausgabe herauskam, wollte ich es einfach noch mal lesen. Ich war sehr neugierig, hervorgerufen durch zwei Pressebesprechungen.

Was ist spannend an einem Buch, wenn man weiß wie es ausgehen wird?

Hans Falladas Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Während der Nazidiktatur beginnt Berliner Arbeiterehepaar, nachdem ihr Sohn im Frankreichfeldzug ums Leben gekommen ist, Postkarten in den Treppenhäusern von Wohngebäuden auszulegen. Auf diesen Postkarten rufen sie zum Nachdenken auf: „Mutter! Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet. Mutter! Der Führer wird auch deine Söhne ermorden!“. Die Gestapo macht Jagd auf sie. Sie werden gefasst. Bis dahin fiebert man aber jeden Moment mit, dass es ihnen gelingen möge, unerkannt zu bleiben. Und fast wäre das auch geglückt. Das ist schon sehr spannend geschrieben.
Selbst als sie verhaftet werden und vor den Volksgerichtshof gestellt werden, hofft man irgendwie noch auf ein gutes Ende, das es natürlich nicht gibt, Auch die vielen Nebengeschichten und -figuren liefern zusätzliche Spannung und einen Einblick in das ganz einfache Mitläufertum, die Angst vor Repression, das Misstrauen der Menschen untereinander – und den einzelnen sehr verhaltenen Mut Einiger.

Ein Buch, das bewegt?

Ja, und das geschieht nicht nur die Spannung. Die Charaktäre sind ielschichtig und tief, ohne dass man unbedingt die Menschen besonders mögen muss. Es sind eher die vertrauten Nachbarn, die einem doch irgendwann ans Herz gewachsen sind. Als Leser wird man ein Teil dieses Ensembles, nicht handelnd, aber immer mittendrin. Die Menschen berühren einen, die ehrlichen, redlichen sehr schnell, doch genauso schnell lernt man die verschlagenen, brutalen, egoistischen und hintertriebenen zu verachten.
Es ist enorm frustrierend, wenn man schrittweise mitbekommt, dass all das Misstrauen
dass alles Hoffen und Bangen mit den Hauptfiguren nichts nützt.
Es rührend, die Hilflosigkeit und Aufrichtigkeit der einfachen Menschen mitzuerleben, es macht wütend,  Augenzeuge der Verschlagenheit der Denunzianten, der Brutalität in den Folterkellern der Gestapo, der Arroganz am Volksgerichtshof zu sein.
Besonders faszinierend ist, dass der Roman eine wahre, historische Begebenheit aufgreift, das verleiht ihm den Anspruch einer gewissen Authentizität. Auch wenn Fallada viel drum herum hinzugedichtet hat, bleibt er im Kern doch bei der wahren Geschichte. Dadurch, dass man sicher immer wieder daran erinnert, dass es so oder so ähnlich zumindest tatsächlich passiert ist, gewinnt das Buch eine zusätzliche Intensität.

Was bleibt?

Ein Buch, dass ich immer wieder mal zur Hand nehmen werde. Für mich ein enorm starkes Lesseerlebnis mit vielen Emotionen. Ein Blick tief ins Innere des Gemüts der Menschen in der Zeit des nationalsozialistischen Terrors.

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Jeder stirbt für sich allein
Autor: Hans Fallada

Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 7 (16. April 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746628113
ISBN-13: 978-3746628110

Auch als gebundene Ausgabe oder als e-Book erhältlich

 Foto: Eva Prauser

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